Bis Sonntagabend lief in der Reutlinger Eishalle eine Veranstaltung, die buchstäblich unter die Haut ging: die fünfte Internationale Reutlinger Tattoo Convention.
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Bernhard haage
Reutlingen. Kaum hatten die Veranstalter die Tore geöffnet, da sirrten an vielen Ecken der Halle bereits die Tätowiermaschinen. Dauerhafte Kunst am Körper ist das Metier von 60 Tattoo- und Piercing-Künstlerinnen und –Künstlern aus dem In- und Ausland, die ihren Arbeitsplatz am Wochenende in die Reutlinger Eishalle verlegten. Dort warben sie bei der fünften Reutlinger Tattoo Convention für ihr Kunsthandwerk und Geschäft und lockten damit viele Interessierte an.
Kunst und Körperkult bei der Tattoo-Convention in Reutlingen
Längst sind Tätowierungen viel mehr als uralte archaische Symbole, wie sie zum Beispiel auch die 5000 Jahre alte Gletschermumie Ötzi zierten. Dies zeigte sich deutlich an der stilistischen Bandbreite des Publikums in Reutlingen. Neben dem bärtigen Altrocker, dem bleichen und kettenbehangenen Grufti tummelten sich dort auch modebewusste junge Frauen und Männer, unauffällige ältere Herrschaften mit Kennerblick und nur ganz selten mal einer, der mit Herz oder Anker auf dem Oberarm, dem veralteten Klischee vom tätowierten Matrosen entsprach.
„Wir haben auch Frösche“, sagte ein Vertreter von Mystic Ink Tattoo aus Kronach zu einer jungen Frau, die gerade die Schmetterlinge in seinem Musterkatalog betrachtete und traf damit genau ihren Nerv. Tatsächlich lässt sich heutzutage die Bandbreite der Motive, die sich Menschen mit Nadeln und Tinte in ihre Haut stechen lassen, kaum mehr überschauen. Tiere, Pflanzen Gesichter, Indianer, Buddhas, Herzen in jeglicher Form und Fantasy-Motive waren in der Eishalle ebenso vertreten, wie Sterne oder japanische Schriftzeichen. Tätowiert werden beinahe alle Körperteile. Weniger gefragt, so erfährt man auf Nachfrage, sind heute allerdings jene Tätowierung über dem Steißbein, die als „Arschgeweih“ in die Umgangssprache eingingen.
Auch mystische und religiöse Motive (im Bild ein frisch tätowierter Buddha) lagen bei der Tattoo Convention im Trend. Bild: Faden
Die Frage ob Tätowieren eigentlich weh tut, stellt sich angesichts tapfer lachender und munter plaudernder Gesichter auf den „Operationstischen“ der Tattoo-Künstler eigentlich nicht mehr. Etwas schmerzhafter und mitunter auch blutiger geht es beim Piercing oder bei Implantaten zur Sache. Solche, inklusive Intim-Piercing, wurden beispielsweise von der Mannheimer Firma Trust Bodymodification angeboten.
Geschmacksache, wie alles was auf der Convention zu sehen ist, ist auch das Rahmenprogramm mit Kampfsportvorführungen vom M& T Fightclub Reutlingen und die „Burlesque Show“ von einer ziemlich leicht bekleideten, dafür aber üppig tätowierten Miss Piranja.
„Ich würde mir auch nicht den Namen von meiner Freundin tätowieren“, verrät ein Mann mittleren Alters, auf dessen nackten Waden beeindruckend wilde Rosen wuchern. Manches ist eben doch nicht für die Ewigkeit bestimmt. Tätowierungen und das macht für die Freunde von Tattoos ihren Reiz aus, sind es eigentlich schon.