Umgangston zwischen Stadtverwaltung, Eltern und Gewerkschaft ist rauer geworden
Im Zielkonflikt des Erzieherinnen-Streiks
Im andauernden Tarifstreit der Erzieherinnen verschärft sich langsam der Ton zwischen den Parteien. Vor allem nachdem die Stadt Reutlingen der Gewerkschaft Verdi eine „überzogene“ Streikstrategie vorgeworfen hat.
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Matthias Stelzer
Reutlingen. Weil Verdi ihre Streikaktionen in der aktuellen Tarifauseinandersetzung der Stadt zuletzt angeblich später mitteilte als in den vergangenen Jahren üblich, erhob die Reutlinger Stadtverwaltung Ende der Woche schwere Vorwürfe gegen die Gewerkschaft (wir berichteten). Vom Streik am gestrigen Montag habe man bei der Verwaltung erst am vergangenen Donnerstag um 12.16 Uhr erfahren. Und damit zu spät, um den Bedarf an Notbetreuung zu erheben. „Über dieses Vorgehen zu Lasten der Kinder und Eltern ist man im Rathaus empört“, hieß es in der Pressemitteilung der Stadtverwaltung. Allerdings würden auch immer mehr Eltern erkennen, dass sie „von den Gewerkschaften zur Durchsetzung von Tarifforderungen instrumentalisiert würden“.
„Wir wollen schnell Einigkeit erzielen. Es ist die Arbeitgeberseite, die sich zurücklehnt“, sagt dagegen Martin Gross. Der hiesige Verdi-Geschäftsführer, der gestern mit gut 100 Reutlinger Erzieherinnen zum Demonstrieren in Göppingen war, sagt deshalb: „Wir fordern die Spitzen der Rathäuser auf, auf die Betonköpfe der Vereinigung kommunaler Arbeitgeber einzuwirken.“ Außerdem habe Verdi „großes Verständnis“ für die Situation der Eltern und deshalb „selbstverständlich Gespräche über Notdienstregelungen angeboten“.
Keine Rücksicht will Gross dagegen auf die Lage der öffentlichen Haushalte nehmen: „Mir fällt dazu ein – bei den Banken sind sie fix, für die anderen tun sie nix.“ Es gehe hier darum, einen sozialen Beruf aufzuwerten, der wichtig für die Zukunft sei. „An der Entwicklung unserer Kinder darf nicht gespart werden.“
Das sieht auch Carl-Gustav Kalbfell so. Der künftige FDP- Stadt- und Kreisrat ruft zusammen mit seinen Kolleginnen aus dem Vorstand des Gesamtelternbeirats Reutlinger Kindergärten und Kindertagesstätten (GERK) zur „Mäßigung“ im Tarifstreit auf. Die Eltern stehen seiner Auffassung nach in einem Zielkonflikt. „Die Streiktage werden langsam zur Belastung“, sagte Kalbfell – und: „Wenn es den Erzieherinnen schlecht geht, ist das nicht gut für unsere Kinder.“ Eine Aufwertung des Berufsstands sei deshalb durchaus im Interesse der Eltern-Vereinigung.
Diese hatte sich zuletzt auch in einem offenen Brief an Oberbürgermeisterin Barbara Bosch gewandt. Es ging dabei um die Elternbeiträge. Da für die Arbeitgeber an Streiktagen weniger Personalkosten anfallen, die Eltern aber die Gebühren schon im Voraus bezahlt haben, wird in vielen Kommunen über Rückerstattungen diskutiert. Der GERK setzte sich zwar gegen eine verwaltungsmäßig aufwändige Rückzahlung ein, forderte von Bosch aber, dass das „Eltern-Geld“ nicht einfach im Stadtsäckel verschwinden darf. Das sagte die Verwaltung jetzt zu. Das Geld soll „unmittelbar und zweckgebunden“ zur besseren Ausstattung der Kindertageseinrichtungen verwendet werden.