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Im Angesicht des Todes

Frankfurter Schirn-Kunsthalle zeigt "Letzte Bilder"

Wie malt ein Künstler, wenn das Lebensende naht? Die Schirn-Kunsthalle zeigt anhand der Werke von 14 bedeutenden Künstlern, wie unterschiedlich diese auf den kommenden Tod reagiert haben.

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JENS BAYER-GRIMM, EPD

Frankfurt Berühmt sind beide Impressionisten, beide wählten Blumen als Motive, aber wie unterschiedlich sind ihre letzten Bilder: Während Claude Monet seine Seerosenbilder wandgroß werden ließ, malte Édouard Manet die Blumensträuße, die er ans Krankenbett gebracht bekam, in kleinen Formaten ganz konkret und genau ab.

"Es gibt keinen typischen Altersstil oder ein typisches Spätwerk", sagt die Kuratorin der Schirn-Kunsthalle in Frankfurt am Main, Esther Schlicht. "Künstler gehen ganz unterschiedlich mit ihrem nahenden Lebensende um." Dies macht die Ausstellung "Letzte Bilder. Von Manet bis Kippenberger" deutlich, die bis 2. Juni 100 Werke vom späten 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart präsentiert.

Für die Auswahl war für Schlicht ausschlaggebend, dass die Arbeiten herausragend sind und Antworten geben auf die Frage nach der Vollendung eines Lebenswerkes. Die Werke erhellen unterschiedliche Facetten eines Künstlers im Angesicht des Todes wie eine neu gewonnene Freiheit, Neuausrichtung, Rückbesinnung auf die eigenen Anfänge oder stoisches Beharren. In der Schau sind die Arbeiten von jeweils zwei Künstlern in einem Raum gegenübergestellt und sollen sich gegenseitig interpretieren.

Experimentierfreudigkeit in ihrem Alterswerk zeigen sowohl Henri Matisse als auch Willem de Kooning. Von Matisse zeigt die Schirn Bilder des Künstlerbuchs "Jazz", deren Collagetechnik er krankheitsbedingt erfand und die eine heitere Lebensfreude ausstrahlen. Auch die wandgroßen Gemälde des an Alzheimer erkrankten de Kooning mit ihren abstrakten Formen in vornehmlich roten und gelben Farben markieren einen heiteren Neubeginn.

Ganz anders die letzte Werkphase von Alexej von Jawlensky: Die als "Meditationen" bekannten, ikonenhaften und jahrelang variierten kleinformatigen Bilder wurden zum Lebensende immer dunkler. Ihnen gegenüber ist der letzte Film des US-amerikanischen Experimentalfilmers Stan Brakhage "Chinese Series" zu sehen, der von Krankheit gezeichnet, im Liegen mit den Fingernägeln zeichenhafte Formen in einen schwarzen Filmstreifen kratzte.

Anders verhält es sich mit Werken, die unerwartet zu den letzten wurden: Nachdem Andy Warhol den Bildzyklus "Das letzte Abendmahl" geschaffen hatte, starb er überraschend. So wurde das Bild zum künstlerischen Vermächtnis Warhols. Variation und Wiederholung waren ebenso die Themen von Giorgio de Chirico. Gegenüber Warhols Monumentalbild hängen Spätwerke von ihm, die mit ihren bunten, surrealistischen Motiven zeitgenössische Kunst mit Chiricos Frühwerk verbinden.

Das definitiv letzte Bild ist Gegenstand der Gegenüberstellung des US-amerikanischen Künstlers Ad Reinhardt und des niederländischen Konzeptkünstlers Bas Jan Ader. Reinhardt fand das letztgültige Künstlermotiv im schwarzen Quadrat, das er in den letzten sechs Schaffensjahren in menschengroßen Bildern ausschließlich und immer wieder malte.

Ader kehrte von seiner Arbeit unter dem Titel "Die Suche nach dem Wunderbaren" nie zurück. Sein erster Teil der Arbeit, kleine, schwarz-weiße Nachtaufnahmen aus Los Angeles und eine Installation aus 80 Dias und der Tonbandaufnahme einer Chorprobe, ist in der Schirn zu sehen. Als zweiten Teil nahm er sich eine Atlantiküberquerung in einem kleinen Einmann-Segelboot vor. Geborgen wurde Monate später nur das Wrack des Bootes, von dem Künstler fehlt jede Spur.

04.03.2013 - 08:30 Uhr

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