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2023 das erste Abitur?

Pliezhausen ist auf dem Weg zur Gemeinschaftsschule mit Oberstufe

Für die Lehrkräfte ist es das pädagogische Utopia: Die bestehende Grund-, Haupt- und Werkrealschule sowie die Realschule wollen zur Gemeinschaftsschule fusionieren. Auch das Abitur soll man künftig in Pliezhausen machen können.

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Matthias Reichert

Pliezhausen. Bei der Präsentation im Gemeinderat merkt man am Dienstagabend den Pädagogen die Begeisterung für die neue Schulform an. „Das, was man als Lehrer immer gewünscht, aber nie bekommen hat“, schwärmt Ralf Weber, der Konrektor der Realschule.

Im Schuljahr 2014/15 könnte hier am Otwin-Brucker-Schulzentrum in Pliezhausen der erste Jahrgang ... Im Schuljahr 2014/15 könnte hier am Otwin-Brucker-Schulzentrum in Pliezhausen der erste Jahrgang einer Gemeinschaftsschule starten.Bild: Faden

Die Lehrer/innen preisen die Möglichkeiten der Gemeinschaftsschule: gemeinsames und jahrgangsübergreifendes Lernen, wie es schon an der Pliezhäuser Grundschule praktiziert wird, alle Schüler/innen sollen im eigenen Tempo „das Lernen lernen“. Mit „Kompetenzrastern“ und Lerntagebüchern könnten sie eigenen Wege suchen.

Lehrer werden Lernbegleiter, Unterricht wird zur Lernzeit. „Wir reden nicht über eine Schulform, sondern über eine Haltung zum Lernen“, so Realschullehrer Christoph Schnittert. Es gibt keine Trennung nach Klasse vier mehr. „Die Kinder wollen weiter miteinander lernen. Sie kennen sich und helfen einander“, sagt Grundschullehrerin Magda Bloch. Und das Schönste: Die grün-rote Landesregierung sieht mehr personelle Ressourcen für Gemeinschaftsschulen vor.

Kultusministerium: Standort prädestiniert

Die Besonderheit: In Pliezhausen soll nicht nur die Grund-, Haupt- und Werkrealschule (derzeit 306 Schüler) mit der bestehenden Realschule (589 Schüler gegenüber 630 im Vorjahr) fusionieren. Die Schulen wollen ab 2020 auch eine Sekundarstufe II anbieten, also eine Oberstufe der Klassen 11 bis 13. Dann könnten 2023 die ersten Schüler/innen hier ihr Abitur machen. So ein Konzept gibt’s bisher landesweit noch kaum.

Laut Kultusministerium ist das Pliezhäuser Schulzentrum mit Mensa und Ganztagesangebot „ein hervorragender Standort, prädestiniert für die Gemeinschaftsschule“, sagt Bürgermeister Christof Dold vorab im Pressegespräch. Er unterstreicht, das neue Modell werde den Schulen nicht aufoktroyiert. „Wir wollen das von innen entwickeln.“ Die Kollegien hätten mehrheitlich für die Gemeinschaftsschule gestimmt. In einer 15-köpfigen Steuergruppe sollen die Pädagogen nun das Konzept entwickeln. Dazu kommt eine Lenkungsgruppe, die mit Eltern, Vereinen, Musikschule und Betrieben für Informationsfluss sorgt.

„Wir müssen saugut sein. Wir haben eine riesige Konkurrenz“, erklärt der scheidende Realschulrektor Tilmann Haas. Die Organisatoren hoffen auch auf Schüler aus Nachbargemeinden im Reutlinger Nordraum. „Wenn eine gute Sache da ist, kommen die Leute von überall“, glaubt Lehrer Schnittert.

Manche im Rat lassen sich von der Begeisterung anstecken. „Jetzt kommt Bewegung in die Schulentwicklung in Pliezhausen. Das stimmt mich sehr positiv“, findet Gniebels Ortsvorsteher Dieter Kurz (FWV). Peter Biedermann (CDU) sorgt sich um die Ressourcen, wo die grün-rote Regierung doch 11 000 Lehrerstellen streichen wolle. Individuelles Lernen werde an der Gemeinschaftsschule zum Pflichtunterricht, für den Lehrerstunden vorgesehen sind, beschwichtigt Schulrat Udo Paulus im Publikum.

Ob sich ältere Kollegen nicht mit der Umstellung schwertun, fragt Monika Koch (FWV). Konrektor Weber entgegnet: „Das ist keine Frage des Alters der Lehrkräfte, sondern der Haltung. Da wird der Beruf plötzlich wieder spannend.“ Weitere Räte fragen nach Noten und „Null-Bock“-Jugendlichen. Noten gebe es weiter, sagen die Lehrer, doch würden sie individueller ermittelt. Weber: „Die Schüler müssen selber wissen: Was kann ich, wo brauche ich Hilfe?“ Und in der Gemeinschaftsschule könnten unmotivierte Kinder „eher wieder Interesse finden“.

Der Fahrplan zur Pliezhäuser Gemeinschaftsschule
In der zweiten Hälfte des laufenden Schuljahrs wollen die drei Schulen gemeinsame „Lernateliers“ anbieten und am Konzept feilen. Im Herbst 2013 soll der Antrag gestellt werden. Im Schuljahr 2013/14 sollen Werkrealschule und Realschule eine gemeinsame Eingangsklasse 5 bekommen und die Stundenpläne synchronisiert werden, die Lehrer besuchen Fortbildungen. Im Schuljahr 2014/15 könnte die Gemeinschaftsschule dann im ersten Schuljahr beginnen, 2020 käme womöglich noch die Oberstufe dazu.


29.11.2012 - 08:30 Uhr

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