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2.000 Demonstranten gegen die Bagger

Stuttgart 21 - Arbeiter und Polizisten rückten an

Völlig überraschend haben Arbeiter am Freitagabend und in der Nacht zum Samstag einen Absperr- und Bauzaun am Nordflügel des Stuttgarter Hauptbahnhofs errichtet. Der Nordflügel soll bekanntlich abgerissen werden. Der Zaun soll weitere Besetzungen des leer stehenden Gebäudes verhindern und den Abriss vorbereiten. Ein massives Polizeiaufgebot schützte die Nacht-Aktion.

Manfred Hantke

Die Stuttgart 21-Gegner sehen im Beginn der Abrissarbeiten "eine unglaubliche Provokation und Barbarei seitens der Bahn und der Politik", schreiben sie in einer Pressemitteilung.

Nachdem die Arbeiter am Freitagabend angerückt waren, sprach sich die Aktion unter den S21-Gegnern via Twitter und SMS rasch herum. Polizei kam, versuchte die Gegner zu verdrängen und ihnen mit einem Megafon die Lage zu erklären. Doch die rund 1.000 Demonstranten vor dem Nordflügel lärmten mit Trillerpfeifen und Vuvuzelas. Keine Chance für die Polizisten, da durchzudringen.

Nach und nach blockierten die Demonstranten die Straßen um den Bahnhof herum. Beobachter sprechen von insgesamt etwa 2.000, die sich am Nordflügel den Baggern entgegensetzten und auf den angrenzenden Kreuzungen den Verkehr lahm legten. Einsatzkräfte der Polizei drängten die Demonstranten am Nordflügel zur Seite, einige Gegner - wie etwa der Grünen-Fraktionsvorsitzende Werner Wölfle - ließen sich von der Polizei wegtragen.

Anschließend  verlagerten sich einzelne Gruppen auf die Heilbronner Straße und blockierten dort teilweise den Verkehr. Von der Heilbronner Straße bewegten sie sich über die Schillerstraße in Richtung Gebhard-Müller-Platz, wo es ebenfalls zu Straßenblockaden kam.

Nach Mitternacht nahm die Polizei mehrere Aktivisten am Charlottenplatz vorläufig fest. Sie hatten sich auf die Straße gesetzt. Dabei mischte sich nach Polizeiangaben immer mehr "Eventpublikum" unter die Demonstranten. Während der Aktionen der S21-Gegner seien mehrfach Feuerwerkskörper gezündet worden, so die Polizei.

Gegen 1 Uhr nachts störten S21-Gegner und das so genannte Eventpublikum den Fahrzeugverkehr am Arnulf-Klett-Platz. Sie stellten und setzten sich erneut auf die Kreuzung.

Drei Demonstranten wurden von Polizeibeamten vorläufig festgenommen, nachdem sie der Aufforderung sich zu entfernen nicht nachgekommen waren.

Die Deutsche Bahn AG hatte angekündigt, den Nordflügel des Bahnhofs Mitte August abzureißen. Die S21-Gegner fürchten nun, der Abriss des Nordflügels könne früher beginnen. Da am Freitag einige Hundertschaften wegen des Bundeswehr-Gelöbnisses sowieso in Stuttgart waren, bot sich der Termin zur Aufstellung des Zauns vor dem Nordflügel an.

Am Samstag riefen die S21-Gegner um 12 Uhr zur Demonstration vor dem Nordflügel auf. Den gesamten Samstagnachmittag über trafen sich dort die S21-Kritiker und diskutierten das polizeiliche und insbesondere das politische Vorgehen der Verantwortlichen. Für den Abend ist um 19 Uhr eine weitere Demonstration angesetzt, ebenfalls am Sonntag und am kommenden Montag.

31.07.2010 - 08:50 Uhr | geändert: 17.08.2010 - 15:30 Uhr
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