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Hexeneinmaleins: Aus zehn mach elf

Kinderzirkus Nehrondo zeigte akrobatische Zeitreise

Schlangen, so groß, das sie einen Menschen verschlingen können, schrumpfen von Zauberhand. Zebras fahren Einrad. Akrobatinnen hängen am Trapez. Der Zirkus ist da. Wieder einmal, gut wie eh und je. Zwei Mal trat „Nehrondo“ am Wochenende auf.

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Jürgen Jonas

Ein vertrautes Bild ist das mittlerweile, das Zirkuszelt am Ortsende von Nehren, auf der Wiese mitten im Industriegebiet. Es stammt vom Gomaringer Zirkus Relaxx. Unter seinem Dach zeigten am Wochenende, am Samstag und am Sonntag, die 65 Kinder, die derzeit beim „Circus Nehrondo“ mitmachen, vor vollem Haus ihre Künste und Fertigkeiten. Unter der Überschrift „Aus zehn mach elf“.

Rückblick auf zehn Jahre war angesagt. Der Zirkus weiß viele Geschichten. Der Ausgangspunkt: Johanna, Mahalia und Sonja hängen rum und geraten ins Schwärmen. Erinnert ihr euch noch an die Zirkuskids, mit denen alles anfing? Damals, in der Turnhalle, unter einem Fallschirm-Chapiteau? Nehren wurde zum Dorf mit hoher Einradfahrerdichte. Dann wuchs der Zirkus heran, nannte sich fortan „Circus Nehrondo“, zog sogar zu seinen Vorstellungen um in ein richtiges Zelt eines richtigen Zirkus’. Ja, das war schön, seufzen die Mädchen.

Zur Einstimmung zeigen sich alle Akteure, bei einem bunter Manegentanz, der einiges erwarten lässt. Fast zwei Stunden Programm für das Publikum im heißen Zelt, vom Kinderwagenbutzelchen bis zum Rollatornutzer ist jedwedes Alter vertreten, Geschwister, Eltern, Großeltern, Verwandte, Schulkameraden und neugierige Zirkusbegeisterte. Einzigartige Mischung aus bewegtem Bild und bewegender Musik, aus Atmosphäre, Vergnügen und Bewunderung, alles gut aufeinander abgestimmt. Die Liebe zum Detail entzückt: Ein laufender Vorhang tritt an, trabt am Artistenvorhang vorbei, lässt einen Regisseur auf seinem Stühlchen sichtbar werden, beim nächsten Wandelgang kommt der Kameramann dazu. Hollywood beginnt!

Sechs Mal Charly Chaplin

Zwei Arbeiter namens Florian und Lukas machen sich lustig an einer Walze zu schaffen. Erste Nummer. Besuch von Charlie Chaplin ist angesagt, gleich sechs davon in seinem Outfit tragen Hütchen und Stöckchen, balancieren so auf Kugeln und Walzen.

Dann „Agenten in Aktion“. Ein cooles Mädchen und fünf ebensolche Knaben arbeiten sich mit ihren Diabolos ab, schleudern die kleinen Rollen hoooch hinauf, um sie geschickt wieder aufzufangen. Und wenn es mal nicht klappt, einfach weitermachen, das zeichnet den Profi aus. Von den Zuschauern wird ab da schnelle Bewegung der Pupillen und rasche Auffassungsgabe verlangt, um den Darbietungen folgen zu können. Die Verbindung zwischen Augen und Händen, die applaudieren, stellt sich wie von selbst her.

Safari. Eine Menge einradfahrender Zebras düst über den Manegenboden. Das Trapez hängt in einer Urwaldszenerie, drei schmetterlingsbunte Mädchen zeigen daran furchtlos, was sie können. Da gibt es im Zuschauerraum manches bewundernde Aaah und angstvolle Oooh. Und Sonderapplaus. Wechsel in den Orient. Ein geheimnisvoller Fakir und seine Folterknechtshelfer sperren eine riesige Riesenschlange und ein Menschenopfer in eine Kiste, in die sie kreuz und quer spitze Stangen schieben. Doch am Ende lebt der Junge, nur die Schlange ist auf 30 Zentimeter geschrumpft. Zauberei! Es folgt die Nagelbrett-Nummer, Mädchen und Jungen überantworten sich der Spitzigkeit der Metallstifte, ohne Schaden zu nehmen. Dann entfaltet sich ein schwirrendes Hexenwesen, die Fluggeister zeigen, was auf Balancierkugeln alles möglich ist. Plötzlich ist ein Eiscafé aufgebaut, in dem erst bodenturnerische Körperkunstfiguren entstehen. Der Ideenreichtum scheint unerschöpflich, eine Gruppe jongliert mit Eiskugeln und Eiswaffelnkeulen.

An langen Tüchern hoch hinauf

In „Air Nehrondo“ zeigen fünf Stewardessen ein bezauberndes Spiel mit Stühlen, im Inneren einer Flugzeugkabine. Ein Höhepunkt ist die Luftakrobatik, mit der sich zehn Mädchen an langen Tüchern in die Höhe schrauben.

Mit dem rasanten „Spiderman“-Trampolin-Parcour geht das Programm seinem Ende zu, zum Ausklang folgt noch eine Nummer mit Swinging-Tüchern. Gemeinsamer Tanz um den Vulkan. Und Ende.

Halt. Wer hat die Rasselbande auftrittsfähig gemacht? Natürlich die zahlreichen Trainer, die vielen Helfer bis hin zur Rotkreuz-Ortsgruppe, die freundlichen Leute vom Zirkus Relaxx, die, als Profis, den Kindern und Trainern hilfreich mit Rat und Tat zur Seite standen. So wie Uwe Wagner mit Ton, Licht und Mikros. Der Förderverein für Kinder-und Jugendbildungsarbeit. Und an oberster Stelle Gudrun Märkle, Zirkusprinzipalin von Anbeginn. Zehn Jahre ernsthafte Arbeit. Der Circus Nehrondo hatte am Wochenende drei Augen: eines schaute weinend in die glorreiche Vergangenheit, die beiden anderen hoffnungsvoll in die Zukunft.

21.05.2012 - 08:00 Uhr | geändert: 22.05.2012 - 14:08 Uhr

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