Das U 21-Länderspiel zwischen Ungarn und Deutschland am 22. März wird besonders würdig beginnen. Bevor in der Steinlachhalle die Jagd nach dem Ball losgeht, singt Cordula Funk beide Nationalhymnen. A-cappella, deutsch und ungarisch.
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Susanne Mutschler
Sie hat eine richtige Soul-Röhre: Cordula Funk, 21, singt hier zuhause am Klavier. Bild: Rippmann
Mössingen. „Da werden garantiert Tränen fließen“, schätzt Gerhard Jockenhöfer, Leiter der Mössinger Handballabteilung. Wenn die Studentin Cordula Funk aus Mössingen vor dem Länderspiel „mit ihrer ergreifenden Stimme“ zu den beiden Nationalhymnen anheben wird, gehe das „ans Herz“. Jockenhöfer rechnet für die Begegnung der Juniorhandballer aus Ungarn und Deutschland mit einem großen und begeisterungsfähigen Publikum. Die Steinlachhalle fasst über 1000 Zuschauer. Denen werde Cordula Funk mit den nationalen Liedversen „Schauer über den Rücken jagen“, sieht Jockenhöfer voraus. Den ungewohnten Auftritt der jungen Soulsängerin sieht er als ein Geschenk an das treue Mössinger Handballpublikum. „Wenn Cordula singt, dann ist das etwas Besonderes.“ Gleichzeitig erfülle er sich als bekennender „Fan von Cordula“ einen lange gehegten Wunschtraum.
Als Jockenhöfer vor einem Jahr anfragte, ob sie sich vielleicht einen Auftritt als Hymnensängerin vorstellen könnte, habe sie „natürlich“ sofort zugesagt, erzählt Cordula Funk, die in Trier Politik und öffentliches Recht studiert. Als ehemaliges Mitglied der Mössinger Handballjugend sei das für sie keine Frage gewesen. Dabei wusste sie damals noch gar nicht, welche Nation sie besingen würde. Auch dass es sich bei einem Länderspiel „um keine kleine Veranstaltung“ handelt, sei ihr auch erst im Nachhinein klar geworden. „Versing‘ dich bloß nicht!“, diese Warnung höre sie in den vergangenen Tagen immer wieder.
Die deutsche Nationalhymne in Lied und Text könne sie sowieso, erklärt sie. Bei der ungarischen allerdings musste sie erst im Internet nachforschen. Dort fand sie die Noten – „eine wunderschöne Melodie“, findet die 21-Jährige – und auch die Regeln für die Aussprache. „Ein O mit Strich ist ein Ö“, weiß sie. Inzwischen gehört die Hymne zum Semesterferien-Alltag im Hause Funk. Treppauf, treppab schwelgt Cordula Funk im ehrenvollsten Lied der Magyaren. „Ich übe ständig nebenher“, sagt sie. Damit sich garantiert kein Sprachfehler einschleicht, wird eine Ungarin aus der Nachbarschaft ihren Vortrag noch einer Endkontrolle unterziehen. „Ich will ja nicht, dass die Ungarn die Hände über dem Kopf zusammenschlagen.“
Gesang und Musik gehören zu Cordulas Funks Leben, so lange sie denken kann. Mit fünf Jahren ging sie zum ersten Mal in den Klavierunterricht. Seit sie 14 ist, komponiert sie eigene Lieder. Dass dabei meistens traurige Liebesballaden herauskommen, erstaunt sie selbst am meisten. Sie sei nämlich „voll der fröhliche Mensch“.
Gesangsbegeisterte Mössinger kennen Cordula Funks dunkle Soulstimme schon lange. Sie trat mit der Rockband „No Bass“ auf, leitete den Popchor der Mössinger Chorgemeinschaft und sang sich mit ihren mitreißenden Gospelsoli in die Herzen ihrer Zuhörer. Inzwischen ist sie außerdem Mitglied des baden-württembergischen Landesgospelchores in Stuttgart. Im Juni wird sie beim deutschen Kirchentag in Dresden als Solistin zu hören sein.
Auch ihr Studium in Trier ist voller Musik. Zur Zeit startet sie ein vom Deutschen Roten Kreuz gefördertes Chorprojekt, bei dem Menschen mit Behinderungen mitsingen. Außerdem sei eine dreiköpfige „Mädchenband“ mit Klavier, Schlagzeug, Saxofon und ihrer Stimme in der Gründungsphase. „Musik tut der Seele gut“, sagt sie. Es gehöre einfach zu ihrem Leben, mit Freunden zusammen zu sein und zu „jammen“.
Dass sie die beiden Nationalhymnen mutterseelenallein und a cappella singen wird, verstärke zwar den „Bammel“ vor dem Auftritt. Aber „es kommt besser rüber“, da ist sie ganz sicher, und irgendwie sei es auch „ein schönes Gefühl“, vor so vielen Leuten zu stehen. Ihr gesangliches Temperament will Cordula Funk beim Vortrag der Hymnen hintenan stellen. „Man hat ein Land zu vertreten“, findet sie, „eine Hymne darf man nicht zu schnell runtersingen“. Aber sie will auch nicht bedächtig und getragen klingen – „wie ein Männerchor“.