Nach langem Zögern hat sich Dußlingens Bürgermeister Thomas Hölsch, 47, zur Bewerbung um den Mössinger OB-Posten durchgerungen: „Ich riskier‘s“, sagte er am Dienstag dem TAGBLATT.
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Ernst Bauer
Mössingen / Dußlingen. Seine Dußlinger Gemeinderäte hat er – wie versprochen – zuerst informiert. Mit einem offenen Brief an die „lieben Mitbürgerinnen und Mitbürger“, den er im Amtsblatt veröffentlichte, wandte er sich am Dienstag auch an die Presse: „Nach reiflicher Überlegung“, heißt es darin, habe er sich entschieden, in Mössingen zu kandidieren. „Dies ist keine Entscheidung gegen Dußlingen!“, unterstreicht Hölsch. „Mössingen wäre für mich eine neue Herausforderung und auch ein beruflicher Aufstieg.“ Im Falle seiner Wahl könne er nach wie vor mit den Gemeinden im Steinlachtal zusammenarbeiten. „Ich hoffe, Sie haben hierfür Verständnis.“
Das war 2007, als Thomas Hölsch für den Landratsposten in Balingen kandidierte. Archivbild: Franke
Schon einmal zog es Hölsch von Dußlingen weg, wo er seit 1995 Rathauschef ist; zuvor war er sieben Jahre lang Kämmerer. 2007 bewarb er sich für den Landratsposten in Balingen. Dort wurde jedoch, im zweiten Wahlgang, Günther-Martin Pauli zum Nachfolger von Landrat Willi Fischer gekürt.
In Dußlinger war Hölsch zuletzt 2003 mit fast 94 Prozent der Stimmen im Amt als Rathauschef bestätigt worden. Seine zweite Amtszeit läuft nächstes Jahr ab. Wird er jetzt in Mössingen zum neuen OB gekürt, dürfen auch die Dußlinger schon in diesem Jahr wählen.
Weil er sich „aus dem Amt heraus“ bewirbt, hatte Hölsch lange gezögert, ob er in Mössingen antreten soll. „Das muss wohl überlegt sein“, meinte er gestern. Das Risiko, am Ende zwischen zwei Rathaus-Stühlen, zwei Chefsesseln, zu sitzen, ist doppelt so groß wie bei jemandem, der von außen kommt. Nachdem er sich aber nun entschlossen hat, seinen FWV-Kreisratskollegen Werner Fifka zu beerben, will Hölsch „um jede Stimme kämpfen“. Er habe, so der Dußlinger Schultes, bei seiner kleinen Vorwahlkampftour in den Ferien jetzt dafür noch „das Bauchgefühl kriegen müssen“; er habe aber durchweg „gute Resonanz“ bekommen bei den Gesprächen mit Mössinger Bürgern.
Er sieht hier einen großen Vorteil für sich – dass er schon jede Menge Verwaltungserfahrung als Rathauschef mitbringt: „Für gewisse Dinge in Mössingen, da brauche ich gar keine Einarbeitung. Ich würde auch das Kreistagsmandat mitbringen.“ Andererseits sieht er in Dußlingen seine Arbeit in gewisser Weise abgeschlossen, hält den Zeitpunkt für einen Amtswechsel für ideal.
Gerade in den letzten Jahren hatte Hölsch noch etliche Projekte in Dußlingen mit angestoßen und zusammen mit dem Gemeinderat und seiner Verwaltung umgesetzt. Markantestes Beispiel: der Bücherei-Neubau mit seiner auffälligen Lamellen-Fassade direkt neben dem Bahnhof; dahinter entstand zuvor das neue Rathaus; am Ortsausgang wird momentan ein neues Feuerwehrhaus gebaut. Und mittendrin teilt eine Großbaustelle den Ort – die B 27 wird vierspurig ausgebaut, mit Tunnel, um den Verkehrs-geplagten Ort zu entlasten, wieder zusammenzuführen, die Ortsmitte zu beruhigen.
Zuletzt wehte der Verwaltung mit Hölsch an der Spitze allerdings gerade wegen dieses lange ersehnten B 27-Tunnels heftiger Gegenwind ins Gesicht – weil die Gemeinde während der Bauarbeiten nun mehr als zwei Jahre lang vollends zweigeteilt ist, in Ost und West. Als direkte Verbindung gibt es in der Ortsmitte nur noch einen Behelfssteg, der nicht einmal behindertengerecht ist.
Die Bauarbeiten verliefen jedoch planmäßig, unterstreicht Hölsch in seinem offenen Brief. „Alle weiteren Projekte in der Gemeinde sind auf einem guten Weg.“ Das Feuerwehrhaus sei in Bälde fertig. Welche Beweggründe es für ihn außerdem gibt, sich als OB in Mössingen zu bewerben – und was er hier alles bewegen will –, das wird Hölsch bei einem Pressegespräch am Freitag in Mössingen erläutern.
Am 4. Juli wird neue/r OB gewählt – Drei im Rennen
Mit Thomas Hölsch sind jetzt drei Bewerber um den Mössinger OB-Posten im Rennen – der durch das vorzeitige Ausscheiden von Oberbürgermeister Werner Fifka am 1. Oktober neu besetzt wird. OB-Wahl ist am 4. Juli, Bewerbungsschluss am Montag, 7. Juni.
Der Wahlausschuss des Gemeinderats tagt am 10. Juni um 19.30 Uhr im Bürgersaal des Mössinger Rathauses und entscheidet über die Zulässigkeit der Bewerbungen.
Neben Hölsch hat sich bisher der Stuttgarter Regierungsdirektor Michael Bulander, 38, für den Mössinger OB-Posten beworben und Andreas Stollberg, 38, Trainer und Ethikberater aus Rottenburg.