Was OB-Kandidat Stollberg mit seiner Bewerbung bezweckt
Er hat sich als Erster für den OB-Posten in Mössingen beworben, ist in der Steinlachstadt jedoch völlig unbekannt und bisher auch nicht öffentlich aufgetreten: Andreas Stollberg, Trainer und Ethikberater mit Wohnsitz in Horb. Das TAGBLATT hat ihm zu seiner Kandidatur einige Fragen gestellt.
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Ernst Bauer
TAGBLATT: Wo sind Sie geboren und aufgewachsen? Waren Sie überhaupt schon jemals hier?
Stollberg: Da ich in Tübingen geboren und aufgewachsen bin, kenne ich das nahe liegende Mössingen natürlich gut und hatte auch in Mössingen ein paar Bekannte.
Ein Konzept entwickeln, das über die „Vision Blumenstadt“ hinausgeht: Andreas Stollberg, 38. Privatbild
Was halten Sie von der „Blumenstadt“?
Ich würde als vielseitiger, frei und kreativ denkender Mensch zusammen mit den vielen Visionären unter den Bürgern Mössingens meine erste Idee zu einem Konzept und einer Marke entwickeln. Zu einem Konzept, das Umwelt, Soziales und Wirtschaft berücksichtigt und jeweils über die Vision „Blumenstadt“ deutlich hinaus geht.
Was bezwecken Sie mit Ihrer Kandidatur in Mössingen? Was wollen Sie in Mössingen kommunalpolitisch erreichen?
Ich mache den Bürgern Mössingens das politische Angebot, das Konzept „mehr Machtfairteilung“ nach den Wünschen der Bürger Mössingens gemeinsam mit diesen umzusetzen. Ich nehme an der Wahl in Mössingen teil, weil es sonst keiner den Bürgern anbietet.
Was ist „Fairteilung“, was für eine Philosophie steckt dahinter?
Machtfairteilung ist einerseits eine Philosophie, da es eine bessere Zukunft beschreibt. Und andererseits gehört es in die Politik, da es zu große Machtlosigkeit der normalen Bürger beseitigt. Mehr Machtfairteilung bedeutet nicht nur fairere Verteilung von Machtmitteln wie Informationen, Geld und Einfluss auf die Politik, sondern entsprechend dem Ansatz Menschenrechte auch fairere Verteilung von Freiheiten und Lebensqualität. Für alle Lebewesen bedeutet es Lebensraumfairteilung. Etwas ausführlicher habe ich das Konzept im ausgeteilten Flyer beschrieben.
Biete mein Programm parteilos an
Was verbindet Sie mit der Linken? Wie kam es, dass Sie in Rottenburg bei den Kommunalwahlen kandidierten?
In einer schlechten Demokratie denken zu viele nur an ihren Profit, über die Politik zu Umwelt und Soziales spricht man nicht oder nur dann, wenn die da oben machen was sie wollen. In einer besseren Demokratie erforscht jeder gute Staatsbürger das politische Angebot, die Parteien. Besonders die für Umwelt und Soziales zuständigen jungen Parteien.
Und er entwickelt dann das politische Angebot weiter, anstatt wie vor allem bei den alten Parteien üblich sich der von Parteibossen gewünschten Parteidisziplin und damit deren Parteilinie zu unterwerfen. Zum Beispiel entwickelt er nach Befreiung von den großen Medien das in meinem Flyer in Kurzform dargestellte Konzept „mehr Machtfairteilung“. Solange mein Konzept zwischen den Wahlprogrammen der aktuellen Parteien steht, biete ich es parteilos an. So ist auch meine Teilnahme an der Rottenburger Kommunalwahl zu verstehen, zu der ich mein Konzept als eigenes Wahlprogramm verteilt habe.
Wollen Sie im Wahlkampf überhaupt in Mössingen auftreten?
