Einige Tausend kamen gestern zum Fasnets-Umzug nach Sickenhausen
Hexen, Wölfe und „Goischdr“ zogen gestern durch die Straßen von Sickenhausen. Der örtliche Narrenverein organisierte das Fasnets-Spektakel.
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Julia Müller
Die Sickenhäuser Wölfe bildeten die erste von vielen Pyramiden beim Fasnetsumzug am Sonntag. Bild: Haas
Sickenhausen. „Wolfs – Hui!“ lautete der Narrenruf, den der Zunftmeister der „Sickenhäuser Wölfe“, Roland Jetter, ins Mikrofon brüllte, als die ersten seiner Wölfe zwischen den Zuschauerreihen angerannt kamen. Traditionsgemäß führten sie den Umzug an, der sich um 13.01 Uhr in Bewegung setzte. Das Publikum, das vermutlich wegen der klirrenden Kälte nicht so zahlreich erschienen war wie erwartet, stimmte lautstark in den Chor ein.
Ganze 61 Zünfte mit rund 3500 Narren aus der Umgebung waren angereist, um mit ihrem „Guggenhäs“, dem Fasnets-Gewand, eigenen Musikkapellen und jeder Menge Bonbons die 2,5 Kilometer lange Strecke durch Sickenhausen zurückzulegen. Die „Lorze Dräck Gusler“ aus der Schweiz waren die Narren, die die weiteste Reise in den Ort hatten.
Zum vierten Mal in Folge organisierte die Narrenzunft den Umzug. 1990 wurde sie gegründet, dieses Jahr feiert der Verein 20-jähriges Jubiläum. Die Vorbereitungen bedeuten jedes Mal wieder viel Arbeit: Bereits im März letzten Jahres begannen die Wölfe damit, Genehmigungen einzuholen, Zünfte anzuschreiben, Werbung zu machen und die Straßenreinigung zu organisieren. Zuletzt bauten die Helfer/innen Zelte ringsherum auf, in denen sich die abgekühlten Narren bei Glühwein und Tee wieder aufwärmen konnten. Das alles kostet – deshalb zahlten auch alle Besucher/innen, die älter als zwölf Jahre alt sind, 2,50 Euro Eintritt.
Während die Zuschauer/innen am Straßenrand mit Tee und Wurstwecken in der Kälte ausharrten, blieben die Narren ständig in Bewegung. Neben den Wölfen bahnten sich Bären, Esel, Katzen und sogar Fische ihren Weg durch die Menge.
Hexentürme und jede Menge Bonbons
Die größte Gattung machten die Hexen aus, die immer wieder mit Menschenpyramiden beeindruckten. Mit ihrem Geschrei, ihren ausschweifenden Gesten und markant geschnitzten Holzmasken sorgten sie sowohl für Jubel als auch für verängstigte Kinderaugen. Heu und Konfetti wurden ins Publikum geworfen. Weil es in Sickenhausen keine Absperrungen gibt, sind die Zuschauer/innen ganz ins Geschehen miteinbezogen. Roland Jetter erzählte zu jeder Zunft auch die Geschichten und Sagen, die sich um die jeweiligen Narrengestalten ragen.
Die Sickenhäuser Narren verzeichneten in den letzten Jahren starken Zuwachs. Während es 1990 noch 21 Mitglieder waren, sind es heute 357, darunter 200 Aktive. „Anfangs wurden wir schief angeschaut“, sagte die Wolfs-Närrin Yvonne Anhorn. In der evangelischen Region entstand der Brauch erst allmählich. Inzwischen ist der Umzug zur Tradition Sickenhausens geworden.
Einige der Narren seien noch nicht besonders fit, meinte Jetter kurz vor Beginn des Umzugs. Am Vorabend wurde in der „Nacht der Narren“ bis um vier Uhr morgens gefeiert. Um neun Uhr ging es dann in den Gottesdienst, anschließend zum Zunftmeister-Empfang. „Am Abend wird bis etwa 22 Uhr gefeiert“, kündigte Jetter nach dem Umzug an.