Mössingen. Vier Hitparaden-Stürmer der glamourösen 70er Jahre, dazu eine deutsche Kultband, die bereits in den 60er Jahren ein großes Publikum anzog, werden am heutigen Samstag die Mössinger Hegwiesen rocken. Auf dem neuen Festival-Gelände gleich hinterm Firstwald-Gymnasium geht es um 18 Uhr los.
Das waren die Stimmungsmacher im letzten Jahr, als die Sache noch in Ernwiesen über die Bühne ging: Slade. Archivbild: Rippmann
Allerdings kommt keine der fünf Bands in Originalbesetzung. Von jenen drei Schulfreunden, die einst im nordenglischen Bradford zusammen Smokie gegründet hatten ist lediglich noch Bassist Terry Uttley an Bord. Während sich Gitarrist Alan Silson nach Ostwestfalen zurück gezogen hat und Sänger Chris Norman seine Solokarriere pflegt, spielen Uttley und Co. nach wie vor ihre bekanntesten Stücke – da darf natürlich „Living next door to Alice“ nicht fehlen. Neben Smokie waren The Sweet und Slade in den 70er Jahren Dauergäste in den Hitparaden. Und sie waren Rivalen, ähnlich wie die Beatles mit den Rolling Stones oder AC/DC und Kiss rivalisierten – die Fans zog es entweder zur einen oder zur anderen Band.
Auch bei The Sweet ist nur noch ein Original-Bandmitglied übrig: Gitarrist Andy Scott, dessen Frisur nicht mehr ganz original aussieht, und seine Mitmusiker touren nach wie vor mit den alten Hits wie „Ballroom Blitz“, „Fox on the run“ oder „Love is like oxygen“. Sie waren schon beim ersten „Mössingen rockt“ dabei.
Slade warten immerhin mit zwei der alten Recken aus den 70er Jahren auf: Die beiden Bandgründer Dave Hill (Gitarre) und Don Powell (Schlagzeug) sind immerhin die Hälfte der Originalbesetzung. Slade trugen in den 70er Jahren die höchsten Plateauschuhe. Das änderte sich, nachdem sich Dave Hill einen Knöchelbruch zuzog. Dennoch bringt der Gitarrist seine Zuschauer nach wie vor mit äußerst schrillen Klamotten zum Staunen. Die Hits „Cum on feel the noize“, „Run run away“ und „My oh my“ werden im Programm sein.
An der seltsamen Choregrafie zu ihrem Titel „Tiger Feet“ erkannte man die Gruppe Mud: Sie schüttelten einen Fuß in Richtung Publikum. Zwei noch lebende Gründungsmitglieder reaktivierten die Band unter dem Namen Mud II.
Die so ziemlich großartigste unter den frühen deutschen Beat- und Rockbands waren die Rattles aus Hamburg. Während die Beatles vor ihrer großen Karriere in Hamburg spielten, tourten die Rattles in Großbritannien und waren später die Vorband der vier Jungs aus Liverpool. Mit „Come on and sing“, vor allem aber „the Witch“ gelangen ihnen bemerkenswerte Standards. Gründer Achim Reichel, einst charismatischer Kopf der Band, ist allerdings schon lange Jahre nicht mehr dabei.
Willi Wrede, der Metzinger Veranstalter von „Mössingen rockt“, steigt aus. Es werde sein letztes Event in dieser Serie sein, kündigte er jetzt per Pressemitteilung an. Mit dem scheidenden OB Werner Fifka „werden auch wir uns aus der Stadt Mössingen zurückziehen“. Mössingen rockt sei untrennbar mit dem Initiator Fifka verbunden, der als „Visionär“ dieses Event aus der Taufe gehoben habe.
Tobias Eisele, Pressemann der „Classic Rock Nights“ made in Metzingen, relativierte gestern: „Es werden schon noch Gespräche stattfinden.“ Aber höchstwahrscheinlich werde man, ähnlich wie in Bad Urach, keine solche Unterstützung mehr kriegen wie bei Fifka.
Von den OB-Kandidaten erklärte Michael Bulander gegenüber dem TAGBLATT: „Grundsätzlich könnte ich mir vorstellen, dass man das weiterführt.“ Man müsse natürlich zuerst einen neuen Veranstalter finden.
Thomas Hölsch sagte: „Ich bin da sehr aufgeschlossen“, wenn die Rahmenbedingungen stimmen, könnte man sicher was Neues aufziehen.