per eMail empfehlen


   

Den meisten trinken Finnen

Wissenswertes rund um den Kaffee in der Mössinger Rösterei

Rund 30 Kaffeeliebhaber lernten jüngst, wo die Früchte für ihr Frühstücksgetränk wachsen und wie aus den bleichen Kernen schwarze Bohnen werden. Im Auftrag der Tübinger Familienbildungsstätte führte Florian Kühnberger durch die Mössinger Kaffeerösterei.

Anzeige


Susanne Mutschler

Mössingen. Christa Gerhardt und Gertrud Vogt haben den verlockenden Duft von frisch gerösteten Kaffeebohnen in der Nase, seit Hans Nill 1982 seine Spezialitäten-Compagnie in der Mössinger Karl-Jaggy-Straße begann. Der Wind trug den feinen Geruch bis zu ihren Häusern „In der Breite“.

Hochland vom Fuße des Farrenbergs – Blick in die Mössinger Kaffeerösterei: Florian Kühnberger führt ... Hochland vom Fuße des Farrenbergs – Blick in die Mössinger Kaffeerösterei: Florian Kühnberger führt hier den Röstvorgang vor. Bild: Rippmann

Inzwischen ist die Kaffeerösterei in die Schlattwiesen umgezogen, und der Chef heißt nicht mehr Hans Nill, sondern Eberhard Stöckel. Nur „Probat“, wie die rüstige Röstmaschine aus dem Jahr 1953 heißt, ist noch ganz die Alte. Am Freitag konnten die beiden Mössingerinnen sie endlich aus der Nähe kennenlernen.

Die Trommel der Maschine wird unsichtbar ringsum von Gasflammen befeuert. Rührarme im Inneren sorgen „wie bei einer Betonmischmaschine“ dafür, dass die grünlichen Trockenbohnen während des Röstens ständig in Bewegung bleiben. „Ich röste nur nach Optik“, verriet Kühnberger. Laufend kontrollierte er den Grad der Bräunung, bis er nach etwa 20 Minuten perfekt tiefbraune Antigua-Bohnen aus Guatemala auf das Kühlsieb rieseln ließ.

„In Deutschland wird mehr Kaffee als Mineralwasser getrunken“, wusste der seit 17 Jahren in der Rösterei arbeitende Kühnberger. 6,4 Kilo ist der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch des Muntermachers. Italien stehe in Weltmaßstab „weit abgeschlagen“ an achter Stelle. Erstaunlicherweise wird der meiste Kaffee in Finnland verputzt. „Wahrscheinlich, weil es dort so früh dunkel wird“, vermutete der Mössinger Kaffeeexperte.

Mit einer Auswahl von 60 verschiedenen Kaffee- und 20 Espressosorten liege die Mössinger Rösterei an der Spitze Deutschland, erklärte er. Kaffee sei mit über 1000 flüchtigen Stoffen das aromareichste Lebensmittel. Für die Differenzierung des Geschmacks entscheiden – wie beim Wein – die Lage und Herkunft. Der Biokaffee aus Peru, den die Besucher probierten, bestach durch eine nussige Note, der Kuba-Kaffee enthielt typische Nuancen von Tabak.

50 der 70 Länder, die geografisch zum „Kaffeegürtel“ rund um die Erde gehören, sind Exporteure, wobei Kühnberger Vietnam als den Hauptlieferanten billiger Massenware bezeichnet. Hochwertige aromareiche Hochland-Sorten wachsen in milden Regionen mit über 800 Metern Höhe wie Brasilien und Kolumbien.

„Der Farrenberg eignet sich nicht“, scherzte Kühnberger. Herber schmeckender Kaffee aus dem Flachland wird für Espresso verwendet. Der Kaffeestrauch trägt ständig gleichzeitig Blüten, Knospen und reife Kirschen. Damit keine unreifen Früchte in die Ernte geraten, legt die Mössinger Rösterei Wert auf handgepflückte Kirschen. Nur die gewaschenen und getrockneten Kerne der Kirschen werden ins Steinlachtal geschickt. Ein stattlicher Vorrat prall gefüllter Jutesäcke mit exotischen Aufdrucken lagert in den Regalen der Rösterei.

