Es war die erste Wahlkampfveranstaltung und seine allererste überhaupt: OB-Kandidat Michael Bulander, 38, stellte sich am Mittwochabend zum Auftakt einer ganzen Reihe von Gesprächen mit Bürgern in Talheim vor.
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Ernst Bauer
Talheim. Immer noch mehr Leute quetschten sich ins kleine Nebenzimmer des Sportheims – am Ende waren es an die 100, die den Kandidaten, der lange als der „große Unbekannte“ galt, ordentlich mit Fragen löcherten. Einige Erheiterung löste der langjährige Ortschaftsrat und Albvereinsvorsitzende Richard Stich mit seiner mehr rhetorisch gemeinten Frage zu der spärlichen OB-Bewerberschar aus – gerade mal drei Kandidaten stellen sich in Mössingen am 4. Juli zur Wahl: „Ob da irgendwo ein fauler Hund vergraben ist?“
Sein allererster Auftritt als OB-Kandidat: Michael Bulander (links) im proppenvollen Sportheim in Talheim. Bild: Franke
„Ich finde den faulen Hund nicht“, antwortete Bulander launig. „Den muss man genauso suchen wie die Mitte!“ Er halte Mössingen für eine Stadt mit großem Potenzial, fühle sich mit seiner Familie hier sehr wohl – aber: „Man muss sicher die Ärmel hochkrempeln.“ Einer der Bürger hatte ihm die im Wahlprospekt aufgeworfene Frage nach der Mitte von Mössingen, dem fehlenden Zentrum der Steinlachstadt, am Rande schon selbstbewusst aus örtlicher Sicht beantwortet: „Wir wissen, wo die Mitte ist – die ist in Talheim!“ Oberschwabe Bulander sah sich an sein heimatliches Herbertingen erinnert: Talheim sei ein nettes, kleines, lebendiges Dorf, sagte er – mit Eigenarten wie seine Heimatgemeinde. „Hier herrscht gutes bürgerschaftliches Engagement.“ Hier sei die Welt noch in Ordnung.
Später bekannte er sich auch klar zur Ortsverfassung, zu Ortschaftsrat und Ortsverwaltung und der eigenen Schule. Nur so könne die Lebendigkeit dieses Teilortes aufrecht erhalten werden.
Dass die Vereine fürs Dorfgemeinschaftshaus und weitere städtische Einrichtungen – wie in anderen Kommunen – irgendwann mal Miete zahlen sollten, dafür sah Bulander „momentan eigentlich keinen Handlungsbedarf“. Er könne aber natürlich nicht die Hand dafür ins Feuer legen, wie das künftig sein werde, wenn die kommunalen Finanzen noch knapper werden.
Peter Rilling, CDU-Stadtrat, Unternehmer und TSV-Vorsitzender, hatte diese „interessante Frage“, so Bulander, in den Raum gestellt – und der parteilose Regierungsdirektor aus dem Stuttgarter Innenministerium hatte gleich gemerkt: „Da kann ich mir ganz gewaltig die Zunge verbrennen.“ Er absolvierte seinen ersten Auftritt durchaus redegewandt, unterstrich seine große Erfahrung als Verwaltungsmann auf vielen Ebenen. Er pflege einen teamorientierten Führungsstil. Und wenn das stimme, was man über das offenbar nicht besonders gute Klima im Rathaus höre, „sollte dringend was geändert werden“.
Benutzt er seine Kandidatur nur als Sprungbrett? Ein eindeutiges Nein auf die Frage von FWV-Stadtrat Elmar Scherer. Bulander: „Wenn ich am 4. Juli gewählt werde, ist mein nächstes Ziel die Wiederwahl im Sommer 2016.“ Er stehe nicht nur für eine Wahlperiode, sondern langfristig zur Verfügung. „Es ist für mich eine Lebensaufgabe.“
Hier in aller Kürze weitere wichtige Stichpunkte der Diskussion und die Position(en) von Bulander.
Ausbau B 27: „Wir müssen vehement dafür kämpfen!“ Auch die Wirtschaft bekomme dadurch neue Perspektiven. Ebenso wichtig sei die Elektrifizierung der Zollernbahn, im Hinblick auf Stuttgart 21.
Neuer ÖPNV, leere Busse: „Wichtig ist, dass wir einen Stadtverkehr haben, man muss die Kinderkrankheiten beheben. Es wäre falsch, ihn aufzugeben.“
Stadtentwicklung: Statt der viel zitierten „Perlenkette“ von Plätzen sei eine „Perlen-Döner-Kette“ entstanden, kritisierte auch Bulander. „Meines Erachtens ist das Konzept nicht umgesetzt worden.“ Und für das Merz-Gelände, wo das neue Zentrum entstehen soll, aber sich bisher nicht viel tut, „muss ein Konzept her“, forderte der Kandidat.
Blumenstadt: „Ich habe den Eindruck, dass man vergessen hat, die Ernte einzufahren.“ Man müsse diese gute Marke noch mehr nutzen, auch touristisch, so Bulander.
Schlafstadt: Wird Mössingen in 16 Jahren nur noch Schlafstadt für Stuttgart sein?, fragte der langjährige Stadtrat Berthold Thiel den Kandidaten („Sie schlafen auch in Mössingen und arbeiten in Stuttgart“) zu seinen Visionen für die Zukunft. Bulander meinte, dass die neue Innenstadt-Entwicklung länger als 20 Jahre brauche. Doch: „Ich verspreche mir, dass nicht nur die Schlafenden kommen, sondern auch die Wirtschaft.“ Rilling kommentierte gewitzt: „Sie können aber nicht 16 Jahre die Mitte suchen!“