[X]
 per eMail empfehlen


   

Froh, dass überhaupt was fährt

Busverkehr im TAGBLATT-Test (2): Die „Bästenhardter Linie“

Seit Mitte Dezember kurven die Busse mit den Blumenmotiven verstärkt durchs Mössinger Stadtgebiet. Weniger Bürger als erwünscht nehmen das erweiterte Angebot bisher wahr. Doch bevor man einsteigt, sollte man auch durchsteigen. Die „Bästenhardter Buslinie“ im TAGBLATT-Test.

Anzeige


Amancay Kappeller
Der neue Stadtbus in der Butzenbadstraße, an der Haltestelle vor den „hohen Häusern“. Bild: ... Der neue Stadtbus in der Butzenbadstraße, an der Haltestelle vor den „hohen Häusern“. Bild: Rippmann

Mössingen. Walter Maier steht in Bad Sebastiansweiler an der Bushaltestelle und wartet auf die Linie 1, die über Bästenhardt nach Mössingen und wieder zurück fährt. Der Rentner, der „in den Siebzigern“ ist, wohnt in Bästenhardt, hat gerade eine Bekannte in der Kurklinik besucht, die dort zur Reha ist. „Über das neue Busangebot bin ich froh. Ich habe kein Auto, bin nicht mehr so gut zu Fuß und nutze es verstärkt, vor allem jetzt im Winter.“ „Ganz geschickt“ findet es Maier, dass die Busse jetzt auch das Gewerbegebiet Riethäcker anfahren: „Für den Großeinkauf ist mir der Bus zu umständlich, da fahre ich mit einer Freundin, die ein Auto hat, aber wenn ich nur wenige Sachen brauche, dann geht das schon.“ Gesagt, getan: An der Haltestelle „Marktkauf“ steigt der pensionierte Kaufmann mit gezückter Einkaufstasche aus.

Und auch noch mini-klein geschrieben

Wer vom Mössinger Busbahnhof aus nach Bästenhardt fahren will, der muss an der Haltestelle Nord beim Güterschuppen (in der Eisenbahnstraße) einsteigen – nur dort fährt die Linie 1 ab. Der geänderte Abfahrtsort sorgt regelmäßig für Verwirrung. Eine 47-jährige Belsenerin, die den Einser oft nutzt, um ins Gewerbegebiet Riethäcker zu fahren, ärgert sich über die mangelnde Beschilderung: „Das hat ja nichts mit Schilderwald zu tun, es wäre doch dringend nötig. Ich weiß nicht, was dahintersteckt, vielleicht falsch verstandene schwäbische Sparsamkeit.“

Sie komme in ihrem Alter ja „gerade noch so“ zurecht mit den Fahrplänen, ältere Leute sehe sie aber regelmäßig ratlos vor den Tafeln stehen, so die Verkäuferin. „Und mini-klein geschrieben sind sie auch noch.“

Kurt Räuchle, Fachbereichsleiter für Ordnung und Verkehr bei der Stadt Mössingen, erklärt auf Nachfrage, dass bei den Fahrplanaushängen schließlich auf den genauen Abfahrtsort verwiesen werde. „Dieser Hinweis wird aber noch optimiert werden, so dass es in Zukunft keine Irrtümer mehr gibt.“

Max wohnt in Bästenhardt und weiß mittlerweile ziemlich genau, wo er einsteigen muss, wenn er zum Gitarrenunterricht, ins Hallenbad oder zu seinem Freund will. „So ganz habe ich es aber noch nicht kapiert, wann und warum die Busse unterwegs einfach mal die Liniennummern wechseln oder irgendwo gar nicht anhalten“, sagt der 13-jährige Gymnasiast.

Ali Güvenci, 12, fährt oft mit dem Bus, „mit den Kumpels nach Mössingen oder zum Fußballtraining“. Dass mehr Busse fahren, findet er praktisch. „Wenn ich mal was nicht weiß, dann frag ich die Busfahrer. Manche können Auskunft geben, manche nicht.“

„Völlig logisch für die Passagiere“ findet ein Aushilfsbusfahrer aus Stuttgart, der in Mössingen erst seit wenigen Tagen fährt, hingegen Streckenführung und Fahrpläne. Selbst wenn die Linie sich an der Endhaltestelle in eine andere verwandele – das Ziel sei schließlich immer außen am Bus angeschrieben. „Das stimmt aber nicht“, mischt sich ein Passagier aus den hinteren Sitzreihen ein. „Der 7616er zum Beispiel fährt eben nicht immer bis nach Talheim, obwohl es am Bus dran steht.“

Einfach mal einsteigen: Welche städtischen Ziele lassen sich werktags im Halbstundentakt von 5 bis 22 Uhr mit der „Bästenhardter Buslinie“ (offizielle Beschilderung: Mössingen - Bästenhardt - Bad Sebastiansweiler und zurück) erreichen – mit exemplarischem Start in der Rostocker Straße?

