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Freischein für Wilderer?

Südafrika erwägt Freigabe des Handels mit Nashorn

Gegen die Wilderei scheint kein Kraut gewachsen. Tierschützer laufen Sturm gegen die Idee Südafrikas, den Handel mit Nashorn freizugeben. Sie fürchten, dass dann noch mehr Tiere von Wilderern getötet werden.

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DPA

Pretoria Jedes Jahr wüten die Wilderer schlimmer unter den Nashörnern Südafrikas. Es geht um viel Geld auf dem Schwarzmarkt. Nun will Südafrika bei der Weltartenschutzkonferenz 2016 eine Freigabe des Hornhandels beantragen.

Artikelbild: Südafrika erwägt Freigabe des Handels mit Nashorn Grausiges Ende: Wegen ihres Horns werden Nashörner abgeschlachtet. Asiaten versprechen sich - vergeblich - vom Hornpulver potenzsteigernde Effekte. Foto: dpa

Dahinter steht die Idee, Wilderern durch Legalisierung das Handwerk zu legen. Doch Tierschützer schlagen Alarm. Sie fürchten, dass die Jagd auf die grauen Kolosse dann noch mehr zunimmt. Rund 20 000 dieser Urzeit-Tiere gibt es noch in Südafrika - das gilt als größter Bestand der Welt.

Rhinozeros-Horn ist in Asien wegen seines Rufes als Potenz- und Heilmittel wertvoller als Gold. Für ein Kilo Nashornpulver lassen sich auf dem Schwarzmarkt derzeit rund 50 000 Euro herausschlagen. Auch darum steigt die Zahl der gewilderten Nashörner rasant an. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres wurden bereits 461 Tiere illegal getötet. Die Rekordzahl von 633 gewilderten Nashörnern im Jahr 2012 wird damit wohl deutlich übertroffen werden.

Als "aus der Verzweiflung geboren", kritisiert der Naturschutzverband WWF den Beschluss Pretorias für die Artenschutzkonferenz. Der Erfolg werde höchst zweifelhaft sein, die Idee würde immense Investitionen für die Organisation und Kontrolle eines weltweiten Nashornhandels erfordern. Zudem bestehe angesichts der enormen Nachfrage in Fernost die Gefahr, dass gewilderte Nashörner in den "legalen" Markt fänden.

Nashörner sehen zwar bedrohlich aus, sind aber leichter zu jagen als viele andere wilde Tiere. Die scheuen Pflanzenfresser sind meist Einzelgänger und gelten entgegen manchem Jägerlatein als wenig angriffslustig. Sie sehen auch sehr schlecht und ihr Gehör ist nicht so gut wie das von Elefanten. Nicht ganz leicht ist es allerdings, sie in Savannen- und Buschlandschaften aufzuspüren. Kommen Wilderer zum Zug, bleiben grausig anzusehende Nashorn-Leichen zurück.

"Die Regierung wagt ein sehr gefährliches Experiment, das die Nashörner noch mehr gefährden könnte", warnt auch der südafrikanische Direktor der internationalen Tierschutz-Stiftung IFAW, Jason Bell. Solange die Regierungen in China und Vietnam nicht endlich wirkungsvoll etwas gegen den illegalen Handel unternähmen, werde die Wilderei weitergehen.

Bell ist vor allem skeptisch gegenüber der Absicht der Regierung, die derzeit in Südafrika gehorteten Bestände von 18 Tonnen Horn zu verkaufen. "Wer sagt denn, dass das die Nachfrage wirklich senkt und damit den Wilderern das Geschäft erschwert?"

Allerdings wäre ein Verkauf von südafrikanischem Horn für Pretoria recht attraktiv: Zumindest der Schwarzmarktwert liegt bei elf Milliarden Rand (etwa 85 Millionen Euro). Südafrikas Umweltministerin Edna Molewa erhofft sich mit dem Verkauf einen Schlag gegen den illegalen Handel. Die Einnahmen sollen zudem in den Naturschutz fließen. Viele Experten hielten diese Erwartung für naiv und die Legalisierung für eine unverantwortliche Fehlentscheidung, so die Organisation "Pro Wildlife".

Der Regierung kann aber kaum vorgeworfen werden, nichts getan zu haben. Sie hat schon lange den Kampf gegen die wachsende Wilderei aufgenommen. Schließlich gefährdet diese sonst langfristig auch den wichtigen Wirtschaftszweig Tourismus. Der Wildschutz erhielt mehr Geld und Personal, bessere Ausrüstung. Inzwischen helfen Militär und Polizei den Wildhütern, sogar Drohnen wurden eingesetzt.

Die 350 Kilometer lange, schwer zu kontrollierende Grenze zu Mosambik wird intensiver bewacht, Grenzzäune wurden verstärkt, die Zahl der Patrouillen verzehnfacht. Mehr als 280 Mosambikaner wurden laut WWF seit 2008 von Rangern und Militärs beim Nashornwildern in Südafrika erschossen. Auch die Justiz schlug hart zu, verurteilte Wilderer zu langjährigen Haftstrafen.

Die Freigabe des Handels sei ein "Anti-Wilderei-Plan", so die Regierung. Es scheint ein letzter Versuch zu sein, den Bestand der Nashörner in Südafrika nicht weiter zu gefährden. Vorbild für die Legalisierung sei der Elfenbeinhandel, so das Argument. Genau das aber habe gezeigt, dass damit die Wilderei nicht zu stoppen sei, kritisiert "Pro Wildlife". Seit der legale Elfenbeinhandel nach China freigegeben worden sei, biete er einen idealen Deckmantel für kriminelle Aktivitäten.

Enorme Gewinnspannen sowie mangelnde Kontrollen und Korruption hätten die organisierte Elefanten-Wilderei massiv in die Höhe getrieben, so der Vorwurf. "Das Experiment Elfenbeinhandel ist auf der ganzen Linie gescheitert", urteilt die Organisation.

16.07.2013 - 08:30 Uhr

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