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Das Rommelsbacher Modell

Bosch, Hochschule Reutlingen und Uni Stuttgart eröffnen Zentrum für Elektronik

In Reutlingen gibt es seit gestern ein neues bundesweit einmaliges Studien- und Forschungszentrum. Mit großem Bahnhof wurde das Robert Bosch Zentrum für Leistungselektronik (RBZ) eröffnet. Die Kooperation von Bosch, der Hochschule Reutlingen und der Uni Stuttgart hat für die nächsten zehn Jahre ein Budget von gut 30 Millionen Euro.

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Matthias Stelzer
Viel Rückendeckung hatte gestern Prof. Ulrich Schlienz (sitzend). Hinter seinem Arbeitsplatz ... Viel Rückendeckung hatte gestern Prof. Ulrich Schlienz (sitzend). Hinter seinem Arbeitsplatz versammelten sich (von links) Hochschulpräsident Prof. Peter Nieß, Bosch-Geschäftsführer Volkmar Denner, Finanz- und Wirtschaftsminister Nils Schmid, der Stuttgarter Uni-Rektor Prof. Wolfram Ressel und Bosch-Arbeitsdirektor Wolfgang Malchow. Bild: Faden

Rommelsbach. In der Oferdinger Straße in Rommelsbach, wo Bosch-Arbeiter über Jahre Einspritzpumpen produzierten, fuhren gestern dicke Limousinen vor. Finanz- und Wirtschaftsminister Nils Schmid kam, die Geschäftsführung von Bosch war gut vertreten, die Professoren-Dichte hoch. Kein Wunder, galt es doch den Start eines Forschungs- und Lehrverbunds zu feiern, der schon jetzt international als zukunftsweisend verstanden wird.

Im neuen 1800 Quadratmeter großen RBZ in Rommelsbach und einer angeschlossenen Abteilung an der Uni Stuttgart wird sich künftig alles um die Leistungselektronik, also die Steuerung elektrischer Energieströme, drehen. Eingesetzt werden sollen die entwickelten Bauelemente und Komponenten dann vor allem in den Bereichen Elektromobilität, Fotovoltaik und Medizintechnik.

„Wir haben mit dem Zentrum den Anspruch, uns weltweit messen zu lassen“, kündigte der Reutlinger Hochschulpräsident Prof. Peter Nieß an. Im RBZ sollen bald 20 Leute beschäftigt sein. Drei neue Professuren sind bereits besetzt, die ersten Master-Studenten füllen die Lehrsäle. Insgesamt ist das Zentrum im ersten Schritt auf 60 Studierende ausgelegt, von denen die besten ohne weitere Prüfungen und Tests zu Doktoranden der Uni Stuttgart werden können. „Das gemeinsame Promotions-Programm hat Modellcharakter“, sagte der Stuttgarter Uni-Rektor Wolfram Ressel in Rommelsbach.

Eine Meinung, die auch Nils Schmid teilte. Der neue Finanz- und Wirtschaftsminister aus dem Wahlkreis Reutlingen nannte das Zentrum einen „wichtigen Beitrag zur Stärkung des Industriestandorts“. Man widme sich im RBZ einer Schlüsseltechnologie, die dazu geeignet sei, „neue Wettbewerbsvorteile zu erlangen“ und dem drohenden Fachkräftemangel im Land entgegen zu wirken.

Letzterer bewog den Bosch-Konzern, laut dessen Arbeitsdirektor Wolfgang Malchow, letztlich auch dazu, das neue Zentrum mit etwa 20 Millionen Euro auszustatten. Schon jetzt habe Bosch im Großraum etwa 120 unbesetzte Stellen in diesem Bereich zu verzeichnen. Für die nächsten Jahre rechnet Malchow mit einem jährlichen Bedarf von etwa 200 Mikro- und Leistungselektronikern. Und er erklärte auch warum: „In Baden-Württemberg sind gerade zwei wesentliche Industriezweige, die Automobil- und Energiebranche im Wandel.“

Und was das bedeutet, erklärte sein für die Automobilelektronik zuständiger Geschäftsführer-Kollege Volkmar Denner: „90 Prozent aller Innovationen in der Automobiltechnik liegen in der Elektronik.“ Gerade auch die Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs oder die Elektromobilität würden erheblich von der Zukunft der Leistungselektronik beeinflusst. Denner, der einst am Reutlinger Standort von Bosch eingestellt wurde, sagte: „Meine Vision ist, dass sich das RBZ zu einem weltweit führenden Zentrum für Leistungselektronik entwickelt, das die begabtesten Elektronikstudenten und die besten Wissenschaftler anzieht.“

Dass das klappen könnte, dafür spricht, dass sich die Partner des Studien- und Forschungsverbundes schon jetzt darauf geeinigt haben, die Zahl der Studenten „nicht mit aller Gewalt“ zu erhöhen. Nieß: „Wir wollen vor allem ein hohe Qualität gewährleisten.“

gSiehe „Mit Engelszungen“

09.06.2011 - 08:30 Uhr

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