50. Prunkfestsitzung der 1. Reutlinger Karnevals-Gesellschaft
Rund 400 Narren – Gäste und Aktive – fanden sich am Samstag zur vierstündigen 50. Prunkfestsitzung der Reutlinger Karnevals-Gesellschaft in der Listhalle ein. IHK-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Epp wurde mit dem Orden für Frohsinn ausgezeichnet.
Reutlingen. Pünktlich um 19.11 Uhr eröffnete Männervereins-Vorstand Michael Frank die 50. Prunkfestsitzung der Reutlinger Karnevals-Gesellschaft am Samstagabend, nach einem hoheitsvoll-närrischen Einzug samt Prinzenpaar und ihren Garden in die Reutlinger Listhalle. Mit einem obligatorisch dreifachen „Achelau“, gefolgt von ebenso vielen „Schandi-Schandos“ begrüßte Frank die Hästräger und Guggenmusiker aus Unterelchingen, Sindelfingen, Kuchen, Bietigheim-Bissingen und aus der Schweiz.
Zum Auftakt des 27 Punkte umfassenden Programms wurde zum Song „Hey, hey Wickie“ eine straff eingeübte Choreographie der Reutlinger Nachwuchs-Prinzengarde vorgetragen, wofür sie anerkennenden Applaus erntete. Tanzende Männer in Cheerleader-Kostümen, die die imposanten Bäuche besonders zur Geltung brachten, schwangen beim Klassiker „YMCA“ ihre strammen Beine ebenso hoch wie ihre weiblichen Kolleginnen im Football-Dress.
Der politische Höhepunkt des Abends, „das Gautschen“, blieb indes leider aus. Die Tatsache, dass kein regionaler Politiker für seine Schandtaten gerügt werden konnte, lag schlichtweg daran, dass keiner von ihnen der Einladung zur Prunksitzung gefolgt war. „Bedauerlich“, fand Michael Frank. Auch Ehrenvorsitzender Hartmut Kaiser vermisst den verloren gegangenen politischen Charakter des Abends. „Eigentlich ist die Fasnet die ernsteste Zeit des Jahres“, brachte er es augenzwinkernd auf den Punkt. Aber „‘s Salz in dr Supp isch einfach weg“.
„Achelau“ und „Schandi-Schando“: Am Samstagabend stürmten wieder die Hästräger die Reutlinger Friedrich-Listhalle. Bild: Haas
Der Verleihung des „Ordens für Frohsinn und Geselligkeit“ kam somit besondere Bedeutung zu. Für sein stets „narrenoffenes Herz“ wurde Dr. Wolfgang Epp, der Hauptgeschäftsführer der Reutlinger Industrie- und Handelskammer (IHK), ausgezeichnet. Der letztjährige Ordensträger Volksbankchef Josef Schuler, konnte seinen Nachfolger wegen Krankheit leider nicht ehren, wie es das Reglement eigentlich verlangt hätte. Dem diesjährigen Ordensträger hingegen, fehlte es „entgegen den Oscar-Preisträgern überhaupt nicht an Worten“. Er schloss seine kleine Rede mit einer Parodie sowohl auf sich selbst als auch auf den ehemaligen Ministerpräsidenten Günther Oettinger: „We are oll sitting in won boot. Mit der englischen Sprache ist es wie mit meiner Frau, ich liebe sie, aber ich verstehe sie nicht immer.“
Willi-Gminder-Orden für Ralph Keck
Überraschender Moment an diesem Abend war die Verleihung des „Willi-Gminder-Ordens“ an den Präsidenten der Reutlinger Karnevals-Gesellschaft Ralph Keck, welcher am Samstag eloquent durch das Abendprogramm führte. Der „Gminder-Orden“, benannt nach dem gleichnamigen ehemaligen Vorsitzenden des Reutlinger Männervereins, ist eine Auszeichnung für besonders „honorige Persönlichkeiten“ und wird in alter Tradition weitergereicht. – Von den ursprünglichen elf Orden seien heute leider nur noch vier im Umlauf, der Verbleib der restlichen sieben sei unbekannt. „Wahrscheinlich in irgend einer Spielkiste verschollen“, mutmaßte Kaiser, ebenfalls ehemaliger Vorstand und momentan ältestes Mitglied des MV: „Das macht die verbliebenen Orden natürlich umso wertvoller“. Entsprechend gerührt zeigte sich auch der geehrte Ralph Keck.
Die Fanfaren von „Blau-Weiss“ aus Sindelfingen und die Züricher Guggenmusiker „Trubadix“ im Glücksbärchenkostüm, brachten während des rund vierstündigen Programmes auch das Publikum zum Schunkeln und Tanzen. Bei heiterer Schlagermusik von der aus Köln angereisten Julia Laskin, legten einige Paare flotte Tanzeinlagen aufs Parkett.
An ausgelassener Musik und Tanz hat es bei der diesjährigen Prunkfestsitzung jedenfalls nicht gefehlt, allenfalls an Politik-Prominenz. Freilich hat die Reutlinger Karnevals-Gesellschaft die Hoffnung nicht aufgegeben, dass der Mangel bei der 51. Auflage im nächsten Jahr behoben werde.