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Beide können es packen

Mössingen: Heute ist OB-Wahl

Thomas Hölsch oder Michael Bulander? Beide haben das Zeug dazu, Oberbürgermeister zu werden, Nachfolger von OB Werner Fifka in Mössingen. Dies sagt der Experte Hans-Georg Wehling.

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Mössingen. Er ist der beste Kenner der „Bürgermeister-Szene“ im Land: Prof. Hans-Georg Wehling, 72, Tübinger Politikwissenschaftler im Unruhestand. Von seinem Reutlinger Wohnsitz aus hat er durchaus interessiert mitverfolgt, was sich in der kleinen Großen Kreisstadt Mössingen momentan tut. Die fehlende „Mitte“, sagt Wehling, sei „ja auch wirklich ein Problem“. Vor allem OB-Kandidat Michael Bulander hatte in seinem Wahlkampf das Augenmerk darauf gelenkt. „Ansonsten ist es ja ein schöner Ort, mit vielen Blumen“, fügt Wehling an.

Wie schätzt er die Chancen der beiden aussichtsreichen Bewerber um die Nachfolge von OB Werner Fifka ein? „Sie sind beide profiliert, Partei-distanziert“, sagt Wehling; ob jemand von einer Partei – wie etwa Bulander von der CDU – protegiert worden sei, spiele keine so große Rolle. Wichtig sei allerdings für eine Bewerbung um den OB-Posten: „Man muss von außen kommen.“

Und „tödlich“ für eine Kandidatur sei, wenn der Kandidat mit Hinz und Kunz per Du ist. „Man darf nicht sehr stark verwickelt sein in die Kommunalpolitik.“ Michael Bulander wohnt zwar seit neun Jahren in Mössingen, ist hier aber bisher kaum öffentlich in Erscheinung getreten. In dem Fall, so Wehling, sei der Wohnort kein Nachteil für ihn.

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„In der Regel wird keiner aus der eigenen Gemeinde gewählt, weil er hier schon seine Freunde und Feinde hat“, weiß Wehling aus zahlreichen Untersuchungen zum Wahlverhalten der Bürger. Wie sieht es mit Thomas Hölsch, dem OB-Kandidaten aus der unmittelbaren Nachbarschaft aus, der schon Bürgermeister ist und eine Menge Erfahrung als Rathauschef mitbringt? Da kenne er die örtlichen Verhältnisse zu wenig, räumt der Politologe ein.

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Die Chancen von Hölsch hingen aber natürlich „davon ab, wie er in Mössingen gesehen wird“, was die Wähler hier für ein Bild, für eine Meinung von ihm haben. Dazu könne er als Außenstehender wenig sagen. Beide Favoriten – nicht der Außenseiter Andreas Stollberg, politisch bisher ein völlig unbeschriebenes Blatt – haben nach Wehlings Worten in diesem spannenden Zweikampf um die Fifka-Nachfolge jedenfalls die Qualifikationen und auch das Profil, um Oberbürgermeister werden zu können. Beide sind studierte, diplomierte Verwaltungsfachleute und haben auf verschiedenen Ebenen Verwaltungserfahrung gesammelt, Hölsch mehr auf örtlicher, kommunalpolitischer Ebene, Bulander mehr auf höherer, zuletzt landesministerieller Ebene.


Ein Bürgermeister oder Oberbürgermeister hat in Baden-Württemberg auf jeden Fall eine ganz starke Stellung, bekräftigt Wehling die bekannten, von ihm immer wieder sozialwissenschaftlich untermauerten Erkenntnisse. Schon allein dadurch, dass er vom Volk gewählt wird, sitzt ein schwäbischer Schultes erst einmal ziemlich fest im Sattel.

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Er ist Repräsentant der Gemeinde nach außen, Vorsitzender des Gemeinderats und gleichzeitig Chef der Verwaltung, beschreibt Wehling die Machtfülle. „Als Profi vor lauter Feierabend-Politikern“ habe er natürlich immer einen Vorsprung an Fachwissen. Von daher sei das Amt sehr begehrt, denn es sei auch vergleichsweise „sehr gut bezahlt“. Auf das Bürgermeistergehalt komme noch eine steuerfreie 13,5-prozentige Aufwandsentschädigung oben drauf.


Wie kommt es dann, dass in Mössingen so wenig Bewerber ihren Hut in den Ring geworfen haben? Laut Wehling hat das nichts zu sagen: „Man weiß nie, was sich im Untergrund tut – da spielt sich sehr viel ab im Vorfeld.“ Oft ziehe da einer, der einen anderen von der Verwaltungshochschule kennt, zu dessen Gunsten zurück. Fazit: „Sie können mit zwei guten Kandidaten eigentlich sehr zufrieden sein!“

04.07.2010 - 08:02 Uhr | geändert: 04.07.2010 - 12:38 Uhr
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