[X]
 per eMail empfehlen


   

Wannweiler Künstlerpaar Heidi und Manfred Degenhardt

Ein Garten als Selbstportrait

Jahrelange Arbeit und das Gespür für die Möglichkeit von Boden, Pflanzen und Stein, machen einen Garten zu einem Künstlergarten.

Anzeige


Mario Beisswenger

Wannweil. „Ein Garten ist auch ein Selbstportrait“, sagt Manfred Degenhardt und lädt damit ein, herauszufinden, was ein Künstlerpaar durch Pflanzenarrangements und Raumgliederung von sich zeigt. Auf jeden Fall ist das Ergebnis ein Doppelportrait: Der schattige Gartenraum beim Teich, der kleine Bachlauf, in den eine große Schwengelpumpe das Regenwasser Wasser schickt, die Blumenwiese rund um einen Apfelbaum, der fließende Übergang zum Wald mit hohen Eichen. Arbeitsspuren haben beide Partner des gleichberechtigten Künstlerpaares hinterlassen. Bei der täglichen Gartenarbeit wirkt aber vor allem Heidi Degenhardt. „Der Garten ist nach der Keramik meine große Leidenschaft.“ Entsprechend viele Spuren hinterlässt sie inklusive einer ganzen Palette ihrer Skulpturen.

Die großen Linien im Garten am östlichen Dorfrand von Wannweil hatte ihr Mann Manfred schon zuvor gezogen. Der Platz dafür ist großzügig. Ein Viertel Hektar misst das Grundstück, ein guter Teil davon Wald. „Ein bisschen Klarheit“ wollte Manfred Degenhardt in die Fläche bringen. Eine ganze Reihe viel zu dicht gepflanzter Fichten und auch Obstbäumen vom Vorbesitzer mussten als erste aus dem Garten weichen.

Beim Terrassieren des nach Südwesten einfallenden Geländes haben ihm Bauarbeiter geholfen, als sie die Nachbarstraßen ausbauten. Statt den Erdaushub und die zutage tretenden Rhätsandsteinplatten abzufahren, schoben sie das Ganze Material auf seinen Wunsch hin in den Garten und er konnte anfangen zu modellieren. Das ist wohl ein Baustein kreativer Gartengestaltung: Das, was schon mal da ist, geschickt einbauen.

Dazu kommt der Blick des Bildhauers für Masseverteilung und Proportionen. Im Ergebnis gliedern jetzt Terrassen den Hang im schattigen Gartenteil am Seerosenteich.

Oleander und Oliven waren ein Fehler

Nicht nur wegen der Erdarbeiten steckt „viel Kraft und Zeit“ in dem Garten, meint der 69-Jährige. Vor allem Zeit sei wichtig. Ein Garten müsse sich entwickeln. Manches war nur Zwischenstadium. „Früher hat das hier furchtbar ausgesehen“, findet er selbstkritisch. Mit viel zu viel Pflanzen aus Italien habe er den Garten vollgestellt. Dabei hätten Oleander und Olivenbäume hier gar nichts zu suchen.

Solche Experimente seien Zwischenschritte, meint Degenhardt. Die seien notwendig, auch als Gedankenexperiment. Es sei schön, nachmittags im Garten zu schauen, was sich alles verändern ließe. „Dabei macht es auch Spaß, nur zu überlegen, was man machen könnte, ohne es gleich zu tun.“ Auf die eine oder andere Verbesserung sind die Degenhardts auch gar nicht selbst gekommen. Sie hören zu, wenn ein Besucher Kritik übt am Selbstportrait. Auch das könnte ein Rezept sein für gelungene Gartengestaltung.

Wenn dann eine Entscheidung getroffen ist, greift meist Heidi Degenhardt zum Werkzeug. „Mir liegt das Zupacken“, sagt die 51-Jährige. Als es darum ging, der Hecke am Übergang zum Wald ein neues Aussehen zu geben, „war das meiste schon erledigt, bevor ich auch nur mit einem Bein aus dem Bett war“, gesteht ihr Mann.

Deshalb ist der Degenhardt‘sche Garten nicht nur Portrait. Für Heidi Degenhardt ist er ein Platz zum Arbeiten. Die streng geschnittenen Hecken sind ihr Werk. „Wir lieben das“, sagt sie. „Ich vielleicht sogar mehr als mein Mann.“ Für Manfred Degenhardt ist der Garten mehr der Platz zum Ausruhen zwischen der Arbeit im Atelier. „In den Pausen bin ich immer hier.“

Das Künstlerpaar Degenhardt

Manfred Degenhardt ist seit 50 Jahren als Bildhauer und Grafiker unterwegs, die gelernte Erzieherin Heidi Degenhardt stürzte sich vor zwanzig Jahren auf die Keramik. Verkauft hat sie ihre ersten Werke auf dem Wannweiler Weihnachtsmarkt, inzwischen wird sie zu Ausstellungen keramischer Plastiken auch nach China und Korea eingeladen. Manfred Degenhardt arbeitete unter anderem auch als Metallrestaurator. Zu seinen größeren Werken gehören der Brunnen in der Ortsmitte von Rommelsbach und die Plastik auf dem Gustav-Werner-Platz in Reutlingen. Bei Ausstellungen tritt das Paar auch zusammen auf, wie kürzlich in Tübingen.

29.08.2009 - 08:30 Uhr | geändert: 18.07.2011 - 12:28 Uhr
Anzeige


Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T�bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Anzeige


Anzeige


Ihr Kontakt zur Redaktion

Single des Tages
Anzeige
Testbericht.de - vergleichen Sie über 100.000 Produkte mit Tests und Preisangeboten.