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Aus Frust Feuer gelegt

Drei Jahre: Brandstifter gesteht und findet milde Richter

Wegen Brandstiftung in mehreren Fällen und einer schweren Brandstiftung wurde ein Wannweiler gestern vom Schöffengericht zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt. Sein Geständnis trug erheblich zu der milden Strafe bei.

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uschi kurz

Reutlingen/Wannweil. Mit brennenden Strohballen und Misthaufen fing es an, später legte er in einer an ein Wohnhaus angebauten Scheuer in einem Aussiedlerhof Feuer. Im Januar wurde er schließlich verhaftet, nachdem er zweimal die Fassade eines Rohbaus angezündet hatte. Die Liste, die Staatsanwalt Nicolaus Wegele vorlas, war lang: Brandstiftung in insgesamt 21 Fällen und eine schwere Brandstiftung, begangen im Zeitraum zwischen Sommer 2009 und Januar 2012 wurden dem 49-jährigen Wannweiler zu Last gelegt.

Kaum war die Anklageschrift verlesen, wurde gestern die Verhandlung im Reutlinger Amtsgericht auch schon unterbrochen. Über eine Stunde berieten sich die Prozessbeteiligten, dann folgte die erste Überraschung: Die meisten der Fälle wurden eingestellt. Einige, weil sie wegen Geringfügigkeit im Vergleich zu den gravierenderen Fällen nicht ins Gewicht fielen. Andere, weil der Angeklagte, der ein umfangreiches Geständnis ablegte, glaubhaft versicherte, für diese Fälle nicht verantwortlich zu sein und man ihm diese Taten auch nicht hätte nachweisen können.

Übrig blieben fünf Fälle, bei denen die Wiedergutmachung teilweise bereits erfolgt ist. Bei den anderen, so Verteidiger Michael Euler, der die ganze Verhandlung über für seinen Mandanten sprach „werden wir versuchen, das außergerichtlich zu klären“. Auch die schwere Brandstiftung im März 2010 in dem Aussiedlerhof räume sein Mandant ein. Allerdings habe dieser nicht die Absicht gehabt, das Wohnhaus, in dem sich drei Personen befanden, abzufackeln. Als er die Brandstelle – der Angeklagte hatte Stroh in einer Scheuer angezündet – verließ, sei er der Ansicht gewesen, das Feuer sei aus.

Verhängnisvolle Beziehung

Im Folgenden äußerte sich der Verteidiger detailliert über die Vorgeschichte und Motive des Angeklagten, der sich geweigert hatte, sich psychiatrisch begutachten zu lassen. Euler schilderte den 49-Jährigen als einen zutiefst verzweifelten Mann, der die Brände legte, als er nicht mehr ein noch aus wusste. Das Verhängnis habe mit der Beziehung zu einer Frau begonnen. Die „ausgesprochene Tierliebhaberin“ zog in den Bauernhof, in dem der Angeklagte mit seiner Mutter wohnte. Weil die beiden Frauen sich nicht verstanden, habe es ständig Stress gegeben. In einer neu gebauten Halle, in die der Landwirt Pensionspferde einstellen wollte, hätten schließlich fast ausschließlich Pferde der Freundin gelebt, die er versorgen musste: „Er kümmerte sich nur noch um deren Viecher.“

Dann habe die Bank Druck gemacht. Die Zwangsversteigerung stand an, das Wohnrecht der Mutter war gefährdet. Der Angeklagte habe einen immer ungeregelteren Lebenswandel geführt. Nachts habe er auf den Feldern gearbeitet, einmal sei er sogar schlafend auf seinem Traktor gefunden worden. In dieser Zeit habe es bereits eine Brandstiftungs-Serie gegeben und irgendwann habe sein Mandant begonnen, sich auch durch Zündeln abzureagieren. Als man ihn endlich verhaftet habe, sei „eine schwere Last von ihm abgefallen“.

Diese Einschätzung wurde von dem Kriminalhauptkommissar gestützt, der in dem Fall ermittelt hatte. Von Amtsrichter Eberhard Hausch zu den persönlichen Verhältnissen des Angeklagten befragt, sagte er, die Landwirtschaft sei völlig heruntergekommen, der „etwas einfach strukturierte“ Angeklagte habe den Eindruck gemacht, „dass er dringend Hilfe braucht“.

Selbst der Staatsanwalt räumte in seinem Plädoyer ein, der nicht vorbestrafte Mann habe sich zur Tatzeit „in einer außergewöhnlichen persönlichen Situation befunden.“ Für den Angeklagten spreche zudem das umfangreiche Geständnis, gegen ihn die teilweise erheblichen Taten, bei denen nur durch Zufall nicht Schlimmeres geschah. Er hielt eine Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren für angemessen, das lasse dem Angeklagten die Perspektive „in absehbarer Zeit wieder in ein normales Leben zurückzukehren“.

Am liebsten in Maßhalderbuch

Damit könne sein Mandant leben, versicherte der Verteidiger. Am liebsten wolle er die Strafe in der Landwirtschaft der JVA-Außenstelle Maßhalderbuch ableisten. Sein Mandant habe die Beziehung beendet und wolle durch den Verkauf der Halle den Schaden wiedergutmachen. Auch habe sich der Angeklagte in der U-Haft viel Gedanken gemacht: „ein Feuerzeug regt der nicht mehr an.“ Zu dieser Überzeugung gelangte auch das Schöffengericht, das den Landwirt zu drei Jahren Haft verurteilte. Hausch deutete in seiner Urteilsbegründung an, dass die Strafe eventuell nach der Hälfte zur Bewährung ausgesetzt werden könne. Allerdings riet er dem Angeklagten dringend, therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Und er warnte: „Wenn es noch einmal brennt, denkt die Polizei zuerst an sie.“

Info: Amtsrichter: Eberhard Hausch, Schöffen: Wilhelm Brielmann, Anna Maria Greiner, Staatsanwalt: Nicolaus Wegele, Verteidiger: Michael Euler

28.06.2012 - 08:30 Uhr | geändert: 29.06.2012 - 10:57 Uhr

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