Durch die „Probat“-Maschine gehen jährlich 50 Tonnen Kaffeebohnen, zehn Prozent davon stammen aus biologischem Anbau. Verglichen mit den internationalen Kaffeegiganten, die täglich bis zu 60 Tonnen abfüllen, erschien den Besuchern die Menge im Mössinger Betrieb fast wieder überschaubar.

Partnerschafts-Projekt in Guatemala
Eberhard Stöckel berichtete vom Projekt des „Partnerschaftskaffees“. Der Kontakt mit der Kooperative Las Granadillas in Guatemala, der über den ehemaligen Schramberger Pfarrer Michael Hauser zustande kam, „muss immer wieder erneuert werden“, denn die Kleinbauern der Kooperative seien ständig dem Druck der Großgrundbesitzer ausgesetzt.
Stöckel wusste, dass die Kaffeepflanzen biologisch angebaut werden, doch für eine Zertifizierung fehle das Geld. Bis Ende März wird eine Tonne frisch geernteter und bereits vorfinanzierter Kaffeebohnen von Las Granadillas erwartet. „Das Geld ging direkt an die Kaffeebauern“, erklärte Stöckel, wie fairer Handel funktioniert.
Von vielen evangelischen Kirchengemeinden liegen ihm schon Bestellungen für den „ausgewogenen Arabica-Kaffee“ vor. „Wir hätten gerne mehr davon“, plant er.


23.01.2013 - 08:30 Uhr

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

Anzeige

(c) Alle Artikel, Bilder und sonstigen Inhalte der Website www.tagblatt.de sind urheberrechtlich geschützt. Eine Weiterverbreitung ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verlags Schwäbisches Tagblatt gestattet.

Bildergalerien und Videos

Überschwemmungen nach heftigen Regenfällen im Kreis Tübingen

150 Jahre Feuerwehr Ofterdingen

Jazz & Klassik in Rottenburg

Rock of Ages 2014

Afrikafest in Tübingen

700 Jahre Bürgerwache Rottenburg

Dorfstraßenfest Kirchentellinsfurt

10. Tübinger Rosenfest

Der zehnte 24-Stundenlauf von Dettenhausen

Drei Tage umsonst und draußen: Das achte KuRT-Festival hat eröffnet

Grillen wie ein Profi

Tübingen fiebert mit der National-Elf im Finale

So feierten Tübingen und Reutlingen den WM-Titel

Hoch zu Ross: Die Stadtgarde feierte

Tübinger Fußballfans nach dem 7:1 im WM-Halbfinale Deutschland gegen Brasilien

Busfahrer-Warnstreik am 8. Juli 2014 im Tübinger Stadtverkehr

Busfahrer-Streik im Tübinger Stadtverkehr

Fest im Französischen Viertel

Anzeige


Nachrichten aus ...
ReutlingenWannweilPliezhausenWalddorfh�slachAmmerbuchT�bingenDettenhausenKirchentellinsfurtKusterdingenGomaringenDusslingenOfterdingenMössingenNehrenBodelshausenHirrlingenNeustettenRottenburgStarzachHorb
Anzeige


Die Woche im Rückklick
Wie dieser umgestürzte Pflaumenbaum auf dem Steinenberg gingen in den letzten Tagen viele Obstbäume ...

Wissen, was war

Die Woche vom 19. bis 25. Juli: Brutaler Angriff auf dem Holzmarkt, übervolle Obstbäume und Busfahrer im Streik

Aktive Singles auf
date-click
Anzeige


Zeitzeugnisse

Ein Haus mit schönen Töchtern

Die Neckarhalde galt als „reizvolle Lage mit schönen Gärten bis an den Fluß“. So beschrieb das SCHWÄBISCHE TAGBLATT in seiner Rubrik „Die Straße der Berühmtheiten“ die Neckarhalde in der Ausgabe vom 1. August 1947. Namentlich erwähnt wurde darin auch das Gebäude in der Neckarhalde 32, das andere Eigentümer hatte, bevor es 1931 in den Besitz der evangelischen Kirchengemeinde überging.

Anzeige


Ihr Kontakt zur Redaktion