Beim Bahnprojekt Stuttgart 21 und der neuen Schnellbahnstrecke nach Ulm droht nach einem neuen Gutachten eine Kostenexplosion. Das Münchner Ingenieurbüro Vieregg & Rößler schätzt die Ausgaben für das Gesamtprojekt auf 12 bis 18,7 Milliarden Euro.
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Stuttgart Die Grünen in Bundestag und Landtag, die die Studie in Auftrag gegeben hatten, forderten gestern einen sofortigen Ausstieg aus dem Projekt. "Der Bund muss die Reißleine ziehen", sagte Winfried Hermann (Grüne), Vorsitzender des Verkehrsausschusses im Bundestag.
Die Koalition aus CDU und FDP im Südwesten lehnte das ab und warf den Grünen Stimmungsmache sechs Monate vor der Landtagswahl vor. Auch Ulms Oberbürgermeister Ivo Gönner sprach dem Gutachten jegliche Legitimierung ab: "Glaubwürdig kann sich zur Kostenfrage nur eine Instanz äußern: die Bahn, denn die ist Bauherr."
Es ist das zweite Gutachten im Auftrag der Grünen, das das Münchner Ingenieurbüro erstellt hat. Dieses Mal für die Neubaustrecke der Bahn zwischen Stuttgart und Ulm. Im ungünstigsten Fall, heißt es darin, könnte die weitgehend untertunnelte Trasse angesichts der schwieriger Gesteinsformationen der schwäbischen Alb rund zehn Milliarden Euro und damit mehr als das Dreifache der von der Bahn berechneten 2,9 Milliarden kosten.
Es kommt unter anderem deshalb zu veränderten Zahlen, weil es dickere Tunnelwände vorsieht. Außerdem müssten Kostensteigerungen im Laufe der etwa zehn Jahre langen Bauarbeiten einberechnet werden, sagte der Betriebswirt Martin Vieregg. "Wir orientieren uns immer an schon fertiggestellten Projekten." Als Beispiel führten sie die neue Strecke zwischen Ingolstadt und Nürnberg an.
Der Grünen-Politiker Hermann kritisierte, die Bahn habe die Kosten schöngerechnet: "Im Privatleben würde man von Betrug sprechen." Die Bahn hatte erst vor kurzem die Ausgaben für die Strecke, die sich an das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 anschließt, um 865 Millionen Euro nach oben korrigiert. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) ließ zu dem neuen Gutachten erklären: "Nach den uns vorliegenden Zahlen ist das Projekt wirtschaftlich." Die Bahn erklärte gestern erneut, die Horrorzahlen des Gutachtens seien Stimmungsmache und entbehrten jeder sachlichen Grundlage.