OB Werner Fifka: Wollte schon immer noch etwas anderes machen
Mössingens scheidender OB Werner Fifka ist nicht ernsthaft krank, wie manche schon gemutmaßt hatten. „Ich wollte vermeiden, dass der Eindruck entsteht: ‚Er hat einfach keine Lust mehr‘“, erklärte er gestern als Gast unserer Steinlach-Redaktion – und zog zugleich ein bisschen Bilanz.
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Ernst Bauer
„Den richtigen Zeitpunkt, den gibt‘s nicht“: Werner Fifka, 53, zu seinem abrupten Abgang als OB. Bild: Rippmann
Mössingen. Seine Ankündigung Anfang der Woche im Mössinger Gemeinderat, dass er bis zum Ablauf seiner Amtszeit Ende September nur noch „eingeschränkt dienstfähig“ sei, hatte wilde Spekulationen über Fifkas Gesundheitszustand ins Kraut schießen lassen. „Ich sag’ da auch heute nichts dazu“, meinte er gestern – aber das sei, was seinen vorzeitigen Ausstieg anlangt, „nicht das Hauptthema“. Fifka: „Wenn ich tatsächlich dienstunfähig wäre, hätte mich das RP schon längst in den Ruhestand geschickt.“
Er habe, so der Mössinger Rathauschef, seine OB-Stellvertreter schon vor Wochen informiert – „und ihnen ein ärztliches Attest auf den Tisch gelegt“, einfach auch, um deutlich zu machen, dass er es jetzt nicht bloß noch auslaufen lassen wolle, wie es schon hieß. „Ich hätte auch sagen können: Ich nehme meinen Resturlaub und fertig!“ Wie viele Urlaubstage er noch hat, weiß Fifka nicht einmal genau, doch – da ist er sich sicher: „Ich werde ihn gar nicht nehmen können.“
Sozialpädagoge im ersten Lebensabschnitt
Seinen Antrag beim RP zur vorzeitigen Versetzung in den Ruhestand zum 30. September hat er auch noch nicht gestellt. „Die Frage ist, ob gleich jemand Neues kommt.“ Er geht aber schon davon aus, dass sein Nachfolger – oder eine Nachfolgerin – am 1. Oktober 2010 den Chefsessel im Mössinger Rathaus übernimmt. Ist es nicht ein bisschen zu früh für den Ruhestand? Ist Fifka mit 53 Jahren eigentlich nicht im besten OB-Alter?
Er macht im Verlauf des Redaktionsgesprächs immer wieder deutlich, dass dies nie seine Lebensplanung war: Im ersten Lebensabschnitt sei er Sozialpädagoge gewesen, im zweiten nun 22 Jahre lang Bürgermeister – zehn Jahre in Creglingen, zwölf Jahre in Mössingen. „Persönlich bin ich der Meinung, für eine Gemeinde ist es gut, wenn in überschaubaren Zeiten der Wechsel kommt.“ Das tue nicht nur der Gemeinde gut, sondern auch einem selbst – „es ist auch gut, wenn man etwas völlig Neues machen kann!“
Dabei hat er sich aber noch nicht festgelegt. Fifka hüllt sich jedenfalls nach wie vor in Schweigen, was seine Vorstellungen zum „dritten Lebensabschnitt“ anlangt, den er nun ins Auge fasst: „Ich bin noch offen für Angebote!“, meint er bloß lachend – und erzählt die Geschichte, die in Mössingen schon kursiert, aufgrund eines Bonmots, das im TAGBLATT erschien: Er würde zusammen mit dem „Kronen-Heiner“, Besitzer der Mössinger Brauerei, den alten Gasthof zum Engel wieder aufmachen.
Es war sicher ein „ungewöhnlicher Schritt“, räumt Fifka ein, sich mit einem ärztlichen Attest die „eingeschränkte Dienstfähigkeit“ für die letzten Wochen im Amt bescheinigen zu lassen. Er werde, so versprach er im Rat aber zugleich, im Sommer wieder die „Stallwache“ auf dem Rathaus übernehmen, wenn seine Fachbereichsleiter im Urlaub sind. „Das war’s dann auch fast schon. Ende meiner Dienstzeit bekanntlich: Ende September. Und: Aufräumen muss ich ja auch noch“, formulierte er am Schluss seiner schriftlichen Erklärung vom Montag salopp. Gestern fügte er hinzu: „Ich will ja auch in Mössingen bleiben“ – und er wolle nicht, dass es ihm so ergehe wie einzelnen Bürgermeisterkollegen, bei denen sich das Bild „auf einmal ins Negative“ verschiebe.
Spricht aus seinem abrupten Rückzug als OB aber nicht auch eine gehörige Portion „Frust“? War es zu viel Stress, am Ende Amtsmüdigkeit? Hatte Fifka schlicht genug? – „Überhaupt nicht!“ dementiert er heftig. „Ich habe schon bei der letzten Wiederwahl überlegt, ob ich weitermache.“ Und: „Mit dem Stress haben viele zu kämpfen.“ Man könne es auch so sehen, dass er auf dem Höhepunkt abtrete. „Wann gibt es denn den richtigen Zeitpunkt? Den gibt’s nicht!“
Dabei bringt er auch nochmal die Bedeutung seiner angeschlagenen Gesundheit ins Spiel: „Es sind ganz allgemeine Gründe, weshalb ich aufhöre. Es entsprach meiner Lebensplanung schon immer, dass ich nicht bis ins hohe Alter OB sein wollte.“ Mit ein Punkt seiner Entscheidung sei gewesen, „dass ich mich nicht so fit fühle, wie es mein Amt verlangen würde“.