Das Sammeln von Unterstützungsunterschriften zur Qualifizierung für die Wahl war mein erster Auftritt im Wahlkampf. Ich möchte mich nochmals für die informativen Gespräche mit sympathischen Bürgern bedanken. Und auch für die per Email angebotenen Unterstützungsunterschriften. Wie bei diesen Gesprächen und den bisherigen Emails an meine Website beantworte ich grundsätzlich gerne die Fragen der Bürger.
Wahlkampf ist Teil des Informationskriegs. Der Adel (Geldadel, Informationsadel und Politikadel) hat kein Interesse an Meinungsvielfalt in den großen Medien, sondern an Meinungseinfalt. Polit-Talks im Fernsehen werden deshalb so gestaltet, dass Moderator, alle anderen Kandidaten und die Mehrheit der Zuschauer die große Macht des Adels befürworten oder zumindest schön reden. Um den Anschein einer Diskussion mit Meinungsvielfalt zu verbessern, wird eventuell auch ein eher gemäßigter Gesellschaftskritiker eingeladen.
Die Lieblosen als Mehrheit lassen jedoch den einzigen gesellschaftskritischen Kandidaten kaum ausreden. Insgesamt wird erreicht, dass bei unkritischen Zuschauern nur die fast gleiche Meinung der Mehrheit der lieblosen Kandidaten als „gute“ Meinung bewertet wird und hängen bleibt, während die Meinung des Gesellschaftskritikers als schlechte Meinung bewertet wird. Kritische Zuschauer gibt es wenige, da sich diese solche Scheindiskussionen gar nicht erst anschauen und in von Vereinen betriebene Internet-Foren wechseln.
Mit diesem Beispiel für eine Methode im Informationskrieg deute ich an, unter welchen für mich nicht nachteiligen Bedingungen ich bei den Veranstaltungen von Stadt, IHK und Presse auftreten würde.
Wie ist Ihr beruflicher Werdegang? Was machen Sie derzeit beruflich?
In 2001 habe ich ein sozialwissenschaftliches Hochschulstudium abgeschlossen, was ich mir auch mit einer Tätigkeit als CAD-Anwender finanzierte, und war anschließend als Trainer im Bereich Naturwissenschaften tätig. Trainer unterscheiden sich übrigens dadurch von Lehrern, dass der Kunde König ist, nicht umgekehrt.
Zirka 2003 begann ich nebenher autodidaktisch mit einem BWL-Studium. Seit 2004 erstelle ich Internet-Werbung für die Tourismusbranche Mitteleuropas.
Parallel dazu war ich zum Beispiel im Obdachlosenwohnheim sozialpädagogisch und bin im Internet sozialpolitisch tätig. In Zukunft werde ich nebenher Sachbuchautor sein, denn ich schreibe jetzt schon an einem Aufklärungsbuch zum Thema Analyse von Machtmethoden und Machtverteilung. Es ist aufgrund der Geheimhaltung der Machthaber zu diesem Thema noch viel Aufklärung notwendig. Angedacht habe ich ein zweites Buch zum Thema „Wege und Vision – mehr Machtfairteilung“.
Haben Sie Familie, Frau und Kinder?
Meine Lebensgefährtin ist Erzieherin und hat zwei Kinder. Ihr Hobby ist der Tierschutz.
TAGBLATT-Podium zur OB-Wahl am 16. Juni
OB-Wahl ist in Mössingen am 4. Juli. Das TAGBLATT veranstaltet dazu am Mittwoch, 16. Juni, um 20 Uhr ein Podium in der Quenstedt-Aula. Alle Bürger sind eingeladen.
Nur drei Kandidaten haben sich um die Fifka-Nachfolge beworben, neben Andreas Stollberg (siehe Interview) der Stuttgarter Regierungsdirektor Michael Bulander, 38, und Dußlingens Bürgermeister Thomas Hölsch, 47.
Stollberg wollte kein Redaktionsgespräch, sondern nur schriftlich Fragen beantworten.