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Villa Berg droht weiter zu verfallen

Bezirksbeirat Ost hofft weiterhin auf eine Nutzung des Areals durch die Kreativszene

Seit mehr als fünf Jahren wird um die Zukunft der Villa Berg diskutiert. Immer wieder unterbreiteten Investoren Ideen. Indessen droht das denkmalgeschützte Kleinod immer mehr zu verfallen.

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JAN-PHILIPP SCHÜTZE

Stuttgart An der eingezäunten Villa Berg nagt der Zahn der Zeit. Zum Schutz vor Vandalismus sind die Türen und Fenster im Erdgeschoss mit Sperrholzbrettern verriegelt, ringsherum sprießt das Unkraut. Seit Großinvestor Rudi Häussler mit seinem Traum von Luxuswohnungen scheiterte und seit sich der jetzige Eigentümer, die Property Development Investors GmbH aus Düsseldorf, am strikten Bebauungsplan des Areals die Zähne ausbeißt, sieht die Zukunft des denkmalgeschützten Gebäudes alles andere als rosig aus. Manch einer spricht beim trostlosen Anblick des einstigen Landhauses, das der württembergische Kronprinz Karl einst aus Liebe für seine russische Frau Olga errichten ließ, längst nur noch von einem "Trauerspiel".

Artikelbild: Bezirksbeirat Ost hofft weiterhin auf eine Nutzung des Areals durch die Kreativszene Das Ringen um die Zukunft der altehrwürdigen Villa Berg im Stuttgarter Osten wird immer mehr zu einer unendlichen Geschichte. Foto: Sebastian Steegmüller

Für Martin Körner, den Bezirksvorsteher von Stuttgart-Ost, ist das völlig unverständlich. Schließlich habe der Bezirksbeirat Ost schon längst ein fähiges Konzept ausgearbeitet, mit dem sowohl die Villa saniert als auch der umliegende Park renaturiert werden könnte. Den Bezirksbeiräten schwebt eine Nutzung des Areals durch die Kreativszene vor. 30 Institutionen hätten sich bereit erklärt, mitzuziehen. Auch einen konkreten Finanzierungsvorschlag habe man bereits ausgearbeitet. Doch so lange sich Investoren noch Hoffnung auf eine Umnutzung der benachbarten Sendestudios in Wohnungen machen könnten, so lange werde sich auch die Kreativnutzung nicht realisieren lassen. "Die Stadt und der Gemeinderat sind nun in der Verantwortung, dem wilden Herumspekulieren ein Ende zu bereiten", sagt Körner. Nötig sei es, endlich einen Beschluss zu fassen, der ganz klar deutlich mache, dass das Baurecht für das Areal nicht geändert wird. Anschließend, so Körner, könnte die Stadt die Villa dem jetzigen Inhaber abkaufen.

Bei der Stadt scheint der Weg in diese Richtung zu gehen. "Im Moment sieht es ganz nach einer Kreativnutzung aus", bestätigt Baubürgermeister Matthias Hahn. Die von der PDI favorisierte Nutzung der Villa als Varieté lasse sich aufgrund der räumlichen Enge im Inneren des Gebäudes seiner Meinung nach sowieso nicht realisieren, so Hahn. Die große Frage sei aber weiterhin, zu welchem Preis ein möglicher Rückkauf über die Bühne gehen könnte. Alarmiert vom Verfall der Villa zeigt sich indes auch die Fraktion der Freien Wähler im Gemeinderat. In einer aktuellen Anfrage an die Stadtverwaltung wollen die Stadträte unter anderem wissen, wie hoch die Kosten seien, die derzeit aufgebracht werden müssten, damit das Gebäude nicht weiter verfällt, und ob sichergestellt sei, dass keine Schäden durch Frost entstehen können. So weit so gut. Doch eine andere Frage stößt bei Baubürgermeister Hahn auf Unverständnis. Die Freien Wähler wollen nämlich darüber hinaus wissen, welche Ausnahmen vom Baurecht und vom Denkmalschutz sinnvollerweise möglich seien.

Doch gerade beim Thema Denkmalschutz will der Baubürgermeister keinerlei Kompromisse eingehen. Die Villa Berg müsse ganz klar weiter als Denkmal gewürdigt werden. "Hier darf es keine Ausnahmen geben", betont Hahn und fügt hinzu: "Wenn man nicht bereit ist, das Haus so zu nutzen wie es ist, dann sollte man sich einen anderen Standort suchen."

04.03.2013 - 08:30 Uhr

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