Schlaflose Nächte wegen der Pausa
Im Rückblick auf seine zwölfjährige Mössinger Amtszeit hebt Fifka in erster Linie das große Pausa-Projekt hervor – aus der berühmten Textildruckerei wurde plötzlich ein noch berühmteres Denkmalschutz-Ensemble. Nach längerem Zaudern entwickelte er selber im Pausa-Buch sogar neue Visionen für die Industriebrache. Jetzt, im Nachhinein, bilanziert er eher nüchtern: Es sei sicher sein wichtigstes Projekt als OB gewesen, das ihm „aber auch am meisten Kopfzerbrechen und schlaflose Nächte bereitet“ habe; nun sei er einfach nur froh, dass man mit diesem Jahrhundertprojekt so weit gekommen sei. „Ich hätte mir vor ein paar Jahren nicht träumen lassen, dass wir für alle Gebäude eine Belegung hinkriegen!“ Auch sei man trotz heftiger Konkurrenz in Programme mit höchster Förderung hineingerutscht. „Man kann damit mehr als zufrieden sein.“
Und auf dem Merz-Gelände hinterlässt er eine große Baustelle? Fifka betont, dass er schließlich nichts dafür könne, was da in Mössingen – mit einer Gewerbebrache nach der anderen – auf ihn zugerollt sei. „Es ist nicht mehr mein Mössingen“, habe er von älteren Bürgern schon zu hören gekriegt. „Aber ich habe mir die Gewerbebrachen, die Baustellen ja nicht ausgesucht!“ Er selber habe immer wieder gesagt: „Eigentlich ist es zu viel“, parallel die Dinge anzupacken.
Doch: „Es ging nicht anders.“ Gerade beim Merz-Gelände sei klar gewesen, „dass man sich auf eine lange, lange Baustelle einrichten muss“. Deshalb habe die Stadt auch den Vertrag mit der KE als Entwicklungsträger abgeschlossen. Hier zieht Fifka auch einen Vergleich zu seiner ersten Wirkungsstätte als Rathauschef in Creglingen: Dort habe er das Schloss gekauft und saniert, mitten in der Stadt. „Da hat man mir prognostiziert, dieses Rom-Schlössle würde mein Sargnagel werden. Heute ist es das Renommierprojekt schlechthin, nicht ein Mausoleum, sondern das Fifkaleum“, wie es in Creglingen genannt wird.
Von dort her war Fifka in Mössingen zunächst auch als „Schuldenmacher“ verschrien, weshalb ihm die Kritik am jüngsten Haushalt auch ziemlich sauer aufstieß, denn: „Ich bin schon mehr als stolz darauf, dass ich trotz unseres riesigen Investitionspaketes jetzt so abschließen kann“ – mit einer Pro-Kopf-Verschuldung, die nach dem Ergebnis der unabhängigen Prüfung „erstmals nach vielen Jahren in Mössingen wieder unter dem Durchschnitt“ liege.
Anderes als es aussieht, wird mit Fifkas Abgang nun auch nicht gleich der ganze Rathausvorplatz aufgerissen – das ist, wie er erklärt, ein Sanierungsprojekt, das lange aufgeschoben und nun endlich angepackt wurde. Er hinterlässt seinem Nachfolger – oder der Nachfolgerin – nicht bloß Baustellen. Deswegen hat er auch den neuen „StEP“, den Stadtentwicklungsplan Mössingen 2020, nicht mehr in Angriff genommen. „Ich wollte mir nicht nachsagen lassen, dass ich Dinge zementiere.“ Er selber habe mit dem ersten StEP Riesen-Glück gehabt: „Mir hätte nichts Besseres passieren können, als dies zum Einstieg zu haben.“
Dass er bisweilen mit dem Kopf durch die Wand wollte, das sieht er wohl: „Es liegt in meiner Natur, dass ich eher polarisiere als andere.“ Er ist nicht der Typ, bei dem immer alles harmonisch verläuft und alle zufrieden sind: „Da gehe ich in der Kommunalpolitik zu ungeschützt vor. So wie ich gestrickt bin, hätte das gar nicht funktioniert.“
Jetzt will er erst einmal Abstand gewinnen: „Ich werde mir die Zeit nehmen, nach mir selber zu gucken – und entgegen allen Stammtisch-Vermutungen gibt’s da noch nichts!“ Er habe „auch keinen Druck“. Möchte Fifka bleiben und schreiben, wie im Pausa-Buch – wie wär’s mit Schriftsteller? „Lottogewinner!“ Das wäre ihm lieber.
Vom Jugend- und Heimerzieher zum Rathauschef
In Schwäbisch Gmünd ist Werner Fifka 1957 geboren und aufgewachsen. Er ist verheiratet, katholisch und hat anfangs als staatlich anerkannter Jugend- und Heimerzieher gearbeitet, bevor er seine Verwaltungsausbildung begann und an der FH für öffentliche Verwaltung in Ludwigsburg studierte.
In Schorndorf wurde der Diplomverwaltungswirt zunächst persönlicher Referent des OB, dann 1988 Bürgermeister in Creglingen. In Mössingen wurde er 1998 auf Anhieb zum Rathauschef gekürt, 2006 wiedergewählt.
Anfang 2009 stieg Fifka zum OB auf, als Mössingen Große Kreisstadt wurde, Ende 2009 kündigte er überraschend seinen Rücktritt an.