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OB empört sich über Schmutzkampagne und stellt sich vor die Tübinger Anwältin

Langer-Ehrung: Attacken gegen Palmer

Wegen des Ordens für die jüdische Menschenrechtsanwältin Felicia Langer wird der Tübinger OB Boris Palmer übel angegangen.

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Raimund Weible

Wegen des Ordens für die jüdische Menschenrechtsanwältin Felicia Langer wird der Tübinger OB Boris
Palmer übel angegangen.

Tübingen. Auf eine höfliche Anrede verzichtet der anonyme Schreiber. Und kommt gleich zur Sache: „Du hast dieser dreckigen Langerschlampe das Bundesverdienstkreuz verliehen“, heißt es in der Mail, die vor kurzem bei Oberbürgermeister Boris Palmer einging. Und in dieser Tonlage geht es konsequent weiter. Elektronische Post ähnlichen Inhalts kommt in großer Zahl in Palmers Mailbox an, seitdem die Schriftsteller Ralph Giordano und Arno Lustiger angekündigt haben, sie würden wegen der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an die Tübinger Menschenrechtsanwältin Felicia Langer ihren eigenen Orden zurückgeben. Gut 50 Mails sind bisher zu dem Thema bei Palmer eingegangen. Der OB: „Da wird ein Kübel Schmutz ausgeleert.“

„Mich trifft das nicht“, sagte Palmer gestern zu den Angriffen gegen seine Person, „wer solche Mails schreibt, beleidigt sich selbst.“ Aber diese „ganz üble Kampagne“ betrübt ihn, weil er wisse, was Felicia Langer auszuhalten habe, und weil sie zeige, wie schwierig es sei, den Konflikt in Palästina zu lösen. Mit einer Kampagne wie dieser wolle man eine Kritikerin mundtot machen. Palmer bekräftigte gestern, dass er mit seiner Unterschrift das von Evelyn Hecht-Galinski in Gang gebrachte Ehrungs-Verfahren unterstützt habe. Hecht-Galinski ist die israel-kritische Tochter des verstorbenen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden Heinz Galinski und lebt im Kreis Lörrach.

Nach Kritik auch an Ministerpräsident Günther Oettinger und an dessen Staatssekretär Hubert Wicker, der den Orden übergeben hatte, erklärte das Stuttgarter Staatsministerium, die Auszeichnung von Felicia Langer würdige deren humanitäre Verdienste „unabhängig von politischer, weltanschaulicher oder religiöser Motivation“. Im Zentrum stehe dabei ihr Einsatz für hilfsbedürftige Personen ohne Ansehen von Nationalität oder Religion. Dabei habe auch ihre eigene Vergangenheit als massiv vom Holocaust betroffene Jüdin eine Rolle gespielt.

In einem Interview mit „Spiegel-Online“ sagte der Frankfurter Holocaust-Forscher Michael Brumlik, der Sache nach habe Frau Langer den Orden verdient. Sie habe auf einen in Israel bestehenden Missstand hingewiesen, dass nämlich die Menschenrechte der arabischen Bevölkerung des Westjordanlandes, die unter isrealischer Besatzung lebe, kontinuierlich verletzt würden. Die Organisationen Amnesty International, Human Rights oder israelische Menschenrechtsverbände kämen zu keinem anderen Schluss als Felicia Langer. Allerdings mache die Anwältin in äußerster Einseitigkeit Israel für die Situation im Nahen Osten verantwortlich, sagte Brumlik.

gSiehe das ÜBRIGENS

30.07.2009 - 08:30 Uhr | geändert: 18.07.2011 - 12:36 Uhr

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