Schülerfirma half bei Umzug der Diakonie-Sozialstation
Nach einem ausgeklügelten Plan und ganz ohne Aufsehen zog die Mössinger Diakonie-Sozialstation diese Woche in ihre neuen Räume in der Tonnenhalle der Pausa um. Die Schülerfirma der Flattich-Schule half mit beim Kistenschleppen.
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Susanne Mutschler
Leon, Matteo und Nurije (von links) von der Schülerfirma beim Umzug – vor dem Aufzug, der nicht ging. Bild: Franke
Mössingen. Schon Tage vor den Computern nahm die Waschmaschine an der neuen Adresse der Mössingen Diakonie-Sozialstation ihre Arbeit auf. Schließlich müssen die Pflegedienst-Mitarbeiter/innen – Umzug hin oder her – stets picobello saubere Schürzen umhaben.
Für Pflegedienstleiterin Cornelia Schmidt war der Wechsel vom Rathof 1 zum Löwensteinplatz 1 eine Herausforderung, aber eine, der sie sich gerne stellte. Beim Inventar „haben wir uns von der Peripherie zum Zentrum vorgearbeitet“, erzählt sie. Die Bestände wurden nach Wichtigkeit vorsortiert und „logistisch genau aufgedröselt“.
Kistenweise Fachzeitschriften, Akten und Verträge, die man garantiert in den kommenden beiden Wochen nicht brauche, kamen schon am Dienstag zum neuen Pausa-Standort. „Wer die Sachen bis jetzt nicht gelesen hat, muss halt 14 Tage warten“, scherzte Schmidt. Am Mittwoch folgte wohlverpackt derjenige Schriftverkehr, „den man eine Woche lang entbehren kann“, danach erst kamen die aktuellen Unterlagen, die sofort nach der Umzugswoche wieder parat sein müssen.
Fürs Kistenschleppen beschäftigte man die jüngsten Dienstleister Mössingens. Die Schülerfirma der Flattich-Schule bietet nicht nur Catering, Malerarbeiten und Streuobstwiesenpflege an, sondern zum ersten Mal auch Hilfe beim Umzug. Damit keiner der vielen Kartons fehlgehen konnte, hatte Schmidt Farbpunkte auf die Kisten geklebt, die sich an den Türen der neuen Büros für die Pflegedienste, Nachbarschaftshilfe, Familienpflege, Essen auf Rädern und der Verwaltung wieder fanden und so die Zuordnung leicht machten.
Hochmotivierte Schüler bezahle sie viel lieber als ein freies Unternehmen, erklärte sie. Die fünf Jugendlichen packten tüchtig an, schließlich wollten sie das Geld für ihre Berlinfahrt zusammen kriegen. Es seien mindestens 200 Kisten gewesen, schätzte der Neuntklässler Leon Becker. Und Papier ist sehr schwer, ergänzte erschöpft Neslihan Dursun.
Gestern, Freitag, ging es an „den Dreh- und Angelpunkt“ der Station, das Büro mit Computern, Tourenordnern und Schlüsselkästen, in denen immerhin 200 Schlüssel von Sozialstations-Klienten verwahrt werden. Den Computer, das „Herzstück“, wollte Cornelia Schmidt persönlich transportieren und selber wieder anschließen, um sicher zu sein, dass „sein Puls gleich weiter schlägt“, wie sie sagte.
Für die kurzen Pendelfahrten in die Pausa wurde das „Urlaub-ohne-Koffer-Busle“ zum Umzugslaster. Schweres Mobiliar musste glücklicherweise nicht bewegt werden. Die neuen Räume am Löwensteinplatz locken nicht nur mit viel Helligkeit und doppelt so viel Fläche, sondern sind mit weißen Tischen, Schränken und Regalen komplett neu ausgestattet. Vor dem verlassenen Bürogebäude am Rathof stapelten sich die Jahrzehnte alten, ausrangierten Einrichtungsgegenstände in Containern.
Während sich das Leitungsteam Cornelia Schmidt, Elenore Steinhilber und Birgit Gründel die ganze Woche nur um den Umzug kümmerte, liefen die sozialen Dienste der 120 Mitarbeiter/innen uneingeschränkt weiter. Der Spätdienst am Sonntagabend werde noch an die alte Adresse zurückkehren, erklärt Schmidt. Danach werde sie den Schlüsselkasten in die Pausa bringen, damit der Frühdienst am Montag dort nahtlos loslegen kann.
Auch für einen reibungslosen Wechsel beim Versorgungssystem „Essen auf Rädern“ hat die Pflegedienstleiterin vorgesorgt. Bisher wurde das Essen täglich warm an- und ausgeliefert. Die neue, riesige Kühlzelle im Pausa-Untergeschoss und die beiden Konvektomaten erlauben von nun an Vorratshaltung für eine ganze Woche. Die 15 Fahrer haben schon geübt, wie sie die Essensportionen zum Aufwärmen am geschicktesten in den Konvektomaten stapeln können.
Selbst wenn nach 17 Jahren im ehemaligen Badehaus von Mössingen ein bisschen Wehmut bleibt, freut sich Cornelia Schmidt auf das neue Domizil. Sie schwärmt von der zentralen Lage und der unmittelbaren Nähe zum Publikumsverkehr. In der Pausa „sind wir mitten im Leben“. Außerdem begrüßt sie die entspannte Parksituation. Die Dienst-Kleinwagen mit dem Logo der Sozialstation, bekannt als „rote Flotte“, nach denen die Mitarbeiter manchmal weit weg auf dem Kirchenparkplatz suchen mussten, passen jetzt übersichtlich und komplett vor den Eingang.