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Irre salomonisch!

Eine Textor-Straße in Mössingen? Geht doch!

Na, das wäre doch nun wirklich eine restlos salomonische Lösung! Oder etwa nicht? Im schönen Frankfurt am Main, so schrieb uns kürzlich unser Leser Herbert Carl, kann man besichtigen, „was Mössingen gut stehen würde“: eine Textor-Straße. Herbert Carl, jahrelang Leiter der Nehrener Leihbücherei, sähe mit so einer Straße gerne Jakob Textor geehrt – einen der Protagonisten des Mössinger Generalstreiks gegen Hitler am 31. Januar 1933.

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Eine dem politisch aktiven Malermeister gewidmete „Jakob-Textor-Straße“ hatte ja auch das TAGBLATT vorgeschlagen, zuletzt im Januar 2010. Das war kurz nach dem Tod des zu dem Zeitpunkt mit 101 Jahren ältesten Mössingers. Doch die Straßen-Idee zum Generalstreik-Gedenken sorgt (wie wäre es anders möglich) wahlweise für Achselzucken, Begeisterung oder Widerwillen – nur nicht für Eintracht.

Sehr inspirierend: die Textorstraße in Frankfurt am Main.Bild:HerbertCarl Sehr inspirierend: die Textorstraße in Frankfurt am Main.Bild:HerbertCarl

Apropos Eintracht: Nun ist es ja nicht so, dass in Frankfurt am Main – immerhin Heimat des ersten gesamtdeutschen Parlaments – mehr für das Andenken der Mössinger Antifaschisten getan würde als in Mössingen selbst. Die Main-Metropole würdigt mit ihrem blauweißen Straßenschild nämlich bloß Johann Wolfgang Textor: Stadtschultheiß und, immerhin, Goethes Opa.

Johann Wolfgang: der Textor für jedermann. Johann Wolfgang: der Textor für jedermann.

Wäre zumindest der vielleicht etwas für Mössingen? Kommt’s darauf überhaupt an? Kann man nicht beides haben – Jakob und Johann Wolfgang?

Man müsste nur, wie es die Frankfurter gemacht haben, immer schön im Vagen bleiben bei der Beschriftung! Und schon ist sie da: die Textor-Straße für Jedermann, ob rechts, ob links, ob Mitte. Dazu eine entsprechende Tafel: „Textor-Straße: Wahlweise benannt nach Jakob Textor, prägende Figur des Mössinger Generalstreiks gegen Hitler. Oder nach Johann Wolfgang Textor, Goethes Opa.“

Im Grunde genial. Und nebenbei bemerkt: Auf diese müde Art und Weise der Konfliktvermeidung ließen sich noch ganz andere Straßennamen in Mössingen verwirklichen: „Boulevard des 31. Januar“ etwa – an dem Tag flog im Jahr 1961 immerhin der erste Schimpanse ins All.

Was uns direkt zum Problem führt, was denn zum Teufel den altehrwürdigen Stadtschultheiß Johann Wolfgang Textor aus Frankfurt am Main mit der Blumenstadt Mössingen verbindet. Die Antwort: fast alles.

Dichterenkel Goethe plaudert jedenfalls haltlos aus dem Nähkästchen, wenn er in „Dichtung und Wahrheit“ lang und breit erzählt, dass man „jeden Abend den Großvater mit behaglicher Geschäftigkeit eigenhändig“ – Und jetzt kommt’s! – „die feinere Obst- und Blumenzucht besorgend“ fand.

Einfach klasse, oder? Der Opa war ein Blumen-Fan! „Das Sortieren der Zwiebeln von Tulpen, Hyazinthen und verwandter Gewächse, sowie die Sorge für Aufbewahrung derselben überließ er niemanden.“ Welche Samenmischung Opa Johann favorisierte, hat der Enkel zwar unterschlagen. Aber man kann ja nicht alles haben.

Eike Freese

21.08.2012 - 08:30 Uhr

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