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Mössingen

Zwei Sammler, ein Wulle

Braumeister Ernst Imanuel Wulle, in Nehren geboren, begründete 1861 seine Brauerei, die mit ihrem Produkt und dem Werbespruch „Wir wollen Wulle“ rasch zu großem Erfolg gelangte. Beim „Wulle-Fest“ am Samstag in Nehren gestalten zwei Sammler im Bürgerhaus eine Ausstellung mit Devotionalien aus der Firmengeschichte.

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Jürgen Jonas
Artikelbild: Zwei Sammler, ein Wulle Das Leuchtschild ist eins der Glanzstücke aus Markus Idlers Sammlung

Braumeister Ernst Imanuel Wulle, in Nehren geboren, begründete 1861 seine Brauerei, die mit ihrem Produkt und dem Werbespruch „Wir wollen Wulle“ rasch zu großem Erfolg gelangte. Beim „Wulle-Fest“ am Samstag in Nehren gestalten zwei Sammler im Bürgerhaus eine Ausstellung mit Devotionalien aus der Firmengeschichte.

Artikelbild: Zwei Sammler, ein Wulle Markus Idler und Markus Wulle (von links): Auch sie wollen Wulle. Bilder: Jonas

Nehren / Waiblingen. Am frühen Samstagmorgen wird der Waiblinger Markus Idler sich nach Nehren aufmachen, um Vitrinen im Bürgerhaus mit Gegenständen aus seiner Wulle-Sammlung zu bestücken. Markus Wulle kommt aus Mössingen herüber, in sein Heimatdorf.

Er ist ein Nachfahre des Braumeisters, der 1832 in Nehren geboren wurde und, als wohlhabender Unternehmer, von Stuttgart aus die Gemeinde finanziell unterstützte. Wulle interessiert vor allem der familiengeschichtliche Aspekt. Auch er sammelt Bierdeckel, Gläser, Werbemittel aller Art, „aber nicht in dem Umfang wie Idler“, sagt er über den Kollegen.

Wirklich erklären kann man nicht, wie jemand mit solcher Leidenschaft zum Wulle-Sammler wird. Gut, Markus Idler hatte einen Uropa, der in der Brauerei gearbeitet hat. Ist das ein Grund, warum ihn die Manie befiel, als er neunzehn Jahre alt war?

Seither zieht der jetzt 39-Jährige los, wann immer er Zeit hat, zu Haushaltsauflösungen, Versteigerungen, Flohmärkten. Vieles läuft über Mund-zu-Mund-Propaganda, dann erhält er Anrufe von Menschen, die etwas anzubieten haben aus der schwäbischen Brauereigeschichte. Denn Idler sammelt nicht nur Wulle-Reliquien, sondern auch Stücke vom Plochinger Waldhorn Bräu, der Sulzbacher Adlerbrauerei Neff und dem Schorndorfer Löwen-Bräu, allesamt im 19. Jahrhundert begründet und Ende des 20. dichtgemacht. „Alles, was in schwäbischer Nachbarschaft angesiedelt ist“, sagt Idler, dazu kommen noch Brauereien aus Metzingen, Esslingen, Mutlangen.

Äußerlich ist es ein ganz normales Haus in Waiblingen / Beinstein. Im Kellergeschoss aber steht der Besucher staunend vor der Fülle an Sammelgegenständen. Hier betreibt Idler sein „Museums-Stüble rund ums schwäbische Bier“, öffentlich zugänglich. Man nimmt Platz an einem Wirtshaustisch, mit Wirtshausstühlen, umgeben von den Vitrinen und zahllosen Schildern. Das war früher mal der Hobbyraum der Familie, hier stand auch die Bügelmaschine von Mutter Marianne, die sich lachend zu einem „Wulle-Opfer“ erklärt.

Bierkutscher-Mütze ist vielleicht eine Rarität

Alles scheint vorhanden, was Wulle je an Werbemitteln einsetzte, Aschenbecher, wunderschöne Emailleschilder, teils ein wenig angeschlagen, aber trotzdem: „Ich sammle alles“, auch Schriftliches. Einen ganzen Stapel alter Geschäftsberichte hat er bei einem Antiquar in Zuffenhausen erstanden. Auch Druckplatten für Werbeanzeigen sind vorhanden, etwa mit der Aufschrift „Sehr zum Wulle!“ Eine Bierkutscher-Mütze mit Schirmchen und dem Wulle-Schriftzug, möglicherweise ein einzigartiges Stück.

Es hängen Firmenansichten aus, die das große Gelände zeigen, wo die Wulle-Brauerei und Gaststätte in Stuttgart untergebracht waren, dort, wo heute ein großes Hotel steht. Darunter wullig beschriftete Bierfässer aus Holz und Metall, mit zugehörigen Hämmern, uralte metallene Bierkästen, unglaublich schwer, vollbestückt mit Leergut, „leider!“ Die Leute, die solche Blechkisten transportierten, müssen kräftige Burschen gewesen sein. Vor allem Gläser und Krüge aller Art und Form, vom schmalen Pilsglas bis zum Stiefel. Ein Gläserflut.

Ein guter Fund ist

schöner als Weihnachten

Bierglastauschbörsen besucht Idler, in Bad Schussenried oder in Bad Rappenau. „Schnäppchen sind dort keine zu machen“, die Sammler, die sich dabei treffen, kennen sich viel zu gut aus. Findet er was, ist das „schöner als Weihnachten“. Und so freut er sich am meisten an der Galerie im Keller, wo das große runde beleuchtete Werbeschild strahlt, mit dem Firmenlogo, den aneinander gefügten Ws. Ehrenteller, Kalender, eine metallene Dose Malz-Extrakt-Bonbons aus der Wulleschen Abteilung Nahrungsmittel, Plakate mit dem „Wenn dieser Zecher noch mal käm' zur Welt, hätt' Wulle-Starkbier er bestellt“. Fotografien von einem Deutschen Turnfest der 30er in Stuttgart, als der Festzug an der Brauerei vorüberführte. Nach dem Krieg machten Wulle, Dinkelacker, Hofbräu und Schwabenbräu gemeinsam Werbung und meldeten, dass ihre Biere wieder in „Friedensqualität“ verfügbar seien.

Wulle steht bewundernd vor der Sammlung, selbst kann und will er soviel Zeit, Energie und Geld nicht investieren. Seine Frau, sagt Idler, hat ein „offenes Ohr“ für des Gatten Leidenschaft, aber sie geht der Sache nicht „mit Leib und Seele“ nach. Wie er. Wulle und Idler haben sich über die Internet-Bestellfirma Ebay kennengelernt, beide wollten das gleiche Objekt ersteigern. Am Samstag werden sie, die Schaustücke hütend, im Bürgerhaus den Besuchern des Festes mit ihren Kenntnissen zur Verfügung stehen.

Info

Am morgigen Freitag um 19.30 Uhr wird um halb acht abends an Wulles Geburtshaus in der Gartenstraße eine Gedenktafel enthüllt, Gäste hören Texte zu seinem Leben. Das Wulle-Fest beginnt am Samstag um Rathaus und Bürgerhaus herum mit Fahrradversteigerung und Flohmarkt ab 14 Uhr, um 16 Uhr ist Festbeginn.

29.07.2009 - 08:30 Uhr | geändert: 24.06.2011 - 15:52 Uhr

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