Seit fast einem halben Jahr leitet Michael Bulander mittlerweile die Geschicke der Blumenstadt. Wie macht sich der ehemalige Stuttgarter Innenministeriums-Mitarbeiter als Mössinger Oberbürgermeister? Das TAGBLATT ist auf Stimmenfang gegangen.
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Amancay Kappeller
Mössingen. Viele haben Michael Bulander gewählt – wirklich zu Gesicht bekommen haben ihn bisher aber eher wenige Mössinger Bürger, so scheint es. Seit Oktober ist der Diplom-Verwaltungswissenschaftler im Amt, den einen oder anderen öffentlichen Auftritt hat der 39-Jährige in der Zwischenzeit bereits absolviert. Besonders präsent ist er „in echt“ aber wohl noch nicht – dafür in der Presse umso mehr, findet eine 64-jährige Rentnerin aus Mössingen. Was sie da so liest, gefällt der Hausfrau und zweifachen Mutter im Großen und Ganzen: „Er macht eine gute Figur. Und er hat drei Kinder, ist also bestimmt kinderfreundlich.“
Auch ein älteres Ehepaar aus Mössingen hat von Bulander bisher „nichts live mitbekommen“. Die Zeit werde zeigen, ob er sich bewähren könne. Willy Mezger kennt den Bürgermeister ebenfalls noch nicht persönlich; der Pensionär denkt aber, „dass er es gut macht.“ Eine 33-jährige Mutter aus Bästenhardt ist derzeit nicht besonders gut auf den OB zu sprechen – die drastisch erhöhten Kita-Gebühren für unter Dreijährige liegen ihr noch schwer im Magen. Sie wisse natürlich, dass nicht Bulander diese zu verantworten habe: „Aber irgendwie verknüpfe ich das jetzt immer mit seiner Person.“ Die damalige städtische Informationsveranstaltung zum Thema Kindergartengebühren hat die 33-Jährige besucht: „Bulander hat da arg in die Ecke gedrängt gewirkt“, findet sie. Gut sei aber, „dass der OB Wort gehalten und eine Übergangslösung geschaffen hat“ – die Gebühren für unter Dreijährige werden bis Ende August um 25 Prozent reduziert, das wurde unlängst entschieden.
Die Mössinger nehmen keinen Bürgermeister aus der Nachbarschaft - das haben sie bei der Wahl Michael Bulanders zum zweiten Mal gezeigt.
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Ein 25-jähriger Mössinger hat im Juli vergangenen Jahres eigentlich für Bulanders „Gegner“ Thomas Hölsch gestimmt; mittlerweile ist der Student mit dem Ausgang der Bürgermeisterwahl aber „schon ausgesöhnt“. An Bulander gefällt ihm, dass dieser „auf den Punkt redet und kein Schwafler ist“. Er hofft, dass der OB hart daran arbeitet, einige seiner Wahlversprechen auch wirklich in die Tat umzusetzen, etwa den Ausbau der B 27 zwischen Bodelshausen und Nehren, für den er sich einsetzen will. Sympathisch findet der Student, dass Bulander dafür „sogar eine Sitzblockade mitmachen würde“, wie beim TAGBLATT-Podium im Juni geäußert. Da hat der 25-Jährige Bulander das erste Mal zu Gesicht bekommen.
Ruth Härle ist bekennende Bulander-Wählerin. Sie ist überzeugt davon, dass der gebürtige Saulgauer, der in Stuttgart im Innenministerium gearbeitet hat, bevor er den Job als Mössinger Rathauschef antrat, „es gut machen wird in Zukunft“. Ein Unternehmer aus einem Mössinger Teilort übt aber auch Kritik an dem Oberschwaben: Vollmundig versprochen habe der 39-Jährige, sich mehr um die örtlichen Betriebe zu kümmern, diese auch zu besichtigen. „Passiert ist bisher nichts.“ In der Kürze der Zeit sei es aber wahrscheinlich schwierig gewesen, „da schon was auf die Beine zu stellen“, beschwichtigt der Firmeninhaber dann doch wieder. „Bisher: Daumen ganz klar nach oben!“ urteilt eine 44-jährige Belsenerin über Bulander als Bürgermeister. Die kaufmännische Angestellte findet es toll, dass sich der 39-Jährige auf die Fahnen geschrieben hat, mehr auf die Bürger zuzugehen. Diese Erfahrung hat sie selbst schon gemacht. „Mit ihm kann man ganz normal reden, das ist kein Kauz.“