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Saskia Geisers Talheimer Hasenpension

All-Inclusive-Urlaub für Stallkaninchen

Alle Hasenhalter im Steinlachtal, die bisher ihren Tieren zu Liebe nicht in die Ferien fuhren, können ab sofort buchen. Saskia Geisers Hasenpension in Talheim bietet Rammlern und Häsinnen Einzelappartements (ohne Extra-Aufschlag) in ruhiger Lage, Vollpension mit freier Menüwahl und Spaziergänge in umzäunter Natur.

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Susanne Mutschler

Talheim. Die meisten von Saskia Geisers geräumigen Hasenferienwohnungen stehen im Augenblick leer. Die wenigen eigenen Hasen, die sie noch versorgt, könnten ein wenig Abwechslung durch Pensionsgäste gut gebrauchen. „Alleinstehende Hasen leben auf, wenn sie neue Artgenossen kennenlernen“, hat die 21-jährige Floristin beobachtet. „Man sieht richtig, wie sie sich freuen“.

Domizil für Langohren: Saskia Geiser vor den Appartements ihrer Hasenpension. Die 21-Jährige ... Domizil für Langohren: Saskia Geiser vor den Appartements ihrer Hasenpension. Die 21-Jährige versorgt Hasenhalter aus der Region mit dem angenehmen Gefühl, im eigenen Urlaub Meister Lampe in guten Händen zu wissen. Privatbild

Von der dreistöckigen Stallanlage aus haben die Hasen Aussicht ins beschneite Grüne. Die mit Stroh ausgepolsterten Einzelappartements in Erdgeschosslage sind für Single-Hasen gedacht. In den Doppelboxen kommen kastrierte oder gleichgeschlechtliche Paare unter. Rollos aus Jute halten die nächtliche Winterkälte ab. „Wärmegewohnte Stubenkaninchen würden es trotzdem nicht draußen aushalten“, wehrt Saskia Geiser mögliche Anfragen von Hasenbesitzern ab, die ihre Tiere im Haus halten.

Die junge Talheimerin, die 2011 am Mössinger Firstwaldgymnasium Abitur machte, sich aber dann ins Floristenhandwerk verliebte, achtet streng darauf, dass unter ihren Gasthasen keine Dates stattfinden. Das Außengehege, in dem sie nach Geschlechtern getrennt herumhoppeln dürfen, ist ausbruchsicher. Denn was passieren kann, wenn man sprichwörtlichen „Rammlern“ mehr als Schnupperkontakte am Maschendrahtgitter erlaubt, hat sie in ihrer Kindheit erlebt.

Ihre ersten Hasen, zwei aschgraue Chinchilla-Zwergkaninchen, bekamen Saskia und ihre Schwester Alina 1996 zu Ostern. Da war Saskia fünf Jahre alt. Jeden Freitag misteten die beiden gewissenhaft die Ställe aus. Sie führten ein „Hasenbuch“, in dem sie Ausgaben (Futter und Medikamente) und Eingänge (Spenden von Oma und Dote) genau registrierten. Auch alle Geburten, Todesfälle und das regelmäßige Krallenschneiden sind darin aufgeschrieben. „Das Hasen-Hobby zieht sich wie ein roter Faden durch mein ganzes Leben“, erklärt Saskia Geiser. „Die gehörten immer dazu.“

Einmal richteten die Mädchen sogar eine richtige Hasenhochzeit aus. Beim katholischen Pfarrer ließen sie mitgebrachtes Wasser weihen. Aus dem Blumenladen der Mutter erbettelten sie einen Blütenkranz, den sie um einen zur Hochzeitskutsche auserkorenen Schubkarren wanden. Die Hasenbraut trug einen Schleier. „Zum Hochzeits-Kaffeeklatsch kamen 30 Leute aus der Nachbarschaft“, erzählt Geiser. Damit es ihre Lieblinge gut haben sollten, bauten sie ein Freigehege mit Trenngittern, übersahen dabei aber die Tunnelbautalente ihrer Haustiere. „Innerhalb von vier Wochen haben wir von vier Hasenmüttern 24 Junge gekriegt“, erinnert sie sich an den Schrecken, den sie bekam, als plötzlich insgesamt 35 Hasen zu versorgen waren. Sie habe sich kaum getraut, ihren Eltern von der Bevölkerungsexplosion im Hasenstall zu erzählen.

Die unerwünschten Hasen in Braten zu verwandeln kam für sie trotzdem nicht in Frage. „Was einen Namen hat, kommt nicht auf den Tisch“, erklärt sie. Die neugeborenen Hasen wurden darum sofort getauft. Auch an Züchtung dachte sie nie. „Den Stress tue ich meinen Tieren nicht an“. Dass ihre eigenen Hasen durch viel frisches Grünfutter zu einer „Wamme“, einem haarigen Doppelkinn, neigen, hat sie noch nie gestört. „Die sind ja trotzdem gesund.“

Blieb also nur Verschenken oder auf das natürliche Ende der vielen Hasenleben zu warten. 2004 hatten die Geisers immer noch 25 Hasen. Inzwischen sind nur noch acht Boxen von eigenen Tieren bewohnt. Senior im Stall ist das Zwergkaninchen „Twinkle“ mit stattlichen zwölf Jahren. Weil Saskia Geiser es schade findet, dass die übrigen Ställe leer stehen, kam ihr die Idee einer Hasenpension.

Die ersten Hasengäste hatte Saskia Geiser in den Sommerferien. Auf einem Formular notierte sie die Daten und Vorlieben ihrer Schützlinge und ließ sich bestätigen, dass sie im Bedarfsfall einen Tierarzt zu Rate ziehen darf. „Sternchen mag Blattsalat und macht gern Männchen“, steht da etwa. Dreimal täglich steht eine abwechslungsreiche Mischung aus Grün- und Raufutter auf dem Speiseplan der Hasenküche. Jetzt im Winter achtet die Pensionswirtin darauf, dass die magenempfindlichen Tiere auch mal Warmes zu mümmeln kriegen. Gekochte Kartoffelschalen sind ein „Hochgenuss“ für Hasen, weiß sie. „Da stürzen die sich drauf.“

Info Hasenurlaubspension Saskia Geiser: Tel. 0 74 73 / 2 35 92

26.12.2012 - 21:30 Uhr

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