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In der Tonnenhalle tut sich was

Stadträte besichtigen Pausa-Baustelle

Die Pausa als spannendes Feld für völlig neue städtische Entwicklungen in Mössingen: So erlebten die Mitglieder des Bau- und Umweltausschusses jetzt bei einem Rundgang das denkmalgeschützte Fabrikensemble.

Ernst Bauer
Die Stadträte auf der Rampe, die einmal zur neuen Bücherei hochführt (in der Mitte OB Fifka): ... Die Stadträte auf der Rampe, die einmal zur neuen Bücherei hochführt (in der Mitte OB Fifka): Der Innenausbau der Tonnenhalle läuft auf Hochtouren. Bild: FrankeDie Stadträte auf der Rampe, die einmal zur neuen Bücherei hochführt (in der Mitte OB Fifka): Der Innenausbau der Tonnenhalle läuft auf Hochtouren. Bild: Franke

Mössingen. „Folgen Sie mir unauffällig“, scherzte Oberbürgermeister Werner Fifka, als es am Montagabend zunächst in die Tonnenhalle ging. Dort – wo oben die neue Bücherei und unten Regionalverband und Diakonie-Sozialstation einziehen werden – wird jetzt mit Hochdruck am Innenausbau gearbeitet. Stadtplaner Gebhard Koll lenkte die Blicke sogleich auf „das Beeindruckendste“ in der riesigen Halle – „diesen Schnitt durch die Decke“. Eine lange schmale Rampe führt hinauf in die künftige Stadtbücherei. Und bringt zugleich das Licht von oben ins früher dunkle Erdgeschoss.

„Schon ein tolles Erlebnis“, fand auch Architekt Martin Frank, wie diese einst „gruftige“ Produktionshalle der Pausa jetzt „von Licht durchflutet“ sei. Frank wies auch auf die „einzigartige Tonnendecke“ hin und die Erinnerungsstücke, die man vom legendären Mössinger Textilbetrieb erhalten wird – bis hin zum „alten Arbeiter-WC in Originalsubstanz“, zu den „historischen Spritzern“ der alten Farbküche.

Vieles wird mit Glasscheiben abgetrennt, so etwa auch im Erdgeschoss „ein großer und kleiner Sitzungssaal“, den vor allem der Regionalverband nutzen wird. Ein großes Panoramafenster in der Bücherei wird nach den Worten des Architekten nicht nur den Blick hinaus bis auf die Alb eröffnen, sondern „wie ein großes Schaufenster“ wirken – „man kann auch reingucken, sehen, was drinnen los ist“.

Wer zieht statt der Stadtwerke nun neben der Bücherei ein? Wie berichtet, hatten jene wegen der Ansiedlung eines größeren Elektromarktes in Mössingen ihre Pläne aufgegeben, in der Pausa selber einen größeren Laden zu eröffnen. „Es drängt sich im Moment nichts auf, leider“, sagte Koll auf Nachfrage des TAGBLATTs – aber: „Wir haben ja noch ein bissle Zeit.“ Ein Buchladen – die ideale Ergänzung für die Bücherei – hat sich bisher auch noch nicht gemeldet.

Ausgiebig befassten sich die Stadträte mit der „Bemusterung“ der neuen Bibliothek. Ein Kreis von Experten um Büchereileiterin Maria Bühler-Weinmann hatte Regale und Stühle schon vorausgewählt – darunter etwa auch Max-Bill-Hocker und Panton-Plastik-Sitzschalen aus den 50er Jahren. Man will nun die günstigsten Angebote einholen. Es soll aber kein altes Bücherei-Mobilar verwendet werden, wie von Max Göhner (FWV) angeregt. Das wäre „schon ein elementarer historischer Bruch“, meinte Koll.

Geplant sind unter anderem zwei „Lese-Inseln“ in der Bücherei, für Kinder und Erwachsene, auch ein „Lümmelsofa“ für Jugendliche und ein kleines Lese-Café mit Glasbausteinen am hinteren Ende.

Im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Pausa – mit schönem gläsernen Treppenhaus – hat sich inzwischen die Jugendmusikschule Steinlach ausgebreitet. „Wir sind mit dem Provisorium sehr zufrieden“, sagte Leiter Wolfgang Schnitzer. „Wir wären ja sonst auf der Straße gestanden.“ Denn in Schulen und Kindergärten „sind uns so viele Räume abhanden gekommen“. Jetzt hat man in der Pausa sieben Proberäume und sogar einen kleinen Konzertsaal eingerichtet, „alle Ensembles hierher verfrachtet“. 13 Lehrer unterrichten jede Woche etwa 250 Kinder.

Auch Profimusiker Elmar Scherer, Stadtrat der FWV, staunte, was sich hier entwickelt hat: „Da ist Wärme, das strahlt etwas aus!“

Tonnenhalle wird erst im Frühjahr 2011 eingeweiht

Mit elf Millionen Euro ist die ehemalige Tonnenhalle der Pausa – in der einst an langen Tischen die Stoffe bedruckt wurden – das größte Mössinger Sanierungsprojekt der letzten Jahre.

Das Schmuckstück des denkmalgeschützten Fabrik-Ensembles, das Bauhaus-Architekt Manfred Lehmbruck Anfang der 50er Jahre schuf, wird Domizil von Bücherei, Diakonie und Regionalverband.

Erst im Frühjahr 2011 soll die Tonnenhalle eingeweiht werden, wie OB Fifka am Montag sagte. Das sei erst sinnvoll, „wenn die Belegung steht“. Der Umbau soll, wie geplant, Ende 2010 fertig sein.

10.03.2010 - 08:30 Uhr
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