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Kommentar

Kehrt in Richtung Mappus-CDU

Die Wahlkreis-CDU traf in der Nacht zum Freitag eine Richtungsentscheidung. Die Wahl des Baisingers Horst Schuh zum Landtagskandidaten stärkt den konservativen, auf traditionelle Werte bezogenen Flügel der CDU, zu dem auch Ministerpräsident Stefan Mappus gehört.

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Renate Angstmann-Koch

Horst Schuh verkörpert mit seinem Lebensstil, seinem Habitus und seinen Positionen nach eigenem Verständnis „mehr das klassische Spektrum“ der CDU. Lisa Federle, seine unterlegene Tübinger Konkurrentin, wollte dagegen „Brückenbauerin zwischen Tradition und Innovation“ sein, ein Zeichen des Aufbruchs zu einer moderneren, städtischeren CDU. Ihre Anhänger trauten der Newcomerin zu, am Wahltag Unterstützung weit über die konservative Stammwählerschaft hinaus zu mobilisieren. Und bezweifeln, dass dies dem Rechnungsprüfungsamts-Leiter Horst Schuh gelingen kann.

Tatsächlich nahm die politische Konkurrenz seine Nominierung gestern mit Genugtuung auf. Politiker von SPD und Grünen erwarten, es nun im Wahlkampf mit der Abgrenzung gegenüber der Regierungspartei leichter zu haben. Sie müssen nicht länger befürchten, am 27. März 2011 Teile ihrer universitätsstädtischen Klientel an die jugendlich und zupackend wirkende, überdies weithin bekannte Notärztin Lisa Federle zu verlieren. Gedankenspiele um Schwarz-Grün scheinen nun wie im Land auch im Wahlkreis völlig überflüssig zu sein.

Zum überwiegenden Teil folgte die Entscheidung im überfüllten Bühler Schloss-Saal dem alten Muster Stadt gegen Land, Tübingen gegen Rottenburg und das Steinlachtal. Allerdings nicht ausschließlich. Das zeigte die Kür der Tübinger Stadtverbandsvorsitzenden Sandra Ebinger als Zweitkandidatin. Vor fünf Jahren noch hatte die Versammlungsmehrheit einfach durchgewählt und mit Klaus Tappeser und Monika Bormann ein rein Rottenburgisches Gespann aufgestellt, statt mit der damaligen Tübingerin Ute Friesch als Zweitkandidatin ein Zeichen in Richtung Unistadt zu setzen.

Im Grund könnte die CDU nach ihrem Klärungsprozess nun zur Tagesordnung übergehen. Doch dazu wurde bei der schweißtreibenden Versammlung und in den Monaten zuvor zu viel Porzellan zerschlagen, mit zu harten Bandagen gekämpft und mit zu vielen Gerüchten operiert. In der überhitzten Atmosphäre des Abends war vielen Tübingern die Verärgerung deutlich anzumerken.

So wird sich der stellvertretende Stadtverbandsvorsitzende Arnold Oppermann wohl seinen Parteifreunden gegenüber erklären müssen, weil er zum zweiten Wahlgang erneut antrat und damit Federle empfindlich schwächte, obwohl er doch im ersten mit 37 von 322 Stimmen kaum über zehn Prozent hinausgekommen war. Mag auch manches anders aussehen, wenn der Pulverdampf erst einmal verzogen ist: Die Tübinger Kreis-CDU wird sich schwer tun, geschlossen in den Wahlkampf zu ziehen. Renate Angstmann-Koch

24.07.2010 - 08:30 Uhr | geändert: 24.07.2010 - 11:58 Uhr

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