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Ohne Ober kein Unter

Burladingen sagt Nein zum Pumpspeicher-Kraftwerk

Der Gemeinderat von Burladingen will kein Pumpspeicher-Kraftwerk Weiherbach im Regionalplan sehen. Er reagiert damit auch auf den Druck aus der Ortschaft Salmendingen. Talheim ist damit als Standort erstmal vom Papier. Die Reaktionen in Mössingen sind zurückhaltend. Die Stadt hält am ausgeguckten Standort fest.

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Eike Freese, ERNST BAUER

Mössingen. Dabei hatte Oberbürgermeister Michael Bulander bei der Vorstellung der insgesamt fünf möglichen Standorte in der Region durch den Experten des Regionalverbands noch salopp erklärt: „Wenn es in Salmendingen abgelehnt wird, ist die Sache sowieso vom Tisch – ohne Oberbecken kein Unterbecken!“ Jetzt ließ Bulander, kurz bevor er in Urlaub ging, durch Rathaussprecher Uwe Walz verlauten: „Die Stadt steht nach wie vor zur Entscheidung des Gemeinderats und begrüßt die Aufnahme ins Vorranggebiet.“ Der Rat hatte Ende Mai dem Standort im Weiherbachtal mit großer Mehrheit zugestimmt.

Artikelbild: Burladingen sagt Nein zum Pumpspeicher-Kraftwerk

Die Burladinger Räte haben mit ihrem ablehnenden Beschluss auch auf die große Gegenwehr gegen das Oberbecken in ihrer Ortschaft Salmendingen reagiert. Dort sammelten die Bürger Unterschriften gegen den Plan. Ortsvorsteher Robert Straubinger sagte kürzlich dem TAGBLATT, das sei nicht als Votum gegen alternative Energien zu verstehen. „Wir unterstützen etwa die Windkraft auf unserer Gemarkung“, so Straubinger. 20 000 Lastwagenladungen dagegen seien eine unerträgliche Belastung, der Eingriff in die Natur komme dazu. Über 400 Unterschriften hatten die Salmendinger gesammelt. Und Straubinger damit überzeugt. „Das sind 58 Prozent der Wahlberechtigten. Eine klare Entscheidung.“

Diese Montage einer möglichen Staumauer im Weiherbachtal stammt von Leser Rainer Gülch. Diese Montage einer möglichen Staumauer im Weiherbachtal stammt von Leser Rainer Gülch.

Talheims Ortsvorsteher Gottlob Heller wertet den Burladinger Beschluss erstmal als Absage ans große Ganze: „Ohne Ober- kein Unterbecken“, sagt Heller. Talheims Ortschaftsrat hatte sich vor Wochen geschlossen für die Möglichkeit eines Pumpspeicherkraftwerks ausgesprochen – wenn auch ein Rat bei einer späteren Debatte im Mössinger Gemeinderat seine Meinung revidierte, so Heller.

Für ihn stand bei seinem Pro die Energiepolitik im Vordergrund. „Wir sind auf erneuerbare Energien angewiesen und sollten unserer Verantwortung da gerecht werden“, findet er. Heller, im Hauptberuf Vorstand der VR Bank Steinlach-Wiesaz, sagt, wirtschaftliche Gründe hätten keine Rolle gespielt: „Es wäre total unsicher, inwieweit Talheim selbst profitiert hätte. Das stand bei den Beratungen im Ortschaftsrat hintan.“

Angela Bernhardt kann der Meinungsbildung derzeit nur gespannt zuschauen. Die Direktorin des Regionalverbands würde gern alle fünf Standorte in ihren Regionalplan aufnehmen – ob und welche es künftig einmal würden, stehe schließlich auf einem anderen Blatt. „Wir müssen Möglichkeiten schaffen“, so Bernhard. „Nur auf der Alb und im Schwarzwald kann Baden-Württemberg solche Speicher bauen.“ Windkraftanlagen gegen die Kraftwerke aufzurechnen, hält Bernhardt indes für verfehlt. „Das geht am Ziel vorbei. Wir brauchen die Kraftwerke da, wo sie möglich sind.“

Berthold Wiesner, 1. Beigeordneter von Burladingen, wies darauf hin, dass sein Gemeinderat den Talheimer/Salmendinger Standort zwar abgelehnt hat – aber einem anderen zugestimmt: dem Oberbecken Himberg II. Vergangene Woche gab der Hechinger Gemeinderat für das zugehörige Unterbecken im Reichenbachtal grünes Licht. Laut Wiesner ist es allerdings noch eine ganz andere Frage, wer wo investiert. Man habe jetzt nur eine Stellungnahme zum Regionalplan abgegeben.

„PSKW nee!“ – ein paar Argumente der Gegner
Der Talheimer Mediziner und PSKW-Gegner Rainer Gülch hat diese Fotomontage einer Staumauer im Weiherbachtal erarbeitet und dabei, so Gülch, „bauliche Vorgaben des Regionalplans zum Staudamm ziemlich maßstabsgetreu einmontiert“. Gülch moniert, dass durch ein neues Pumpspeicherkraftwerk in Talheim „Aushängeschilder wie Blumenstadt, Streuobstparadies, Früchtetrauf, Bergrutsch konterkariert“ würden, „da blühende Wiesen, Orchideenstandorte, Streuobstwiesen, Bachbiotope und Wälder zerstört und zubetoniert werden“. Er mutmaßt, ein Pumpspeicherkraftwerk würde nach seiner Fertigstellung als Bauruine enden, mahnt Erdbeben- und Erdrutschgefahr an, glaubt nicht daran, dass der Weiherbach ein ausreichender Wasserlieferant sein könnte, und stellt die positiven Folgen für das lokale Gewerbe („nicht rentabel“) und für die Naherholung („zubetonierte Becken“) in Frage.


04.08.2012 - 08:30 Uhr

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