Dauerbrenner Schulsozialarbeit an der Wannweiler Uhlandschule – viereinhalb Stunden die Woche reichen nicht aus, hieß es im Gemeinderat. Doch die Konservativen blockieren eine Aufstockung.
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Matthias Reichert
Wannweil. Uta Steeb berichtete am Donnerstag im Gemeinderat über die Schulsozialarbeit an der Uhlandschule. „Die Konflikte werden ernst genommen. Oft sind sie sehr explosiv.“ Manche Schüler seien „auf 180“, sie würden streiten, treten, auf am Boden Liegende nachtreten. Steeb berichtete von zwei Mobbing-Fällen in den Klassen fünf und sechs. „Das kommt allmählich erst raus. Teilweise läuft das seit der ersten Klasse.“
Die psychotherapeutische Heilpraktikerin hat seit September ein Deputat von 4,5 Stunden für Schulsozialarbeit. „Diese Arbeit erfordert Zeit. Ich würde mich gern mit den Kindern mehr auseinandersetzen. Das geht nicht. Ich bin nur die Feuerwehr“, sagte sie. Möglich ist ihr Einsatz, weil sie zudem zwölf Stunden die Woche über das Programm „Fabi“ der Bruderhaus-Diakonie für die Inklusion eines behinderten Kindes an der Schule zuständig ist.
14,6 Stunden pro Woche ist Jasmin Rauhaus in der Hausaufgaben- und Lernbetreuung der fünften und sechsten Klasse an der Schule, zudem ist sie seit dem Sommer für die Mittagsbetreuung am Jugendcafé zuständig. „Die Kinder kommen sehr gern“, berichtete sie, die Reaktion der Eltern sei positiv. Doch kleine Konflikte gebe es „jeden Tag“ im Jugendcafé, auch sehr stark in der Hausaufgabenbetreuung. Wenn sie allein sei, könne sie nicht gleichzeitig die Kinder betreuen und an den Konflikten arbeiten.
Jeden Tag passiert etwas
Dienstags und freitags ist der Sozialarbeiter Steffen Diwisch für je eine halbe Stunde auf dem Wannweiler Pausenhof; hauptsächlich betreut er Kinder an der Kirchentellinsfurter Graf-Eberhard-Schule. Die Arbeit der Betreuer/innen sei von der Schule nicht mehr wegzudenken, sagte die Wannweiler Rektorin Beatrice Bantlin. Sie habe auch Außenwirkung. Schulsozialarbeit trage zum guten Klima bei, sei ein Qualitätsmerkmal für die anstehende Evaluierung von außen. Bantlin wünscht sich, dass Steeb auch Projekte zur Gewaltprävention und zum Sozialtraining im Unterricht begleitet. Auch unauffällige Kinder sollten betreut werden. Doch „das zentrale Problem ist die fehlende Zeit“, so Bantlin. „Jeden Tag passiert etwas.“
Der Minijob für die Sozialarbeit wird vom Schul-Förderverein finanziert, 6000 Euro im Jahr erhält die Schule dafür aus dem Jugendbegleiterprogramm des Landes. Fördervereinsleiter Volker Steinmaier hat beim Kreis beantragt, das Deputat auf sieben Stunden die Woche zu erhöhen. Der Kreis würde dann 40 Prozent der Stelle finanzieren, das Land eventuell ein Drittel. Zwei Stunden könnte Steeb dann in der Kernzeitbetreuung da sein, wenn Donnerstagmittag 70 Kinder zugleich da sind. „Ich habe schon ein schlechtes Gewissen gegenüber meinen Mitarbeiterinnen wegen der geringen Löhne“, sagte Steinmaier.
„Wir wollen die neue Landesregierung nicht aus der Verantwortung entlassen“, sagte Bürgermeisterin Anette Rösch. Die Finanzierung für Schulsozialarbeit sei mit eine Aufgabe des Landes. 4,5 Stunden seien zu wenig, „das ist keine Frage“. Mittel vom Kreis seien „ein Silberstreif am Horizont“. Uta Sommer (ALW) kritisierte: „Bisher hat unsere Gemeinde noch keinen müden Euro dafür in die Hand genommen.“ Sie kündigte einen Haushaltsantrag mit weiteren Fraktionen an. Rösch verwahrte sich: Steinmaier organisiere einen Teil der Fördervereinsaufgaben über die Arbeitszeit während seiner Tätigkeit als Hauptamtsleiter.
Erich Herrmann (CDU) verlangte, die Schulsozialarbeit gezielt an echten Brennpunktschulen einzusetzen. „Die Uhlandschule rechne ich nicht dazu. Ich würde das dort eher in die Kategorie wünschenswert einstufen.“ Uta Steeb konterte. „Wollen Sie darauf warten, dass das eine Brennpunktschule wird?“ Räte und Rätinnen aus SPD und ALW sowie die Bürgermeisterin unterstrichen, dass sich das Klima an den Schulen geändert hat. Prävention trage dazu bei, dass Überstunden bei der Polizei zurückgingen, meinte Theresia Mann (SPD) süffisant an die Adresse des Kriminalkommissars Herrmann.