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Nur ein Problem der Navis?

Wannweil: Fehlgeleitete Laster kreuzen Bahnübergang

Am Freitag stieß der Regionalexpress 22030 von Tübingen nach Stuttgart auf dem Übergang beim Bahnhof mit einem Lastwagenanhänger zusammen. Jetzt hat die Debatte um Konsequenzen begonnen.

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Matthias Reichert

Wannweil. Wie berichtet, fuhr der Lastwagen gegen 12.50 Uhr ortsauswärts Richtung Jettenburg und querte dabei die Bahngleise. Dort kam ihm ein Traktor entgegen, weshalb er anhalten musste. Als sich die Schranken schlossen, stand der Anhänger immer noch auf den Schienen. Der Lokführer löste eine Notbremsung aus, konnte den Zusammenprall aber nicht mehr verhindern.

Der Anhänger wurde weggeschleudert, sein Aufbau zerfetzt, die Lok und drei Waggons wurden beschädigt. Neun Personen wurden leicht verletzt, darunter der Lokführer und der Lkw-Fahrer. Die meisten der 500 Zugpassagiere kamen mit dem Schrecken davon. Den Schaden an Zug und Anhänger bezifferte die Polizei mit mehreren hunderttausend Euro.

Verlegung hat einen Haken

Im Ort ist jetzt die Debatte um den Bahnübergang neu entbrannt. Seit Jahrzehnten wird darüber diskutiert, ihn zu verlegen. Eine mehr als 20 Jahre alte Variante sieht vor, die Schillerstraße zu verlängern und mit einer Unterführung unter der Bahnstrecke an die Gustav-Werner-Straße anzubinden. Dafür gibt es seither eine Freihaltetrasse. Der Haken: Der Verkehr würde damit durchs Wohngebiet geführt, weshalb die Variante nicht weiter verfolgt wurde.

Am Freitag stieß an dieser Stelle ein Regionalexpress mit einem Lastwagenanhänger zusammen. Seit ... Am Freitag stieß an dieser Stelle ein Regionalexpress mit einem Lastwagenanhänger zusammen. Seit Montag ist der Bahnübergang in Wannweil gesperrt. Erst in vier Wochen soll er wieder für den Verkehr freigegeben werden. Bild:Haas

„Das wäre topografisch schwierig“, sagte Bürgermeisterin Anette Rösch im Gespräch mit dem TAGBLATT. Laut einem Verkehrsgutachten von 1995 befinde sich der Übergang an der richtigen Stelle, um das dahinter gelegene Wohngebiet zu erschließen. Im Fall einer teuren Verlegung müssten sich die Bahn, das Land und die Gemeinde zu je einem Drittel die Kosten teilen.

Der Eisenbahnunfall war nach Ansicht der Bürgermeisterin „eine Verkettung mehrerer unglücklicher Umständen“. Zwar dürfen große Laster, wie der verunglückte, durch das Wohngebiet fahren, doch auf der dahinter liegenden Straße ins Industriegebiet Mark West gibt es eine Gewichtsbeschränkung von 3,5 Tonnen.

„Das ist ein Problem des Navis“, sagt Rösch. Denn immer wieder würden Laster von der Hauptstraße Richtung Industriegebiet über den Bahnübergang und ins Wohngebiet gelotst. „Die landen auf einem Feldweg. Wenn die abgebogen sind, können die nicht mehr wenden. Dann sind die völlig kopflos.“ Rösch hätte gern, dass das Reutlinger Landratsamt als Straßenverkehrsbehörde ein Schild an der Hauptstraße anbringt, das das Abbiegen in die Bahnhofstraße und die Durchfahrt nach Mark West für Lastwagen verbietet.

Das vorhandene Schild an der Bahnhofstraße, das ein Verbot für Lkw über 3,5 Tonnen und die letzte Wendemöglichkeit anzeigt, komme für große Laster zu spät. Trotz der fehlgeleiteten Lkw stelle der Bahnübergang kein Problem dar, behauptet die Bürgermeisterin. „In den letzten 25 Jahren ist da sonst nichts passiert. Laut Bahn handelt es sich um einen sicheren Übergang ohne hohe Begegnungszahlen. Die Straße erschließt nur ein kleines Wohngebiet.“

Der Lastwagenanhänger wurde beim Zusammenprall mit dem Regionalexpress total zerfetzt. Bild: ... Der Lastwagenanhänger wurde beim Zusammenprall mit dem Regionalexpress total zerfetzt. Bild: Steinhilber

Derzeit ist der Übergang mindestens vier Wochen gesperrt, bis Arbeiter den Asphalt ausgebessert und eine neue Signalanlage angebracht haben.

Die lokführerüberwachten Halbschranke habe nach Angaben eines Stuttgarter Bahnsprechers funktioniert. Der Lokführer habe ein Signal erhalten, dass der Übergang geschlossen war. „Das ist die größtmögliche Sicherheit für einen Bahnübergang“, sagt der Sprecher: Der Zug fährt über einen Messpunkt, die Schranke schließt sich, der Lokführer erhält ein Signal und kann fahren. Doch könne man technisch nicht überwachen, „wenn der Lkw mit seinem Anhänger stehen bleibt“, sagt der Bahnsprecher. Um den Übergang möglichst schnell freizumachen gebe es ja die Halbschranken – weil damit die Ausfahrt offen bleibe.

Die Spielregeln im Verkehr

Für die Bahn jedenfalls ist der Unfall kein Anlass, über eine Verlegung des Übergangs nachzudenken. „Das wäre mit extrem hohen Kosten verbunden. Wir haben den Übergang so gesichert, dass nichts passieren kann.“ Dass trotzdem etwas passierte, ist für ihn kein Argument. „Man darf da nicht stehen bleiben. Das sind einfach die Spielregeln im Verkehr. Wir appellieren an alle Verkehrsteilnehmer, Bahnübergänge zügig zu räumen.“

02.08.2012 - 08:00 Uhr | geändert: 02.08.2012 - 17:49 Uhr

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