Riesengroßer Andrang beim 10. Mössinger Rosenmarkt
Rosen über Rosen – aber kein Regen: Der Wettergott hatte am Sonntag ein Einsehen mit den Besuchern des Mössinger Rosenmarkts. Zu Tausenden strömten Blumenliebhaber und Gartenfans durch die Straßen – und auch Kunstfreunde kamen auf ihre Kosten.
Mössingen. Ein kleines Jubiläum feiert der Rosenmarkt in diesem Jahr: Bereits zum zehnten Mal gibt es ihn in der „Blumenstadt“. Wer den mittlerweile fast schon traditionellen Blumen- und Künstlermarkt besucht, der sollte, ebenfalls traditionell, viel Zeit mitbringen: Im Schneckentempo geht es von Stand zu Stand – zum Schauen, Staunen, manchmal auch zum Kaufen. Der Besucherandrang scheint im zehnten Marktjahr noch größer zu sein als in den Vorjahren. Von 25 000 „Rosen-Gästen“ war im Vorfeld die Rede. Gedrängel rund um die Stände, die meisten Gäste kommen jedoch trotz der Menschenmengen ganz ohne Geschubse aus.
Mit Rikschas um den „Rosenzirkus“
Josefa Montwill bietet Handgefertigtes mit Rosenmotiven an: Umhängetaschen, Kissenbezüge, Platz-Sets und Filzhüte, aber auch Kuchentaschen, Tischdecken und Sonnenkäppis. Zum fünften Mal ist die Aichwalderin bereits dabei; beim Mössinger Markt schätzt sie ganz besonders die „nette und positive Kundschaft“: „Hier sind immer alle interessiert und offen für Neues.“ Nebenan, auf der Wiese hinter der Rühle-Schule, sitzen „Friedel“ und „Johann“ auf ihren Stangen – rostige Raben, „100 Prozent sturmsicher.“ Kaum einer, der die originellen Schrottkunststücke des Engstinger Stahl-und-Stein-Schöpfers Jörg Fischer im Vorübergehen nicht amüsiert beim Namen nennt.
Das Wetter hielt, die Massen strömten. 160 Aussteller lockten heuer rund 25 000 Besucher zum 10. Mössinger Rosenmarkt. Zeitweise war kein Durchkommen mehr in der Breitestraße, wo die meisten Stände aufgebaut waren. Bilder: Franke
Wer sich zwischendurch von der floralen Fülle – inklusive teilweise durchdringendem Blütenduft – erholen will, der kann sich mit Rikschas um den „Rosenzirkus“ herum kutschieren lassen; 160 Aussteller sind es heuer, von nah und auch von ferner. Zur Stärkung zwischendurch gibt‘s (nicht nur) Abenteuerlich-Kulinarisches rund um die Rose: Wurst im Rosenweckle, Rosenmuffins und -waffeln, Knusperrosen oder Rosensekt. „Rosenwerkstatt“-Betreiberin Monika Rehm aus Tengen bietet an ihrem Stand Rosen-Cappuccino zum Probieren an – „gebraut aus Kaffeebohnen, mit Rosen-Aroma verfeinert.“ Auch Rosen-Nudeln, Rosen-Reis, Rosen-Senf und Rosen-Salz hat sie im Repertoire.
Viel bewundert: „Friedel“ und „Johann“, die beiden rostigen Raben des Engstinger Stahl-und-Stein-Schöpfers Jörg Fischer.
Eine Rose macht noch keinen Rosenstand – 500 aber ganz bestimmt: So viele Exemplare der beliebten Zierpflanze hat Peter Bock, Inhaber der Gärtnerei Rall aus Eningen, früh morgens angekarrt, unter ihnen Arten wie die rosa „Duftwolke“, der weiße „Polarstern“ oder die pinkfarbene „William Shakespeare.“ Tags zuvor hat Peter Bock auch schon beim „Rosenfest“ in Tübingen die stacheligen Blumenschönheiten angeboten – „logistisch kein großes Problem, wenn man es gut vorbereitet“, sagt Schwester Karin Bock. In Mössingen ist Peter Bock mit seinem Team bereits das zehnte Mal dabei – „von Anfang an.“ „Kletterrosen wie die Westerland gehen heute gut, oft wird auch gezielt nach Duftrosen gefragt“, zieht Karin Bock Bilanz.
Tombola bei Gaebeles für den Rosenpark
Zuhauf schleppen Besucher ihre rosigen Schnäppchen mit sich herum; wer des Schleppens müde ist, der kann erworbene Stücke auch an der Pflanzen- und Kunstgarderobe in der Rühle-Schule zur kostenlosen Aufbewahrung während des weiteren Rundgangs abgeben. Hans-Joachim Knüppel kommt jedes Jahr zum Rosenmarkt wieder nach Mössingen – er ist in der Steinlachstadt aufgewachsen, jetzt wohnt er in Pfullingen. Der Rentner hat auch schon zugeschlagen: „Rosendünger für nächstes Jahr, der vernichtet die Pilze.“ Knüppel ist ein Rosenfan, im Garten hat er zahlreiche Exemplare, außerdem „Figuren.“
Manch neckisches Detail fiel Fotograf Klaus Franke bei seinem Marktrundgang auf.
Am Stand von Sibylle und Hartmut Gaebele gibt es eine Tombola – Erlös natürlich wie immer zugunsten des Rosenparks auf der ehemaligen Mössinger Mülldeponie. Eine „kleine“ Blütenauswahl von Rosenarten, die es im Park bereits gibt, steckt in Glasphiolen: Märchenhaftes wie „Cinderella“ und „Schneewittchen“, aber auch „Händel“ und „Raubritter.“ Ebenfalls in der Breitestraße bieten Pilar Abadia und Dieter Strobel Tischplatten aus Lavastein an – 38 Kilo wiegt diejenige, die mit Rosenmustern bemalt ist. Bei Helmut Hösch aus Kusterdingen kann man Steinbücher mit gemeißeltem „Roseneinband“ erstehen.
Viel bewundert: „Friedel“ und „Johann“, die beiden rostigen Raben des Engstinger Stahl-und-Stein-Schöpfers Jörg Fischer.
Ein Renner bei Klein und Groß ist die historische Seildreh-Maschine der „Seilspezialisten“ Karin und Karl Emhart aus Riedlingen-Neufra: Hier kann jeder kurbelnd sein Seil selbst herstellen. Der Bästenhardter Timo, 10, sucht sich, passend zur Fußball-WM, zielsicher schwarz-rot-gold als Seilfarbe aus: „Das Seildrehen kommt sehr gut an, und die Deutschlandfarben sind derzeit der Renner“, freut sich Karin Emhart.
Fröhliches Feilschen ist auf dem Flohmarkt in der Falltorstraße angesagt: Krimskrams wie Keramikstücke und Ketten wechseln den Besitzer, sogar Plastikrosen in Kisten gibt es. Trödelmarkt-Liebhaberin Christine Scheit ist extra aus Bisingen gekommen. Vom Flohmarkt ist sie allerdings „ein bisschen enttäuscht“: „Ich hatte gehofft, dass einfach mehr Privatleute Sachen anbieten“, so die 34-Jährige.