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Gemeinderat beriet über Alte Spinnerei

Drei Meter für die Anwohner

Mit einer Reihe von Korrekturen reagierte die Metzinger Holy AG auf zahlreiche Einwände gegen die Pläne für die Alte Spinnerei in Wannweil.

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Matthias Reichert

Wannweil. „Für uns ein ganz wichtiger städtebaulicher Akzent“ sind die Pläne laut Wannweils Bürgermeisterin Anette Rösch. Wie berichtet, plant die Holy AG in der Industriebrache ein Wohngebiet, zwei Handelsmärkte und Lofts für Freiberufler in der alten Fabrikhalle. Holy übernimmt auch die Planungskosten für den Bebauungsplan. Drei Stunden lang diskutierte der Gemeinderat am Donnerstag über die eingegangenen Einwände.

Die Nachbarn sind von den Plänen von Holy für die brachliegende Wannweiler Textilfabrik wenig ... Die Nachbarn sind von den Plänen von Holy für die brachliegende Wannweiler Textilfabrik wenig begeistert. Archivbild: Haas

Massiven Widerstand gab es von Anliegern. Die meisten Einwände sind laut Rösch ein Fall für die später zu erteilenden Baugenehmigungen. Zwischen den beiden Märkten und den bestehenden Wohnhäusern an der Hauptstraße hat Planer Albrecht Reuß vom Pfullinger Büro Reik nun einen drei Meter breiten Grünstreifen eingeplant.

Dort soll, versprach Holy-Immobilienchef Marcus Reutter, eine Hecke gepflanzt werden, so dass kein Platz für von den Nachbarn befürchtete Müllablagerungen sei. Die Anlieferung solle auf der anderen Seite über die Parkplätze erfolgen, erklärte Reutter. Die CDU zog ihren Antrag auf eine Autobrücke über die Echaz zurück, die laut Reuß zu viel Platz von den Märkten abgezwackt hätte.

Dafür sicherte sich die Gemeinde die Option für eine Fußgängerbrücke über die Echaz zum Sportplatz samt Wegerecht entlang der Gebäudekante des näher zum Ortskern gelegenen Marktes.

Ersatzfläche für den Hochwasserschutz

Bisher liegt am künftigen Standort der Märkte eine Pferdekoppel. Diese Wiese dient zugleich als Retentionsraum für Hochwasser. Als Ausgleich für die 2300 Quadratmeter große Fläche will Reuß nun eine etwa ebenso große Fläche auf der anderen Seite der Echaz für den Hochwasserschutz frei halten. Das Grundstück gehört ebenfalls dem Metzinger Konzern. Es wird ein bis zwei Meter abgegraben und steht künftig für eine landwirtschaftliche Nutzung zur Verfügung.

Wie die Märkte erschlossen werden, ist noch offen. Wenn auf der Hauptstraße aus Richtung Betzingen eine Linksabbiegerspur gebaut wird, übernehme Holy die Kosten, versprach Reutter. Falls ein Kreisel entstehe, werde der Konzern denselben Betrag beisteuern. Indes würden beim Kreisel die Radien zu groß, außerdem könnten Laster wegen des Gefälles umkippen, wie Rösch erläuterte. Von der Straßenbauabteilung des Regierungspräsidiums lag noch keine Stellungnahme vor.

Viele strittige Punkte vertagte der Gemeinderat auf den Erschließungsvertrag mit Holy, der noch diskutiert wird. Auch den Klimaschutz: Holy ist offenbar bereit, im Wohngebiet den Energiestandard „KfW-Effizienzhaus 70“ für Neubauten vorzugeben und Grundstückskäufer auf Fördermöglichkeiten bei höherer Effizienz hinzuweisen. Allzu enge Vorgaben seien kontraproduktiv, meinte Reuß – die technischen und rechtlichen Voraussetzungen änderten sich alle paar Jahre.

Die 59 Birken an der Hauptstraße sollen trotz Bürgerprotesten fallen. Rösch verwies auf die Pollenbelastung für Allergiker. Auf dem Gelände würden viele neue Bäume gepflanzt, diesmal mit Rücksicht auf Allergien. „Hinterher haben wir deutlich mehr Bäume im Gebiet“, versprach Reuß. Die CDU drückte mit sechs zu fünf Stimmen durch, dass an der sechs Meter breiten Erschließungsstraße durch das neue Wohngebiet acht statt der geplanten vier öffentliche Parkplätze gebaut werden.

Auf Anregung des Landratsamts wird das Prozedere geändert. Der Plan wird nun im beschleunigten Verfahren erstellt. Er gilt demnach als „Bebauungsplan der Innenentwicklung“. Dieses Vorgehen ist seit 2007 zulässig. Ein Vorteil: Der Nachbarschaftsverband muss den Flächennutzungsplan in seiner Herbstsitzung nur berichtigen, nicht ändern, was den Aufwand verringert.

Die Märkte werden als Mischgebiet definiert, so dass im oberen Stockwerk auch Wohnungen entstehen können. Für den Einzelhandel gibt es eine Sortiments-Beschränkung. Demnach dürfen nur nahversorgungs-relevante Angebote gemacht werden, um keine Käufer aus dem Umland anzuziehen. Das Regierungspräsidium hatte eine solche „Agglomeration“ befürchtet, während der Regionalverband nach einem Gespräch am Vortag der Sitzung die Wannweiler Plänen laut Rösch nun doch gutheißt.

Laut Artenschutz-Gutachten leben auf dem Gelände mehrere seltene Vogel- und Fledermausarten. Bevor Gebäude abgerissen werden müssen deshalb laut Marcus Reutter neue Brutplätze für die geschützten Arten geschaffen und bezogen sein.

Jetzt wird der geänderte Plan erneut vier Wochen lang ausgelegt, danach erfolgen die rechtlich verbindliche neuerliche Abwägung der Einwände und der Satzungsbeschluss.

21.07.2012 - 08:30 Uhr

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