„Die Situation ist sogar noch schlimmer, als wir immer gewarnt haben.“ Das ist die Bilanz, die Robert Andreasch am Dienstag am Ende seines Vortrags über die Neonazi-Netzwerke zog. 70 Leute, darunter laut Veranstalter ein Polizist in Zivil, hörten im franz. K zu.
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Robert Andreasch hat die Neonazis im Visier.Bild: Haas
Reutlingen. Journalist Andreasch ist so etwas wie ein Paparazzo. Nur dass er nicht die Schönen und Prominenten im Visier hat, sondern die Hässlichen und Lichtscheuen der Neonazi-Szene. Seit 1992 sammelt er darüber Material und konnte zeigen, dass die Zwickauer Terrorzelle Verbindungen in die Region Neckar-Alb hatte.
Der Rechtsanwalt Steffen Hammer lebte 15 Jahre in Betzingen (seine Stuttgarter Kanzlei hat sich dieser Tage aufgelöst). Er war Frontmann der Neonaziband „Noie Werte“. Zwei Songs der Band waren auf der Paulchen Panther Bekenner-DVD der Zwickauer Rechtsextremisten. Diese DVD ist auf 14 Frames, Kapitel, angelegt. Neun Morde der Terrorzelle seien bekannt. Entweder, sagt Andreasch, gibt es fünf, die nicht bekannt sind oder die noch zu erwarten sind. Beunruhigend sei, dass der Versand der Bekenner-DVDs mit der Explosion in Zwickau nicht aufgehört habe.
In Wannweil wohnt Axel Heinzmann. Der einstige Vorsitzende des Hochschulrings Tübinger Studenten hatte Verbindungen in die Tübinger Korporiertenszene, seit längerem tritt er als NPD-Kandidat auf. Gerichtsbekannt sind seine Kontakte zur Wehrsportgruppe Hoffmann.
In den 70er Jahren kamen aus diesem Umfeld skrupellose Attentäter. Gundolf Köhler etwa, der auf dem Oktoberfest 1980 zwölf Menschen und sich in Luft jagte. Gerne werde, so Andreasch, das Bild des irren Einzeltäters gezeichnet. Die offizielle Politik verharmlose die Neonazis, weil sie in die Szene verstrickt sei.
Wenn die Verhaftung drohe, begingen Neonazi-Terroristen Selbstmord, um die Organisation zu schützen. Köhlers Selbstmord und der in Zwickau ist für Andreasch Beweis genug, dass es sich um dasselbe Netzwerk handelt. Wer bei diesem öffentlich politisch auftrete, sei auch im Untergrund aktiv. Die Polizei habe bei ihren Ermittlungen wohl aktiv weggesehen, vermutete Andreasch. Sie habe umfangreiche Waffenarsenale mit Kriegswaffen und militärischem Sprengstoff gefunden. Diese seien Waffensammlern zugeordnet wurden, obwohl die Wände der Fundorte mit Hakenkreuzfahnen zugepflastert gewesen seien.
Ob die Waffen „normal illegal“ beschafft worden seien, wollte ein Zuhörer wissen. Teilweise schon, vieles stamme aber aus militärischen Quellen, sagte Andreasch. Ob es geklaut oder verkauft wurde, ließ er offen.fk