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Schritt für Schritt vorangehen

Was Thomas Hölsch als OB in Mössingen anpacken will

Die große Foto-Tapete im Hintergrund findet er ganz passend: „Ich habe mich extra vor die Rose gesetzt“, lacht Thomas Hölsch, 47, der OB in der Blumenstadt werden will. Bei einem Pressegespräch erzählte er gestern, was ihn dazu bewog. Und was er hier bewegen will.

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Ernst Bauer

Mössingen. Schon um halb acht gestern Morgen hat er seine Bewerbung auf dem Mössinger Rathaus abgegeben. Eine Frühaufsteher. In Dußlingen „ist bekannt, dass ich um 7 Uhr auf dem Rathaus bin“. Doch jetzt hat sich Thomas Hölsch erst einmal Urlaub genommen – für dem Wahlkampf in der Großen Kreisstadt. „Es ist mein Jahresurlaub, der alte.“ Die Aussicht, in unmittelbarer Nachbarschaft noch einmal ein Treppchen höher fallen zu können, war doch zu verlockend. Eine für Hölsch einmalige Chance, dass hier, in unmittelbarer Nachbarschaft, ein OB-Posten frei wird.

OB-Kandidat Thomas Hölsch, 47, bei seinem Pressegespräch gestern im „Café Padeffke“.  Bild: ... OB-Kandidat Thomas Hölsch, 47, bei seinem Pressegespräch gestern im „Café Padeffke“. Bild: Rippmann

Frau und Tochter, die in die 12. Klasse aufs Karl-von-Frisch-Gymnasium geht, wollten auch nicht mehr unbedingt weiter wegziehen. „Die Familie steht zu der Entscheidung. Es ist einfach ein berufliches Fortkommen, eine neue Herausforderung für mich“, so beschreibt der erfahrene Verwaltungsmann, der 1988 als Kämmerer in Dußlingen begann, seine Beweggründe für die OB-Kandidatur in Mössingen. „Es ist wichtig, dass wir in der Region bleiben. Ich bin jetzt 47 – und möchte nochmal zwei Perioden in einer größeren Stadt tätig sein. Die Chance bietet sich jetzt, deshalb möchte ich zugreifen.“ Er würde also, wenn er es schafft, mit 63 Jahren dann als Mössinger OB in Pension gehen wollen.

Und wer führt in den nächsten vier Wochen die Amtsgeschäfte auf dem Dußlinger Rathaus? „Alles organisiert! Ich hab‘ drei Stellvertreter, mit denen spreche ich am Montag durch, was ansteht in der Woche.“ Hölsch ist trotz seines Mammutprogramms, das er sich hier vorgenommen hat – an die 15 Frühschoppen-, Bürgergespräche und Stadtteilspaziergänge in Mössingen bis zur OB-Wahl am 4. Juli –, nicht aus der Welt in Dußlingen. Und ein bisschen stolz ist er darauf, dass er alles solo, ohne Partei oder Wahlkampf-Trupp im Rücken, anpackt: „Ich mach‘ meinen Wahlkampf alleine, dergestalt, dass ich alles selber regle; einschließlich Prospekt. Eine Homepage mache ich bewusst nicht. Ich möchte vor Ort sein, mit den Bürgern reden – authentisch bleiben“, erklärt er zugleich sein Selbstverständnis von (Kommunal-)Politik.

B 27: Da muss man Dampf machen

„Einfach mit den Leuten ins Gespräch kommen“ will Hölsch zunächst einmal auch, wenn er als OB gewählt würde. „Ich will den Bürgern gleich das Gefühl vermitteln: Ich wäre ein Oberbürgermeister, der ein offenes Ohr hat.“ Dazu fällt ihm gleich ein schlauer Satz ein, der Walter Jens zugeschrieben wird: „Früher zählte in der Politik das Erreichte, heute reicht das Erzählte.“ – „Mir geht es immer noch darum, was zu erreichen, und auch daran gemessen zu werden, was man umgesetzt hat oder nicht.“ In Dußlingen, sagt Hölsch selbstbewusst, „kann man das greifen“, was in den letzten 15 Jahren zusammen mit dem Gemeinderat umgesetzt wurde.

