Werner Fifka überrascht mit seinem Schritt die Bürger und die Dienstaufsichtsbehörde
Der Mössinger OB Werner Fifka gibt sein Amt auf, sein Rottenburger Kollege Stephan Neher hat das Wahlanfechtungsverfahren glücklich überstanden.
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RAIMUND WEIBLE
OB Werner Fifka verabschiedet sich vom Mössinger Rathaus.
Mössingen Werner Fifka ist immer mal für Überraschungen gut. Letztes Jahr hat der Oberbürgermeister der Stadt Mössingen (Kreis Tübingen) ohne Vorwarnung mitgeteilt, er werde trotz seiner SPD-Zugehörigkeit auf der Liste der Freien Wähler für den Kreistag kandidieren. Einem Ausschlussverfahren der SPD kam er durch Parteiaustritt zuvor. Niemand hat auch Fifkas neuesten Schritt vorausgeahnt. Zu später Stunde eröffnete er seinem Gemeinderat, er werde sein Amt Ende September 2010 aufgeben. Der 52-jährige OB begründete den Entschluss mit seinem Gesundheitszustand: Der sei "nicht so gut und stabil", "wie ich mir das für meine Amtsführung wünschen würde".
Äußere Gründe, wie etwa bei dem Rücktritt des Metzinger OB Dieter Hauswirth im Dezember 2008 wegen des verlorenen Bürgerentscheids um die Boss-Großlagerhalle, fehlen bei Fifka. Er gilt als erfolgreicher Kommunalpolitiker. Seit seinem Amtsantritt 1998 hat sich in Mössingen einiges bewegt. Fifka machte die Gemeinde am Fuße des Farrenbergs zur Blumen- und Museumsstadt mit erheblichem Zuwachs: Zum 1. Januar 2009 wurde sie zur Großen Kreisstadt erhoben, Fifka avancierte vom Bürgermeister zum Oberbürgermeister.
Auch der Tübinger Regierungspräsident Hermann Strampfer, Fifkas Dienstvorgesetzter, wurde von der Rücktrittsankündigung überrascht. Ein Schreiben des OB mit einem Antrag auf Entlassung lag dem Regierungspräsidium gestern aber noch nicht vor. Prinzipiell hat Fifka einen Rechtsanspruch auf die Entlassung als Wahlbeamter. Er darf nach seinem Ausscheiden auch mit einem sofortigen Ruhegehalt rechnen. Fifka sieht im September 2010 auf 22 Bürgermeisterjahre zurück. Vor seiner Wahl in Mössingen war der Jugend- und Heimerzieher mit Diplom als Verwaltungswirt von 1988 bis 1998 Rathauschef in Creglingen (Main-Tauber-Kreis). Fifkas Nachfolger in Mössinger wird voraussichtlich im Juli 2010 gewählt.
In Rottenburg darf sich Amtskollege Stephan Neher (CDU) bald die Amtskette überstreifen - nach 20 Monaten Warten. Das ist die Folge einer Entscheidung des Verwaltungsgerichtshof Mannheim. Das Gericht wies die Berufung einer Bürgerinitiative im Wahlanfechtungsverfahren gegen Neher ab. Sie hatte Neher vorgeworfen, die Wähler durch eine falsche Berufsangabe getäuscht zu haben. Weder das Regierungspräsidium noch das Verwaltungsgericht Sigmaringen hatten die Rechtsauffassung der Initiative geteilt. "Unser Standpunkt hat sich durchgesetzt", sagte ein Sprecher der Tübinger Aufsichtsbehörde.