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Neue Technik

Zwei Fotografen machen Luftbilder mit Drohnen

Hier geht es nicht etwa um Industriespionage, sondern um Werbung und Imagepflege für Firmen und Gemeinden. Horst Guth aus Pliezhausen und Traugott Knauf aus Walddorfhäslach machen mit selbst gebauten „Oktokoptern“ Luftbilder, die sie künftig vermarkten wollen.

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Matthias Reichert

Pliezhausen. „Vor vier, fünf Jahren, hat man solche Geräte als Drohnen in der Spionage eingesetzt“, sagt Horst Guth. Bei dem Pliezhäuser heißen die Flieger aber Oktokopter – weil sie mit acht Propellern in die Luft gehen. Die Propeller werden mit Elektromotoren gesteuert, das Gerät surrt leise, wenn es in die Luft geht. Die Einzelteile sind aus dem Modellbauhandel, Guth hat sie selbst zusammengebaut. Unten am Flieger ist ein Sperrholzgerüst mit einer Kamera befestigt, die rundum schwenkbar ist.

Die Walddorfer Kirche, vom Oktokopter aus fotografiert.Bild: Guth/Knauf Die Walddorfer Kirche, vom Oktokopter aus fotografiert.Bild: Guth/Knauf

„Ich bin Fotograf, Modell- und Segelflieger und habe gedacht, das kann man verbinden.“ Guth hat sich mit Traugott Knauf zusammengetan, um die Luftbilder zu verwerten. Knauf betreibt in Walddorfhäslach die Werbeagentur Digiwerk. Er macht die Bilder, Guth steuert den Flieger. „Wir haben viel Zeit investiert, um das auszuprobieren.“ Die Fotos werden per Funk auf eine Videobrille übertragen, mit denen Knauf den Ausschnitt steuert und den Auslöser bedient. Knauf fotografiert auch für seine Agentur. Er ist Hobbyfotograf. Sein Bruder, ein Bastler, hat das Gestell für die Kamera zusammengeschraubt.

Horst Guth steuert den Oktokopter, Traugott Knauf (mit Videobrille) bedient die unten befestige ... Horst Guth steuert den Oktokopter, Traugott Knauf (mit Videobrille) bedient die unten befestige Kamera.Bild: Reichert

Künftige Kunden können vor Ort per Monitor auswählen, welche Perspektive sie wünschen. Mit dem Fischauge kriegt die Kamera sogar die Aufnahme ganzer Gewerbegebiete und Ortsteile hin. Der Flieger ist mit GPS-Navigation ausgestattet und darf maximal hundert Meter hoch fliegen – aber nur, wenn keine Menschen und Fahrzeuge darunter sind. Noch eine Auflage: Das Fluggerät muss stets in Sichtweite der Piloten bleiben.

Sie haben schon tausende Bilder im Computer. Seit anderthalb Jahren versorgen die Luftbildner potenzielle Abnehmer, Kommunen und Kirchengemeinden mit Gratischen. Für die gewerbliche Nutzung fehlt noch die Zulassung vom Regierungspräsidium.

Knauf ist 73 Jahre alt und denkt lange nicht an den Ruhestand. Hauptberuflich bearbeitet er Werbefilme für Filmproduzenten und legt den Ton darunter. Bisher analog, künftig immer mehr digital. Früher hatte er ein Fotostudio in Esslingen. Seit zwei Jahren lebt und arbeitet er in Pliezhausen, wo die Tochter und die Enkel wohnen.

Neue Perspektive, keine Konkurrenz

Die Aufnahmen mit dem Oktokopter sollen ein zusätzliches Standbein werden. „Wir haben schon viele Interessenten“, sagt Traugott Kauf. „Wir wollen das richtig vermarkten“, erklärt Horst Guth. Wenn das nötige Equipment – voraussichtlich im Herbst – geliefert wird, möchten sie auch Filme drehen. Die Kamera-Elektronik müsse dabei die Wackler des Fliegers ausgleichen. Guth und Knauf planen bewegte Imagebilder für Firmen. Aber auch Luftbilder für Filmproduzenten: „Die brauchen dann keine Schienen mehr aufzubauen. Wir könnten mit dem Oktokopter entlang fliegen und die James-Bond-Verfolgungsjagden drehen“, schwärmen sie von den Möglichkeiten der Technik.

Luftbildner wie sie gebe es „quer durch Deutschland“, sagen die Fotografen, aber „angefangen haben das die Neuseeländer“. Sie sehen sich nicht als Konkurrenten zu den herkömmlichen Luftbild-Fotografen mit ihren Cessnas oder Segelflugzeugen. „Das ist eine neue Perspektive, die sie nicht anbieten können“, meint Traugott Knauf.

Info: Siehe auch www.cinecopter.de.

10.07.2012 - 07:30 Uhr | geändert: 10.07.2012 - 07:45 Uhr

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