Und in Mössingen wäre es ihm erst einmal wichtig zu vermitteln: „Auch in den Zeiten, wo es weniger Geld gibt“, könne noch etwas bewegt werden. Beispiel B 27 (neu): „Bei uns ist es schon in trockenen Tüchern, in Mössingen steht es an. Ganz klar: Da muss man Dampf machen!“ Dußlingen werde 2013 fertig sein, bis dahin müsse die Trasse hier planfestgestellt sein.

Wie will Hölsch mit den vielen Baustellen, den Gewerbebrachen in Mössingen vorankommen? Da verweist er gerne auf sein großes Dußlinger Sanierungsgebiet Bahnhofstraße, aus dem ein neues Zentrum erwuchs: „Sie können nicht alles auf einmal machen. Ich bin immer dafür, schrittweise voranzugehen.“ In Dußlingen habe man auch zwei Amtsperioden dafür gebraucht.

Was sind seine Visionen für Mössingen? Wie sollte die Große Kreisstadt in 10, 15 Jahren dastehen? Da setzt er zunächst einmal auf die anstehende Fortschreibung des Stadtentwicklungsplans. Doch: „Ich möcht‘, dass Mössingen die Steinlach-Wiesaz-Metropole wird.“ Das Gewicht der Großen Kreisstadt gegenüber Tübingen und Rottenburg sollte nach seiner Ansicht durchaus noch wachsen. Mössingen sei ja eh schon auf dem Weg vom Unterzentrum zum Mittelzentrum, habe hier einen Nahbereich von fast 50 000 Einwohnern. „Ich würde mir auch zutrauen, mit den umliegenden Gemeinden stärker zusammenzuarbeiten.“

Bürgerbüro auch über Mittag öffnen

Das bürgerschaftliche Engagement sieht er als „großes Potenzial“, die schöne Lage der Stadt als wichtigen Standortfaktor. „Wachstum allein ist ja nicht alles.“ Auch mit Kleinigkeiten könne man etwas verbessern, „ohne dass es gleich mehr kostet“. Beispiel Bürgerbüro: Das habe noch keine durchgängigen Öffnungszeiten. Das Rathaus als modernen Dienstleistungsbetrieb könne man sicher noch weiterentwickeln. „Man muss Dinge moderieren, anstoßen und die Leute auch mitnehmen“ – so versteht Hölsch seinen Job als Rathauschef. Den Fraktionen in Mössingen hat er bei den Vorstellungsgesprächen gesagt: „Mir ist lieber, Sie bremsen mich mal ein, als dass Sie mich zum Jagen tragen müssen.“

Lebenslauf von Thomas Hölsch

1963 in Altoberndorf, Kreis Rottweil, geboren und aufgewachsen, 1982 Abitur in Oberndorf; 1982 bis 84 Wehrdienst als Reserveoffizier des Panzerbataillons 553, derzeitiger Dienstgrad: Oberleutnant der Reserve; 1984 bis 86 praktische Ausbildung für den gehobenen Verwaltungsdienst in Epfendorf und Rottweil, 1986 bis 88 Diplom-Studium an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Kehl, Prädikatsexamen; 1988 erste Stelle als Kämmerer der Gemeinde Dußlingen, 1993 Kämmerer der Stadt Rosenfeld, Zollernalbkreis, seit 1995 Bürgermeister in Dußlingen.

Hölsch ist verheiratet seit 1989 mit Andrea, geb. Maier; sie haben eine Tochter, Adrienne, 18. Er bekleidet zahlreiche Ehrenämter, vom Abwasserverband bis zum Krankenpflegeverein Dußlingen, zumeist als Vorsitzender, ist auch Kreisrat der FWV, parteilos, und Aufsichtsrat bei der Kreisbau, im Regionalverband und Gemeindetag aktiv.

05.06.2010 - 08:30 Uhr | geändert: 06.06.2010 - 10:27 Uhr

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