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Seltene Besuche in der Heimat

Ausgepackt (2): Mahari Amari kam von Eritrea über Italien nach Reutlingen

Eritea, das ist für Mahari Amari Heimat und Urlaubsland zugleich. Für die „Auspacken“-Ausstellung hat der Zuwanderer mehrere
landestypische Urlaubs-Mitbringsel an das Heimatmuseum verliehen.

annett winkle
Mahari Amari hat seine Frau Aster in Italien kennengelernt. Tochter Sara und Jonathan sind ... Mahari Amari hat seine Frau Aster in Italien kennengelernt. Tochter Sara und Jonathan sind Reutlinger. Bild: Haas

Reutlingen. „Das ist ein Deckel für einen Kochtopf“, erklärt Mahari Amara, indem er ihn dreht und wendet. Der farbenfrohe Deckel ist aus Stroh und Palmenblättern geflochten. „Etwas sehr Typisches für Eritrea“, fährt er fort. Der dazu passende aus Ton gefertigte Topf wird zum Kochen über einer Feuerstelle befestigt. Allerdings wäre diese Art zu kochen heutzutage nur noch auf dem Land üblich, „da es ansonsten auch Herdplatten gibt“, scherzt der gebürtige Eritreer. Außer dem Deckel hat er noch eine landestypische Kaffeekanne aus Ton „ausgepackt“.

Mahari Amari hat seine Frau Aster in Italien kennengelernt. Tochter Sara und Jonathan sind ... Mahari Amari hat seine Frau Aster in Italien kennengelernt. Tochter Sara und Jonathan sind Reutlinger. Bild: Haas

Beide Gegenstände wurden aus einem Urlaub in Eritrea mitgebracht und stehen nun im Reutlinger Heimatmuseum. Damit gehört Amara zu über 100 Migrant(inn)en aus aller Welt, die sich an der Ausstellung „Auspacken“ mit Exponaten beteiligt haben. Ein weiterer Gegenstand, ein bunt geflochtener Korb, konnte aus Platzgründen nicht mehr in der Ausstellung untergebracht werden, sagt Eva Bissinger vom Heimatmuseum.

1982 kam der Eritreer mit seiner Frau Aster, die er in Italien während seines Studiums kennen lernte, nach Deutschland. Fünf Jahre später zog es die beiden nach Reutlingen, wo Amara weitere zwei Jahre an der Fachhochschule studierte. Mittlerweile arbeitet der chemisch technische Assistent seit vielen Jahren in einem Tübinger Unternehmen.

Ob sich der 42-Jährige in Reutlingen heimisch fühle? „Was ist Heimat, darüber wird immer viel diskutiert“, antwortet er nachdenklich. Er habe noch nahe Verwandte in Eritrea, darunter auch vier Geschwister, die er natürlich sehr vermisse. Wenn es die Zeit zulasse, mache er dort immer wieder gerne Urlaub, jedoch sei dies leider immer seltener geworden. Amara kenne aber auch die Kehrseite, dass er Freunde hier aus Reutlingen vermisse wenn er sein Geburtsland besucht. Aber ja, er fühle sich hier heimisch, meint er schlussendlich.

Dazu tragen zum einen seine Tochter Sara (4) und sein Sohn Jonathan (6) bei, die beide hiergeboren wurden und Namen tragen, welche auch in Eritrea gängig sind. Seine Kinder erziehter „trilingual“, sagt der Wahl-Reutlinger. Natürlich sei deutsch die Hauptsprache, aber sie verstehen auch italienische und eritreische Wörter. Mehrmals die Woche wechselt er sich mit seiner Frau bei der Kinderbetreuung ab, wenn sie abends zur Arbeit geht. Auch weitere Zugewanderte aus der nordostafrikanischen Heimat tragen dazu bei, dass sich die beiden auch in Reutlingen heimisch fühlen.

Insgesamt seien 57 gebürtige Eritreer hier in Reutlingen gemeldet, weiß Bissinger. Rund fünf Millionen Einwohner hat das am Roten Meer gelegenen Land heute. Eritrea erlangte nach Jahrzehnte langem Krieg 1993 die Unabhängigkeit von Äthiopien. Seitdem wird dort alljährlich am 24. Mai der Unabhängigkeitstag gefeiert. Nicht nur in Eritrea wird dann gefeiert, sondern auch in der Ferne, beispielsweise in Reutlingen von den Mitgliedern des eritreischen Vereins in dem Amara zum Vorstand gehört. Der Verein zähle momentan 30 Mitglieder aus Reutlingen, Metzingen, Bad Urach und Wannweil, so Amara. Tübingen hat einen eigenen Verein mit dem aber eng zusammengearbeitet werde.

Noch hatten Mahari Amara und seine Frau Aster keine Zeit, die Ausstellung im Heimatmuseum zu besuchen. Das wollen sie aber so schnell wie möglich nachholen.

Dinge und Geschichten von Zuwanderern

Im Rahmen der Heimattage Baden-Württemberg 2009 in Reutlingen wurden Zuwanderergeschichten dokumentiert, die zuvor kaum Aufmerksamkeit gefunden hatten. Dafür initiierte die Kulturwissenschaftlerin Claudia Eisenrieder das Projekt „Auspacken: Dinge und Geschichten von Zuwanderern“ bei dem Migrant(inn)en nach Gegenstände befragt wurden, die für sie bedeutungsvoll waren. Die gesammelten Daten kamen ins Reutlinger Stadtarchiv, aus den Exponaten wurde die „Auspacken“-Ausstellung konzipiert, die noch bis zum 22. August im Heimatmuseum zu sehen ist. Unsere Serie „Ausgepackt“ stellt in lockerer Reihenfolge einige der Exponate und ihre Geschichte vor.

22.06.2010 - 08:30 Uhr
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