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Steinmarder mit Haselnüssen

Walddorfhäslach erreicht sein Schwabenalter

„Freiheit durch Vereinigung“: Um der Eingemeindung nach Pliezhausen zuvorzukommen, haben 1972 Walddorf und Häslach eine Vernunftehe geschlossen. Beim Neujahrsempfang am Freitag in der schmuck renovierten Gemeindehalle ehrte Bürgermeisterin Silke Höflinger fünf Ehestifter mit der Ehrenbürgermedaille.

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Fred Keicher

Walddorfhäslach. „Das Gefühl war der stärkste Gegner der Gemeindereform“, erinnert sich Alt-Bürgermeister Otto Bauer. „Wir müssen reagieren“, lautete die Parole damals. Zum 1. April 1972 wurde Walddorfhäslach gegründet mit damals 2800 Einwohnern – viel zu wenig. Denn die Vorgaben aus Stuttgart sahen nur größere Gemeinden vor, erinnert sich Bauer, der 33 Jahre lang war er Bürgermeister war. Als 25-Jähriger wurde er in Häslach gewählt, vom Zusammenschluss an war er Schultes des Gesamtorts. Dass Bauers Herzblut am Zusammenschluss hing, ist heute noch zu spüren. „Wir mussten punkten mit öffentlichen Einrichtungen. Das Sport- und Freizeitzentrum ist eine Frucht dieser Freiheit durch Vereinigung.“

Echte Walddorf-Häslach-Ehepaare beim Neujahrsempfang auf der Bühne der Gemeindehalle. Bild: Haas Echte Walddorf-Häslach-Ehepaare beim Neujahrsempfang auf der Bühne der Gemeindehalle. Bild: Haas

Auf das neue Wappen hatte man sich schnell geeinigt: der Walddorfer Steinmarder bekam eine Kopfleiste mit den Häslachern Haselnüssen. Der Gemeindename blieb umstritten. Gerne hätte man Walddorf-Häslach gehabt. Aber der Bindestrich war der Stuttgarter Oberpostdirektion zu viel. Mit Bauer haben damals im Gemeinderat Manfred Klein, Walter Gaiser, Hermann Gaiser und Eugen Heim die Fusion beschlossen. Sie bekamen die goldene Ehrenbürgermedaille (Heims Medaille nahm seine Ehefrau entgegen, er selber arbeitet gerade an einem Missionsprojekt in Äthiopien).

Die Gemeindefusion bei der Partnersuche haben dann auch einige Einwohner nachvollzogen. Neun Ehepaare bat Höflinger auf die Bühne. Bei diesen Walddorf-Häslacher-Mischehen zeigten sich ein paar Anknüpfungspunkte in der Schule, in Vereinen oder der Feuerwehr. Ein Walddorfer („Dachmarder“) erinnerte sich aber, dass in Häslach schon mal mit Schlägen gedroht wurde, wenn er „mit dem Mopedle“ zum Poussieren auftauchte: „Besonders wenn man das Taschentuch rausg’hängt hat.“ Insider wüssten Bescheid, was das bedeutet.

Der Star des Abends war die Gemeindehalle selbst, die nach der Innenrenovierung „als neues Gebäude mit Festhallencharakter“ dastehe, wie Höflinger konstatierte. Die Basketballkörbe dienten an dem Festabend als Blumenampeln. An der Nordseite hat die Halle ein Glasfassade erhalten, die Beleuchtung und die Technik wurden aktualisiert, das Bühnenportal neugestaltet und mit Farbe wurden dezente Akzente gesetzt. „In den sechs Wochen Bauzeit haben wir viel geschafft“, sagte Architekt Jochen Schmid. „Der Bau aus den siebziger Jahren präsentiert sich jetzt als Neubau, zu 25 Prozent der Kosten eines Neubaus.“

Bürgermeisterin Höflinger hatte die 700 Gäste des Neujahrsempfangs am Eingang mit Handschlag begrüßt. Die Gemeinde – heute hat sie etwa 4800 Einwohner/innen – habe sich ihren „ländlichen Charme“ bewahrt und erfolgreich gewirtschaftet. In sieben Jahren habe man die Pro-Kopf-Verschuldung um 250 Euro reduzieren können und Rücklagen aufgebaut. „Die Gemeinde wird langsam zum Großgrundbesitzer“, auch im Ortszentrum von Walddorf. Für diesen Bereich werde in den nächsten Monaten ein städtebaulicher Wettbewerb gestartet.

Umrahmt wurde der Neujahrsempfang vom Saxofon-Ensemble des Musikvereins, von den Alphornbläsern und vom Liederkranz. Der 16-jährige Lorenzo Vitale widmete den Walddorf-Häslach-Ehepaaren ein schön gesungenes, gefühlvolles Lied der „Söhne Mannheims“. Er war vor seinem Solo ziemlich aufgeregt, aber in Begleitung von Lukas Fischer am Saxofon und mit Playback war davon nichts zu spüren. Nach dem offiziellen Teil versammelten sich die Gäste bei Häppchen und Getränken. Das Quintett Temporitmo steuerte dezente Hintergrundmusik bei.

23.01.2012 - 08:30 Uhr

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