Museum beschäftigt sich mit dem Alltag der Daheimgebliebenen
Krieg ist Männersache – meint man. Doch die Realität ist anders. Das lässt sich jetzt im Dorfmuseum Pliezhausen erfahren, das dem Alltag der Frauen im Krieg eine Sonderschau gewidmet hat.
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ChriS HÄgele
Eines der Highlights der Austellung „Ein Stück Frieden mitten im Krieg – starke Frauen auf dem Land“: Eine Konfirmandenurkunde, die bei einem Angriff der Franzosen auf ein Dorfhaus an der Wand hängend durchschossen wurde. Bild: Haas
Pliezhausen. Derzeit läuft im Dorfmuseum „Ahnenhaus“ in Pliezhausen eine Sonderausstellung mit dem Titel „Ein Stück Frieden mitten im Krieg – starke Frauen auf dem Land“. In dem Bauernhaus werden persönliche Geschichten von Frauen aller Altersklassen im Ersten und Zweiten Weltkrieg dargestellt und durch Ausstellungsstücke und deren Anordnung veranschaulicht.
Einer der ausschlaggebenden Gründe, dieses Thema für die Ausstellung zu wählen, war laut Heiderose Tiefenbach, ehrenamtliche Mitarbeiterin des Museums, die Französin Käthe Mayer, die als 16-jährige aus dem Elsass nach Pliezhausen kam. Durch ihre Französischkenntnisse, aber vor allem durch ihr nahezu unerschöpfliches Engagement und ihre warmherzige, offene Art schaffte sie es, zwischen der französischen Besatzungsmacht und dem Bürgermeisteramt zu vermitteln.
Lebensmittelmarken und Hamsterfahrten
Ihr ist es wohl zu verdanken, dass der Einmarsch der Franzosen in Pliezhausen ohne Blutvergießen von statten ging. „Da Käthe Mayer nach der Besatzungszeit gleich wieder in den Familienalltag zurückkehrte, ist sie leider über ihre Wirkungszeit hinaus kaum bekannt. Wir wollen mit dieser Ausstellung an ihre Person erinnern und sie ehren“, sagte Heiderose Tiefenbach.
Die Ausstellung umfasst Beispiele aus beiden Weltkriegen, wobei dem Zweiten Weltkrieg deutlich mehr Beachtung geschenkt wird. Das liegt auch daran, dass es aus dem Ersten Weltkrieg schlichtweg kaum noch Zeitzeugen gibt, die ihre persönliche Geschichte beisteuern könnten. Exponate, die diese Geschichten unterstreichen, sind zum Beispiel Kleidungsstücke und ein Mutterkreuz in Bronze.
Die Themen der Schau sind sehr vielfältig, von Kinderlandverschickung und Lebensmittelmarken bis Hamsterfahrten. Besonders spannend ist die im Bild gezeigte Konfirmandenurkunde. Sie wurde bei einem Angriff der französischen Truppen auf ein Dorfhaus in der Tübinger Straße in Pliezhausen von einem Schuss durchbohrt, der letztlich in einem Waschtisch stecken blieb. Insgesamt wurden bei diesem Angriff ganze 48 Schüsse auf das Haus abgegeben, die auch heute noch erkennbar sind.
Allgemein wird beim Besuch dieser Ausstellung klar, wie schwer und belastend der Alltag der Frauen im Krieg war. So mussten die Frauen nicht nur durch harte physische Arbeit versuchen ihre Familie zu ernähren, sondern hatten als zusätzliche psychische Belastung auch noch die Ungewissheit über den Zustand ihrer Männer und Söhne an der Front zu verkraften. Die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen des Dorfmuseums stehen während der Öffnungszeiten für Fragen zur Verfügung. Und wer noch weitere persönliche Geschichten und Ausstellungstücke zum Thema beisteuern will, kann dies jederzeit tun. Die Mitarbeiter des Dorfmuseums würden sich freuen, die umfangreiche Ausstellung noch ergänzen zu können.