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Abschied nach 20 Jahren

Pliezhäuser Pfarrer Mutombo muss Gemeinde verlassen

Achille Mutombo war 20 Jahre lang Pfarrer in Pliezhausen. Jetzt muss er gehen, schreibt das Reglement des Bistums vor. Der aus dem Kongo stammende Geistliche hinterlässt eine aufgebrachte Gemeinde und eine Debatte um die Personalpolitik der katholischen Kirche. Am Sonntag hält Mutombo seine letzte Messe.

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Moritz Siebert

Pliezhausen. Die Stimmung in der Gemeinde ist angespannt. Ihr scheidender Pfarrer kann dazu nicht viel sagen – und hat eigentlich auch keine Zeit dafür: Nur noch vier Tage ist er im Amt, vor dem Büro warten Gemeindemitglieder, die ihn nochmal sprechen wollen. Er selbst will sich von allen Nachbarn persönlich verabschieden – und zwei Beerdigungen stehen auch noch an. Am Sonntag wird er letztmals in Pliezhausen die Messe halten, dann beginnt für Achille Mutombo, 54, ein neuer Lebensabschnitt. „Gott hat mich an diesen Ort geführt, nun will ich im Gebet darum bitten, dass er mir den neuen Weg zeigt.“ Nur wenige Stunden nach seiner letzten Predigt wird er für unbestimmte Zeit nach Lourdes reisen.

Diözese ordnet

Weggang an

Ob Mutombos Abgang gottgewollt ist, darüber scheiden sich in Pliezhausen nun die Geister. Denn nicht Gott selbst, sondern dessen Diener der Diözese Rottenburg-Stuttgart haben angeordnet, dass er gehen muss. Seit 2003 gilt die diözesane Regelung, die kürzlich nochmals bekräftigt wurde, dass Pfarrer nach 15 Jahren Amtszeit gebeten werden, ihre Stelle zu verlassen, um eventuelle Verfestigungstendenzen in der Gemeinde zu vermeiden.

Achille Mutombo hält morgen seine letzte Predigt in Pliezhausen. Archivbild: Metz Achille Mutombo hält morgen seine letzte Predigt in Pliezhausen. Archivbild: Metz

Auch in Pliezhausen ist diese Regelung nun wirksam geworden: Am 12. Juli hat die Diözese Mutombo schriftlich darüber in Kenntnis gesetzt, dass er sein Amt hier nicht mehr ausführen darf. „Ich hatte nicht darum gebeten, nach Pliezhausen zu kommen. Ich wurde hierher gesandt. Nun hat das Bischöfliche Ordinariat mir unmissverständlich mitgeteilt, dass es die Pfarrstelle in Pliezhausen neu besetzen will“, sagt Mutombo, der kein in Rottenburg inkardinierter Priester ist, sondern dem Bistum Lubumbashi (Kongo) angehört.

„Außer der 15-Jahres-Regelung spielt für diese Entscheidung ein zweiter Faktor eine Rolle“, sagt Uwe Renz, Pressesprecher der Diözese Rottenburg-Stuttgart. 2004 wurde die Seelsorgeeinheit „Reutlingen Nord“, bestehend aus den Pfarreien St. Franziskus in Pliezhausen und St. Andreas in Orschel-Hagen, begründet, für deren endgültige Einrichtung die Zeit nun günstig wäre, so Renz. In dieser Einheit ist nur eine Pfarrstelle vorgesehen, und diese ist seit 2011 vakant.

„Mir geht es nicht um das Offizielle, ob ich jetzt eine bestimmte Zeit im Amt war oder nicht“, sagt Mutombo, „ich bin Priester, 24 Stunden am Tag. Darum geht es.“ Der Geistliche ist in Kolwezi geboren, hat in Lubumbashi und Kinshasa Theologie und Philosophie studiert, ehe er als 30-Jähriger zur Promotion nach Tübingen kam. Während seiner zweiten Promotion in Philosophie begann er in Pliezhausen als Seelsorger zu arbeiten. Zur Gemeinde bestand von Anfang an ein hervorragendes Verhältnis – trotzdem muss er sie nun verlassen.

Debatte über kirchliche

Personalpolitik beginnt

Am Montag vergangene Woche, teilte er die Nachricht dem Kirchengemeinderat und anschließend der Gemeinde mit. Alle waren sehr betroffen – auch Bürgermeister Christof Dold: „Ich war wie alle anderen Pliezhäuser Bürger geschockt von der Nachricht“, sagt Bürgermeister Christof Dold. Für ihn ist das Hauptproblem, dass die Nachricht so aus heiterem Himmel gekommen ist: Das „von jetzt auf nachher“ sei schwer vermittelbar. Dold hat sich mit einem Brief an die Diözese gewandt, mit der Bitte, die Personalie nochmals zu überdenken. Der Kirchengemeinderat berief zu Beginn der Woche eine außerordentliche Sitzung ein, auf der die Zukunft der Gemeinde diskutiert wurde und eine Debatte über die Personalpolitik der katholischen Kirche entbrannte.

Für die Überraschtheit in Pliezhausen hat man in Rottenburg kein Verständnis. Man habe schon vor der schriftlichen Benachrichtigung Gespräche geführt, sagt Renz. Außerdem sei schon seit Frühjahr die Stelle für den Priester der Seelsorgeeinheit „Reutlingen Nord“ ausgeschrieben worden. Mutombo hätte sich auf die Stelle bewerben können, aufgrund der 15-Jahres-Regelung aber ohne Hoffnung auf Zusage.

Zu seiner Situation sagt Mutombo: „Als katholischer Priester habe ich die Pflicht, den Entscheidungen meiner Vorgesetzten Folge zu leisten. Meine Zukunft überlasse ich Gott.“ In Lourdes wolle er sich vor allem um kranke Menschen kümmern – aber auch ein bisschen um sich selbst.

28.07.2012 - 08:30 Uhr | geändert: 04.03.2013 - 17:44 Uhr

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