Lisa Federle wird für die CDU in den kommenden Landtagswahlkampf ziehen: Am Samstag stimmten in der Bodelshäuser Krebsbachhalle 183 Mitglieder für die Tübinger Notärztin. Auf ihren Kontrahenten Horst Schuh aus Baisingen entfielen 172 Stimmen.
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Lisa Federle
Bodelshausen."Wahnsinn, Wahnsinn, Wahnsinn!" - Lisa Federle konnte es zunächst kaum fassen. Im zweiten Anlauf hat sie es geschafft: Die Tübinger Notärztin ist CDU-Kandidatin für den Wahlkreis Tübingen. Sie kündigte an, für das Mandat zu kämpfen. Der unterlegen Horst Schuh wirkte tief enttäuscht: "Es ist eine Wahl, das muss man akzeptieren." Er wolle sich nun verstärkt in seinem Beruf (als Leiter des Staatlichen Rechnungsprüfungsamts Tübingen) und als Ortsvorsteher in Baisingen engagieren.
Von 356 stimmberechtigten CDU-Mitgliedern votierten 183 für die Quereinsteigerin, der offenbar zugetraut wird, den Wahlkreis 2011 bei sinkenden CDU-Umfragewerten für die Partei zu halten. Der im Juli zunächst nominerte Baisinger Ortsvorsteher Horst Schuh erhielt 172 Stimmen, eine Stimme war ungültig. Auch bei der Zweitkandidatin setzt die CDU auf Frauenpower: Gewählt wurde Christine Jerabek. Die 51-Jährige ist Oberstudienrätin in Rottenburg. Sie erhielt 113 von 233 abgegeben Stimmen, es gab drei Enthaltungen, sechs Stimmen waren ungültig.
Angespannte Stimmung in der Krebsbachhalle
Um 15 Uhr hatte die erneute Nominierungsversammlung der CDU in der Bodelshäuser Krebsbachhalle begonnen. Mit rund 500 Teilnehmern und Teilnehmerinnen war der Saal gut gefüllt. Neben den 356 stimmberechtigten CDU-Mitgliedern hatten sich zahlreiche Beobachter eingefunden. Die Stimmung war angespannt, die Organisatoren achteten penibel darauf, dass der Ablauf später nicht erneut Anlass zu Beschwerden gibt.
Wahnsinn, Wahnsinn, Wahnsinn!
Lisa Federle nach der Wahl
Lisa Federle hatte in ihrer Vorstellung besonders ihre Bürgernähe herausgestellt. Als Notärztin komme sie in viele Haushalte und traue sich zu, auch bei Nichtwählern oder der CDU skeptisch gegenüber stehenden Menschen Stimmen zu holen.
Horst Schuh betonte sein konservatives Profil: Der Hauptgegner im kommenden Wahlkampf seien die Grünen. Er bekannte sich zum Bahnprojekt Stuttgart 21. Für Verärgerung, aber auch Zustimmung im Saal sorgte Schuh, als er Federle, die der Partei noch nicht lange angehört, ein "angefreundetes Plagiat" nannte.
Horst SchuhArchivbild
Die erneute Nominierung wurde nötig, da eine Reihe von Mitgliedern Einspruch gegen Pannen bei einer ersten Landtagsnominierung am 22. Juli im Bühler Schloss-Saal erhoben hatten. Damals hatten Teilnehmer berichtet, dass wegen der Enge im Raum manche Mitglieder auf eine Teilnahme an der Nominierung verzichtet hätten. Außerdem soll es zu Unstimmigkeiten bei der Registrierung der Stimmberechtigten gekommen sein. 13 Mitglieder hatten bei der Kreisgeschäftsstelle Einspruch gegen die Wahl erhoben.
Damals gingen neben Lisa Federle und Horst Schuh noch Michael Rak (Unterjesingen), Andreas Braun (Wolfenhausen) und Arnold Oppermann (Tübingen) ins Rennen. Alle drei waren den beiden Kontrahenten jedoch deutlich an Stimmen unterlegen.
In der Stichwahl im dritten Wahlgang siegte im Juli der Baisinger Ortsvorsteher Horst Schuh, 52, mit 161 Stimmen vor der Tübinger Notärztin und DRK-Kreisvorsitzenden Lisa Federle, 48, mit 146 Stimmen. Beide stellten sich am Samstag in Bodelshausen erneut zur Wahl.
Ärger vor der erneuten Nominierung
Im Vorfeld der erneuten Nominierungsversammlung nun in der Krebsbachhalle hatte es in der Kreis-CDU Streit gegeben: Für Unmut hatte unter anderem gesorgt, dass bis zum heutigen Samstag de facto ein Aufnahmestopp für Neumitglieder verhängt worden war. Der Kreisvorstand hatte beschlossen, Mitgliedsanträge bis nach der Nominierung liegen zu lassen. Das stieß bei einigen Christdemokraten auf Unverständnis - schließlich strömen der Partei sonst die Mitglieder nicht gerade in Scharen zu.
Einen ausführlichen Bericht sowie einen Kommentar gibt es in der Montagsausgabe des SCHWÄBISCHEN TAGBLATTs.