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Das Beste aus drei Kontinenten

Der Hottpott in Walddorfhäslach mischt allerlei scharfe Sachen

Currys, Chutney und Marmeladen: Früchte und Gewürze aus Afrika, Indien und Schwaben mischt Njeri Kinyanjui. Vor drei Jahren hat sie sich mit der Hottpott-Saucen-Manufaktur selbständig gemacht, seit einem Jahr kocht sie im alten Lamm in Walddorfhäslach.

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Fred Keicher

Walddorfhäslach. „Wie bist du denn darauf gekommen, das alles in ein Glas zu tun?“. Von Afrikanern wird Njeri (ausgesprochen Jerry, „wie bei Tom und Jerry“) Kinyanjui auf Märkten oft gefragt. „In Afrika kochen wir das und essen es auf. Dann ist es weg. Das ist ein Grund, warum so viele Afrikaner hungern. Es gibt keine Vorratshaltung“, erklärt sie. Der leicht verderbliche Reichtum Afrikas an Früchten werde leider fast gar nicht genutzt, beklagt die 49-Jährige. „Man kennt dort nicht einmal einfache Techniken wie das Trocknen.“

Veredelt Früchte und Gewürze zu Chutney, Currys und speziellen Marmeladen: Njeri Kinyanjui in ihrer ... Veredelt Früchte und Gewürze zu Chutney, Currys und speziellen Marmeladen: Njeri Kinyanjui in ihrer Saucen-Manufaktur. Bild: Haas

Dabei ist sie auf die Idee mit den Gläsern schon als Schülerin gekommen. Sie ist in Nairobi aufgewachsen und ins Internat gegangen. Wie meistens ist das Mensa-Essen schlecht. Sie verlegte sich deshalb auf Selbsthilfe. Mit einer Freundin zusammen ist Kinyanjui auf die Idee gekommen, ein einfaches Chutney in ein Glas zu füllen: Hauptbestandteile waren Zwiebeln, Tomaten und Zitronensaft. Was damals in Nairobi geholfen hat, hat sich nun auch in Tübingen bewährt.

Nach dem Abitur ist sie nach Europa gegangen, sie ist verheiratet, hat zwei inzwischen erwachsene Kinder und hat in Berlin und Tübingen Volkswirtschaftslehre studiert. 1992 hat die Diplom-Volkswirtin in Tübingen ihr Studium abgeschlossen. Gearbeitet hat sie in der Lebensmittelindustrie („Ich war immer die Feuerwehrfrau und musste einspringen, wenn’s brennt“). Gearbeitet hat sie in Freiburg („Das Elsass war ein Traum“) und in Reutlingen. Sie lebt in Altenburg.

Das Rezept für ein Chutney kommt aus der indischen Küche, wie vieles in Ostafrika. Die Inder wurden von den Kolonialherren ins Land geholt. Als Coolies schufteten sie beim Eisenbahnbau, Land konnten sie keines erwerben. Das Grundprinzip eines Chutney ist einfach, sagt Kinyanjui: Früchte werden zu einem Mus gekocht und mit Essig, Salz, Zucker und Chillies gewürzt. „African Magic“ ist ihre jüngste Kreation, höllenscharf mit kräftig Jalapeños, Cayennepfeffer und Pfeffer. Auch eine Grüne Currypaste, die sie aus ihrem Mensafrust heraus entwickelte, hat sie immer noch im Angebot: „Sina Makosa“ ist eine Tomatenpaste – unwiderstehlich sei die, sagt Kinyanjui.

Neben Chutney und Currys bietet sie verschiedene Gewürzmischungen an. Berbere und Dekus sind zwei aus Eritrea, und Harrissa und Ras el Hanout stammen aus Nordafrika. Für Kinyanjui ist Ostafrika wegen des indischen und arabischen Einflusses kulinarisch reicher als Westafrika. Inzwischen ist sie in der schwäbischen Küche heimisch geworden. „Gestern Abend gab’s zu Hause Rotkohl mit irgendwas“, sagt sie. Die Familie hat ein großes Baumgütle, wo es Äpfel und Früchte in Hülle und Fülle gibt. Und so ist Kinyanjui auch zur Marmeladenköchin geworden. „Ich gebe aber immer etwas Spezielles dazu“, sagt die findige Köchin. Den Rhabarber würzt sie mit Kardamon, Apfelgelee mit Zimtstücken, Papaya mit Lavendel, Ananas mit Vanille und Johannisbeeren mit Sternanis.

Vermarktet werden die selbstproduzierten Sachen (in der geräumigen Küche im Lamm kocht sie Chargen mit etwa 300 Gläsern) vorwiegend direkt auf Märkten. Die Schwaben erlebt Kinyanjui dabei als sehr aufgeschlossen. „Die Schwaben sind viel unterwegs und haben Geld. Die kennen viel von der Welt, weil sie dort gearbeitet oder Urlaub gemacht haben.“

Info: Zum Einkaufen und Verkosten hat die Hottpott-Saucen-Manufaktur in der Stuttgarter Straße 2 in Walddorfhäslach jeden Donnerstag und Freitag von 14 bis 18 Uhr offen. Näheres unter www.hottpott.de

09.10.2012 - 08:30 Uhr

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