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Anästhesist Herbert Bauer

Auf humanitärem Einsatz in Entwicklungsländern

Während für andere der Urlaub beginnt, greift der Pliezhäuser Anästhesist Herbert Bauer zum Telefon. Er muss noch schnell ein paar Anrufe tätigen und überprüfen, ob alle Vorbereitungen für einen 14-tägigen Operationsmarathon schon getroffen sind.

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Maja Urbanczyk
Seit elf Jahren verbringt der Pliezhäuser Anästhesist Herbert Bauer auch einen Teil seiner ... Seit elf Jahren verbringt der Pliezhäuser Anästhesist Herbert Bauer auch einen Teil seiner Freizeit im OP: Bei humanitären Einsätzen in Afrika und Indien.Bild: Privat

Pliezhausen. Herbert Bauer, freier Anästhesist und Leiter der Sektion Stuttgart-Münster von Interplast-Germany, verbringt einen Teil seiner Urlaube damit, Patienten in Entwicklungsländern zu operieren und ihnen damit ein Stück Lebensqualität zurückzugeben. Zusammen mit einem hoch qualifizierten Team, bestehend aus zwei OP-Schwestern, zwei plastischen Chirurgen, einem Mund-Kiefer-Chirurg und einem weiteren Anästhesisten führt er bis zu 150 Operationen an Bedürftigen durch. Beispielsweise in Kano im Norden Nigerias oder im indischen Bengaluru.

Interplast hat es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen zu helfen, deren Bewegungsfreiheit durch schlecht geheilte Brandverletzungen eingeschränkt ist. Auch Menschen, die durch genetische Defekte und Infektionen entstellt sind und deswegen von der Gesellschaft ausgegrenzt werden, finden bei den Ärzten von Interplast Hilfe.

Um die Einsätze zu ermöglichen, verzichten die Teams auf Honorar und übernehmen teilweise die Reisekosten. Sie sehen sich nicht als einfache Touristen, die ein Mal vor Ort sind und dann auf Nimmerwiedersehen verschwinden. „Wir sind Gäste. Es ist wichtig die Kultur und die Menschen zu respektieren und weder sie noch Religion oder Politik zu bewerten“, sagt Bauer. Wie andere Organisationen für Entwicklungshilfe leisten jährlich rund 75 Teams von Interplast Germany auch Hilfe zur Selbsthilfe.

„Durch Teachingprogramme wollen wir uns auf gewisse Weise überflüssig machen, deswegen fahren wir immer wieder in die selben Orte“, erklärt Bauer. Das bedeutet zum einen, dass Ärzte und Krankenschwestern aus den Krankenhäusern der jeweiligen Städte an den Operationen teilnehmen, um von den gastierenden Ärzten zu lernen und andererseits, dass sich die Interplast-Teams aus erfahrenen Spezialisten zusammensetzen: „Nur so können wir unseren Ansprüchen gerecht werden.“

Langsam stellt sich der Erfolg ein: Zwischen zwei Stippvisiten der Interplast-Teams in Nigeria haben die Ärzte des Murtala-Hospitals bereits zirka 1000 Lippen-, Kiefer- und Gaumenspalten selbst operiert. Zudem lassen die Interplast-Teams außer ihrem Wissen oft auch Material zurück.

Nach wenigen Tagen ein sichtbarer Erfolg

Herbert Bauer ist selbst seit bald elf Jahren bei Interplast. In dieser Zeit hat er an elf Einsätzen in Indien und Nigeria teilgenommen. Das Konzept von Interplast kannte er freilich schon lange vorher. „Es war immer irgendwie ungünstig. Zuerst die Facharztprüfung und dann die Kinder.“ Nachdem er sich vor zwölf Jahren selbstständig gemacht hat, stieß er bei einem Gastvortrag wieder auf einen Stand von Interplast und beschloss, nun ein Teil des Vereins zu werden.

„Eine meiner Triebfedern ist es, etwas von den eigenen Privilegien abzugeben“, begründet der 54-jährige Mediziner sein Engagement. Die Arbeit lasse nicht nur bei ihm eine tiefe Zufriedenheit zurück. Vor dem nächsten Einsatz verspüre er eine regelrechte Euphorie. Gleichzeitig räumt er ein, dass es auch etwas Stress bedeutet, die Einsätze zu koordinieren, denn die Logistik organisieren die Ärzte selbst. „Zum Glück“, sagt Bauer, „haben wir dabei viel Hilfe von größeren Unternehmen. Sie helfen uns, genauso wie viele Einzelpersonen, mit Geldspenden; manche Firmen auch mit Sachspenden oder der Logistik.“ Ohne diese Hilfe wäre der Transport der medizinischen Geräte wohl kaum möglich, zumal die Ärzte mit bis zu 700 Kilogramm Übergepäck reisen. Trotz der manchmal 16-stündigen anstrengenden Arbeitstage blickt Bauer zufrieden auf die Einsätze zurück: „Gerade bei den Operationen von Lippen-, Kiefer- und Gaumenspalten kann man schon nach wenigen Tagen den Erfolg sehen.“ Die chirurgischen Eingriffe ermöglichen eine Reintegration der Menschen in die Gesellschaft. In manchen Fällen können die Menschen nach solchen Operationen wieder arbeiten und werden nicht mehr stigmatisiert.

Bauers nächster humanitärer „OP-Urlaub“ ist im Herbst geplant und wird ihn ins Hochland von Tansania führen. Und im Frühjahr 2012 will er wieder ins nigerianische Kano. Bauer widmet seine freie Zeit gerne den Einsätzen mit Interplast, aber natürlich freut auch er sich, auf einen ganz „normalen“ Urlaub mit der Familie.

Info: Interplast ist eine dezentrale Organisation, die in Sektionen selbständig ihre Einsätze plant, organisiert und finanziert. Weitere Infos unter www.interplast-germany.de

22.06.2011 - 08:30 Uhr

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