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Das Schwesterherz ist 700 Jahre alt

Ganz Häslach feierte am Wochenende Jubiläum – mit Bruder Walddorf

„Ozapft is!“ Mit dieser frohen Botschaft gab Bürgermeisterin Silke Höflinger am Freitag den Start zur dreitägigen 700-Jahr-Feier. Gekrönt wurden das Fest mit einem großen historischen Umzug am gestrigen Sonntag.

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Thea Koss

Walddorfhäslach. Die Gemeindehalle war bis auf den letzten Platz besetzt, als das Bläserensemble des Musikvereins am Freitagabend das Festwochenende eröffnete. Allerdings konnten weitere Gäste das Programm auf einem Beamer im Zelt vor der Halle verfolgen, wo die Temperaturen weitaus erträglicher waren. Ob die Hitze auch für den technischen Kollaps der Mikrofone verantwortlich war? Bürgermeisterin und Publikum mussten sich zunächst gedulden, bis die vielen Ehrengäste begrüßt werden konnten. Höflinger gab einen kurzen Abriss über die historischen Stationen des Orts und ehrte Häslach mit einem selbstverfassten Gedicht, einer Hommage des Bruders Walddorf an seine Schwester Häslach: „Ich liebe dich, mein Schwesterherz!“

Landrat Thomas Reumann witzelte, er habe schon verstanden, dass man sich kurz fassen müsse, wenn man eine Rede zwischen Fassanstich und Abendveranstaltung halte: „Ohne Strom muss ich mich aber richtig anstrengen.“ Er überbrachte die Glückwünsche von Landkreis und Kreistag und verwies auf die Wichtigkeit der Heimat in einer globalisierten Welt, indem er Golo Mann zitierte: „Wer nicht um seine Herkunft weiß, hat auch keine Zukunft.“ Hans-Jörg Manz vom Kulturausschuss machte es kurz und lustig: „Ich begrüße im Auftrag aller alle.“ Schillers „Glocke“ münzte er auf den Anlass um: „Jedoch der schrecklichste der Schrecken, das ist ein Bierfass ohne Hahn.“ Von weit her kam der letzte Gratulant des Abends: Ingolf Herrmann, Erster Stellvertretender Bürgermeister der Partnerstadt Eibau überbrachte einen Blumenstrauß in den Farben der Oberlausitz und einen alten Stich als Geschenk. Nach dem technisch einwandfreien Fassanstich von Silke Höflinger führten die Bronnweiler Weiber durch ein kurzweiliges Abendprogramm, bevor man zur San Remo Band das Tanzbein schwang.

Lauschige Festlauben und Kleinkunst

Nach einem kräftigen Regenguss füllten sich die Gassen, Plätze und Höfe um die Dorfstraße am Samstag etwas gemächlicher, aber spätestens bei der musikalischen Mundart „Dr‘ Maulesel“ mit Rosi Hertel, Hans-Jörg Manz und Toni Damstra lachte, klatschte und trank man vergnügt. Die Jüngeren feierten derweil mit einem DJ – auch noch, als auf der Kleinkunstbühne schon Schluss war.

Samstag und Sonntag gab es in Walddorfhäslach Einblicke in alte und aktuelle Handwerkskunst. Zuschauen konnte man dem Wagner Erich Braun, dem Schmied Karlheinz Roth oder der Korbmachermeisterin Monika Frischknecht. Und auch Alfred Häusler wollte eigentlich nur die Kunst des Dengelns präsentieren: „Jetzt habe ich zwei Aufträge gekriegt.“ Ehrenhalber, versteht sich. Beeindruckend war auch eine Ausstellung, die historische Fotographien mit der Vernissage „Esel in der Kunst“ der Malgruppe „Haus am Schulberg“ vereinte.

Ein prächtiger historischer Umzug, der wohl nichts ausließ in der Geschichte Häslachs, war nach der Höhepunkt am Sonntag. Erstaunlich war die große Zuschauermenge, hatte man doch den Eindruck, dass mindestens das halbe Dorf an der Darstellung von sieben Jahrhunderten beteiligt war. Geplant von Ralf Röckel, waren nicht nur alle Vereine im Boot, auch die Kinder vom Kindergarten, der Römerschule und der Gustav-Werner-Schule machten den Umzug zu einem generationenübergreifenden Ereignis. Dank der Moderation des ehemaligen Bürgermeister Otto Bauer, Kirchengemeinderätin Susanne Heim und der amtierenden Bürgermeisterin erhielten die Gäste viel Hintergrundwissen – angefangen von der ersten urkundlichen Erwähnung bis hin zu den beiden Weltkriegen.

Bittere Armut und Dorf-Solidarität

Deutlich wurde dabei, wie sehr die Dorfbewohner immer wieder zu leiden hatten. Von 200 Einwohnern überlebten nur 123 den Dreißigjährigen Krieg. Im Ersten wie im Zweiten Weltkrieg kam jeder dritte Soldat nicht mehr nach Hause. Im 19. Jahrhundert führten bittere Armut und Not zu Auswanderungen Richtung Banat und Amerika. Immer wieder zeigte man sich aber auch solidarisch. Sechzig Jahre wurde für den Bau der evangelischen Kirche 1899 gespart; bei einer legendären Versammlung fiel 1958 der Beschluss, das Schulhaus durch Darlehen der Bürger zu finanzieren.

Ein besonderes Fest fürs Auge bot am Wochenende der Wasserturm, der abends in allen Farben weithin leuchtete. Getoppt wurde die Illumination nur noch durch das große Feuerwerk, mit dem die einzigartige Jubiläumsfeier gestern am späten Abend ausklang.

19.07.2010 - 08:30 Uhr

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