Zum Bästenhardter „Zentrum“ mit Lebensmittelgeschäften, Drogeriemarkt und Apotheke gelangt man in 5 Minuten, ebenso zur Johanneskirche, die jetzt eine eigene Haltestelle hat.

Das Gewerbegebiet Riethäcker erreicht man in 10 Minuten (Haltestelle „Marktkauf“).

Am Mössinger Bahnhof und damit am Rathaus und der Stadtbücherei ist man in 12 Minuten.

Zur Post (Ausstieg Stadtmitte) kommt man in 15 bis 20 Minuten.

Zum Hallenbad und zu den Schulturnhallen gelangt man, wenn man am Busbahnhof umsteigt: in die Linie 7616 Richtung Belsen (Haltestelle Dreifürstensteinstraße).

Wer zum Freibad will, der muss an der Haltestelle „Busbahnhof“ oder „Stadtmitte“ umsteigen in den 7616er. Aber Vorsicht: Dieser hält auf dem Weg nach Talheim nicht immer am Freibad.

Nach Bad Sebastiansweiler gelangt man auf direktem Weg in zwei Minuten. Allerdings: Diese Haltestelle steuert nicht jeder Bus der Linie 1 an.

Mit der Kirche ums Dorf zum Friedhof

Elisabeth Kreuzmann ist „froh, dass überhaupt was fährt“; sie hat kein Auto und ist auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Die neuen Busrouten findet sie für ihre Zwecke jedoch „katastrophal“. Die 79-Jährige wohnt in der Pappelstraße, steigt an der Haltestelle Danziger Straße ein. „Wenn ich zum Belsener Friedhof will, muss ich mit der Kirche ums Dorf fahren“, sagt die Rentnerin.

Früher sei sie in Belsen an der Haltestelle „Molkerei“ ausgestiegen. Da der Einser diese Haltestelle aber nicht mehr anfährt, muss die Rentnerin zunächst bis zum Busbahnhof fahren und dort in die „Belsener Linie“ 7616 (diese fährt auf der „normalen“ Busbahnhofseite ab) umsteigen. „Außerdem ist es für mich jedes Mal ein Studium, den Fahrplan, der noch dazu groß und unhandlich ist, zu lesen, ich schreibe mir alles auf einen kleinen Zettel heraus“, sagt Kreuzmann, die Mitglied bei den „Bürgern für Bästenhardt“ ist. Ein Wartehäuschen für die Haltestelle Busbahnhof Nord fände sie gut, „weil‘s da arg zieht“. Und sie hat beobachtet, dass durchaus auch die Busfahrer gestresst sind: „Sie wissen teilweise selber nicht, wo sie hinfahren müssen, eben kreuz und quer.“

Bitte einsteigen! Agenda-Tipps zum neuen Stadtverkehr

Die erste Folge unserer kleinen Serie über den neuen Mössinger Stadtverkehr haben wir am 1. Februar mit der „Belsener Linie“ gestartet.

Der Agenda-AK „Mobilität und Verkehr“ gibt dazuhin bei uns in unregelmäßiger Folge Tipps zum neuen ÖPNV, heute zu diesen Fragen:

Was kostet eine Fahrt? Für Fahrten innerhalb von Mössingen mit allen Stadtteilen (Kernstadt, Bästenhardt, Belsen, Bad Sebastiansweiler, Öschingen und Talheim) kostet der Einzelfahrschein für Erwachsene 1,50 Euro, mit Naldo- oder Geldkarte 1,25 Euro (Einzel-Spar-Schein).

Wo befindet sich der Busbahnhof Nord? Hinter dem Rathaus, am alten Güterschuppen, wurde diese zusätzliche Haltestelle „Eisenbahnstraße“ für die Linie 1 eingerichtet (Mössingen - Bästenhardt -Bad Sebastiansweiler und zurück). Man hat direkten Anschluss an den Bahnhof – und ans Rathaus.

21.03.2010 - 08:30 Uhr
Anzeige


Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T�bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Anzeige


Anzeige


Ihr Kontakt zur Redaktion

Single des Tages
Anzeige
Testbericht.de - vergleichen Sie über 100.000 Produkte mit Tests und Preisangeboten.