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Rezepte der Revisorin

TAGBLATT-Gespräch mit Walddorfhäslachs Bürgermeisterin

Seit nunmehr fast acht Jahren ist Silke Höflinger Bürgermeisterin der Unteramtsgemeinde Walddorfhäslach – und will „nichts anderes“ mehr machen. Was in ihrer ersten Amtsperiode gelaufen ist und was für die nächsten acht Jahre geplant, war Thema eines TAGBLATT-Gesprächs.

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Bernd Ulrich Steinhilber
Am 30. Juni 2012 läuft die erste Amtsperiode von Silke Höflinger aus. Am 29. April stellt sich ... Am 30. Juni 2012 läuft die erste Amtsperiode von Silke Höflinger aus. Am 29. April stellt sich die gelernte Bauingenieurin ein zweites Mal in Walddorfhäslach den Wählern. Bild:Haas

Walddorfhäslach. Vor acht Jahren gewann sie mit 42 Stimmen Vorsprung im zweiten Wahlgang gegen den stellvertretenden Filderstädter Ordnungsamtsleiter Hans-Jörg Schraitle. 50,57 Prozent der Walddorfhäslacher hatten für die damals 35-jährige Bauingenieurin gestimmt – bei einer Wahlbeteiligung von 71,83 Prozent.

Kommunalpolitische Erfahrung hatte die gebürtige Pfullingerin auf dem Rechnungsprüfungsamt Göppingen gesammelt, wo sie in der Innenrevision Bekanntschaft mit den Verwaltungsabläufen des Hoch- und Tiefbauamtes und dem kommunalen Haushalt machte. Sehr bald war klar: Im Bauwesen kann intelligent gespart und Geld für andere wichtige Gemeindeaufgaben freigeschaufelt werden.

Mit diesem Ansatz warb sie 2004 um Stimmen. Bei der Bewirtschaftung und Unterhaltung von gemeindeeigenen Gebäuden und bei Investitionen in neue Anlagen könne man viel Geld sparen, „wenn man fit ist“, sagte sie im Mai 2004 in einem TAGBLATT-Gespräch, und heute sagt sie: „Ich habe Wort gehalten.“

Fünf Millionen Euro habe allein die Revision des alten Kanalisationsplans gebracht – eine Aufgabe, die der Diplom-Bauingenieurin auf den Leib geschneidert war. „Ich habe viel Nützliches aus der Göppinger Innenrevision mitgebracht, aber das war nicht allein ausschlaggebend.“ Höflinger wollte „mit Menschen zusammenarbeiten“. Und tatsächlich mischte sie sich unter die Leute, wo es nur ging. Einiges Aufsehen erregte, als sie den „Gugelhupfmarkt“ genannten Krämermarkt im Februar zur Bürgersprechstunde nutzte – mit selbst gebackenem Gugelhupf am Bürgermeisterinnen-Stand – und dies zur Institution machte.

Freilich gab es für die Walddorfhäslacher nicht nur Gugelhupf. Zwischen 2005 und 2011 weist der Vermögenshaushalt jährliche Investitionen in Höhe von durchschnittlich 2,5 Millionen Euro aus – alles in allem 17,5 Millionen Euro. Vorrangig wurden die Mittel für den Erwerb von Grund und Gebäuden eingesetzt, für deren Sanierung und für die Modernisierung des Ortskerns beider Teilgemeinden. Wohn- und Gewerbegebiete wurden erschlossen, in Abwasser, Wasser und Straßen wurde investiert sowie zuletzt nach langwierigen Verhandlungen mit der Telekom in die Breitbandinfrastruktur.

„Es gab viele Aufgaben, viele Herausforderungen. Wir mussten zusehen, dass wir zügig Anschluss bekommen“, erinnert sich Höflinger an ihren Start im Jahr 2004. Andere Gemeinden hatten bereits ein Altenpflegewohnheim. „Die Aussichten, hier eines zu bauen, waren trübe“, dann aber fand sich mit der Bruderhaus-Diakonie doch ein Betreiber und Investor. Die Gemeinde stellte das Gelände in Erbbaupacht zur Verfügung.

Dann das Landessanierungsprogramm: Schon 2006 wurde für Walddorf und Häslach der Antrag gestellt und, was ungewöhnlich ist, für beide Ortsteile 2007 genehmigt – was freilich dem „dringenden Bedarf“ geschuldet war, den Regierungspräsidium und Ministerium festgestellt hatten. Tatsächlich sind schon zwei Millionen Euro, mithin zwei Drittel des Förderrahmens, eingeworben, davon 800 000 Euro für private Projekte, derweil man auf dem Rathaus die innerörtliche Entwicklung im Blick hatte und die Mittel in Planungen und Grunderwerb investierte.

Innen wie außen modernisiert, ist das alte Rathaus in der Walddorfer Ortsmitte ein Schmuckstück geworden und verfügt jetzt über ein Bürgerbüro parterre, einen Sozialraum, ein Sekretariat und einen Besprechungsraum, über neue Möbel und Fenster. Saniert wurden die Kindergärten und die Römerwegschule, die Gemeindehalle in einem ersten Abschnitt und die Ortsmitte von Häslach. Erschlossen habe man das 3,1 Hektar große Wohngebiet „Fürhaupt“ und in einem Jahr alle gemeindlichen Grundstücke verkauft. Aktuell steht die Mehrfachbeauftragung im Rahmen eines kleinen städtebaulichen Wettbewerbs für den Ortsteil Walddorf an. „Dran“ sei man beim ehemaligen „Ochsen“, wo Wohnungen geplant sind. Für die Aussiedlung des letzten landwirtschaftlichen Betriebs zeichne sich eine Lösung ab.

Bauwillige Familien wurden mit 4000 Euro pro Kind unterstützt. Da geht es darum, der demografischen Entwicklung entgegen zu arbeiten. „Wir haben 4800 Einwohner und stehen gut da. Diesen Stand wollen wir in Walddorfhäslach halten“, sagt Höflinger, „aber wir müssten so viel mehr machen. Da reicht das Volumen des Sanierungsprogramms gar nicht aus.“

„Alles sehr schöne Aufgaben“, fasst sie das Gespräch zusammen und meint damit auch den sozialen Bereich: „Der ist ganz wichtig.“ Und wieder zählt Höflinger auf: Ganztagesbetreuung in den Kindergärten seit 2006, Kleinkindbetreuung seit 2007 – „und wir werden die Öffnungszeiten noch um eine weitere Stunde bis 17 Uhr ausdehnen.“ Zwei „klasse Fördervereine“ machen die Ganztagesbetreuung in den beiden Schulen möglich, eine Kooperation mit Tagesmüttern verschafft Eltern Spielraum, wenn sie abends außerhalb der kommunalen Öffnungszeiten arbeiten müssen. Vom kommenden Jahr an finanziert die Gemeinde eine Teilzeitstelle für die Jugendarbeit in der „Alten Turnhalle“.

Schließlich noch ein dickes Lob für den Gemeinderat: Nur dank „der sehr guten Zusammenarbeit“ sei die „gute Entwicklung überhaupt möglich gewesen“.

30.12.2011 - 08:30 Uhr | geändert: 30.12.2011 - 14:35 Uhr

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