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Pliezhausen: Gemeinde tief gespalten

Kontroverse Debatte um Pfarrer Achille Mutombo

Der Weggang von Pfarrer Achille Mutombo bewegt die Pliezhäuser Katholiken weiter. Am Dienstag verteidigten Sprecher der Diözese Rottenburg-Stuttgart auf einer Gemeindeversammlung die Abberufung.

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Matthias Reichert

Pliezhausen. Mehr als hundert Gemeindemitglieder drängten sich im Franziskussaal. Auf Transparenten waren die Folgen des Weggangs von Mutombo aufgelistet: 14 Kirchenaustritte, Leserbriefe und Briefe ans Bischöfliche Ordinariat, Ehrenamtliche stellten langjährige Tätigkeiten ein. Die Wogen kochten seither hoch. Wie berichtet, demonstrierten im August 200 Katholiken in Rottenburg gegen die Abberufung.

Pro und Contra auf der Pliezhäuser Gemeindeversammlung – von links die Kirchengemeinderäte und ... Pro und Contra auf der Pliezhäuser Gemeindeversammlung – von links die Kirchengemeinderäte und -rätinnen Monika Koch, Angelika Kolatschek und Christian Gröbe. Daneben Paul Hildebrand (am Mikrofon) und Wolfgang Kessler von der Diözese Rottenburg-Stuttgart.Bild: Haas

Musste er gehen? Die Diözese empfehle ihren Pfarrern, alle zehn bis 15 Jahre die Stelle zu wechseln, sagte Domkapitular Paul Hildebrand, der in der Diözese für das pastorale Personal zuständig ist. Er habe seit Oktober 2010 Gespräche mit Mutombo geführt. Hildebrand verwies auf den Priestermangel in vielen Seelsorgeeinheiten, insofern habe Mutombo gehen müssen.

Musste er aufhören? Der Weggang von Achille Mutombo nach 18 Jahren als Pliezhäuser Pfarrer spaltet ... Musste er aufhören? Der Weggang von Achille Mutombo nach 18 Jahren als Pliezhäuser Pfarrer spaltet die Katholiken. Archivbild: Metz

Hildebrand begründete den Wechsel auch mit der 2002 beschlossenen Schaffung einer gemeinsamen Seelsorgeeinheit Pliezhausen und Orschel-Hagen, deren Pfarrstelle seit Jahren ausgeschrieben war. „Wir brauchen Klarheit“, sagte der Reutlinger Dekan Robert Widmann, der die Einheit seither administrativ betreut. „Das war eine Unsicherheit, die belastend war.“

„Ich hatte sei Januar 2012 jeden Monat ein Gespräch mit ihm“, sagte Pfarrer Wolfgang Kessler, in der Diözese zuständig für die Priester. „Der Wechsel stand an.“ Er glaubte, Mutombo habe seine Gemeinde nicht vom Wechsel unterrichten wollen, ehe die neue Stelle vergeben sei – das sei üblich. „Er war gerne bei Ihnen, und es ist ihm schwergefallen zu gehen. Er wollte Sie nicht enttäuschen“, sagte Hildebrand.

„Er wollte nicht weg. Er sagte, er geht nur, wenn ihn der Bischof versetzt“, konterte Kirchengemeinderätin Monika Koch. „Er hat sich bereit erklärt zu wechseln“, entgegnete Kessler. Es gebe bereits eine Pfarrei, für die er sich interessiere. Die Zuhörer fragten, warum sich Mutombo nicht für die neue Seelsorgeeinheit als Pfarrer bewirbt. Laut Hildebrand wäre er damit „überfordert“, weil er nach 18 Jahren „verwurzelt mit den Menschen“ in Pliezhausen sei. Falls sich Mutombo hier bewerbe, werde er die Bewerbung nicht unterstützen und nicht an den Bischof weiterleiten, sagte er zur Empörung vieler Zuhörer. „Das ist hinterlistig und unmenschlich“, rief einer.

Neben vielen Solidaritätsbekundungen für Mutombo äußerte sich erstmals eine Fraktion öffentlich, die für dessen Weggang eintrat. Die Entscheidung sei „nachvollziehbar und folgerichtig“, so Ex-Kirchengemeinderat Andreas Wagner, habe aber zu lange gebraucht. Neben Mutombos „exzellenter Seelsorge“ sah er „Defizite und Probleme in der täglichen Zusammenarbeit mit den Gremien“. Mutombo habe „Ehrenamtliche vor den Kopf gestoßen und allein gelassen“, sekundierte Ursula Schäfer.

Der amtierende Kirchengemeinderat Christian Gröbe sagte: „Es war schwierig, mit ihm in strittigen Fragen zusammenzuarbeiten. Viele haben das Handtuch geworfen. Die Seelsorgeeinheit wäre mit ihm nichts geworden.“ Hilde Eggensberger, die dem Gremium zehn Jahre vorstand, erklärte: „Er hatte viele Freiheiten. Es gab schon ein bisschen afrikanische Verwaltung. Sein Talent zur Seelsorge wäre in einer großen Einheit untergegangen.“

Mutombo fehlte – gemeinsame Erklärung mit der Diözese
Achille Mutombo fehlte bei der Gemeindeversammlung. „Er hat offensichtlich ein Redeverbot“, kritisierte ein Zuhörer. Angelika Kolatschek, Zweite Vorsitzende des Kirchengemeinderats, verlas eine mit der Diözese verfasste Erklärung Mutombos, der derzeit eine Auszeit genommen hat. Am 12. Oktober habe es zwischen ihm und dem Bischöflichen Ordinariat ein Gespräch gegeben, in dem Missverständnisse ausgeräumt worden seien. Die Diözese spricht ihm das Vertrauen aus und drückt die Wertschätzung seiner Arbeit in Pliezhausen aus. Mutombo werde weiter als Pfarrer eingesetzt. Bis Ende Oktober werde er sich auf eine frei werdende Pfarrstelle bewerben.


18.10.2012 - 06:30 Uhr | geändert: 18.10.2012 - 06:56 Uhr

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